Silvio Meißner (re.) im Duell mit dem damaligen Kickers-Spielmacher Adnan Kevric: Der defensive Mittelfeldspieler trug von 1996 bis 2000 den Dress von Arminia Bielefeld. Foto: Baumann

Silvio Meißner spielte vor seinem Wechsel im Jahr 2000 zum VfB Stuttgart vier Jahre für Arminia Bielefeld. Im Interview sagt der Ex-Profi, was der eine Club dem anderen voraus hat.

Stuttgart - Arminia Bielefeld hat den großen Clubs eine lange Nase gedreht und steht als Aufsteiger in die Fußball-Bundesliga fest. Der ehemalige Profi Silvio Meißner (47) erklärt, was das Team von Trainer Uwe Neuhaus auszeichnet, wie er die Chancen des VfB Stuttgart einschätzt und warum er den 1. FC Heidenheim im Rennen um den Sprung nach oben weiter auf der Rechnung hat.

Herr Meißner, haben Sie sich auf den Aufstieg von Arminia Bielefeld ein Gläschen genehmigt?

Nein, ich habe es nur sehr interessiert verfolgt. Da ich ja von 1996 bis 2000 in Bielefeld spielte, habe ich keine größeren Bindungen mehr dorthin, wenngleich ich schon einiges mit der Arminia verbinde.

Zum Beispiel?

Mein erstes Bundesligaspiel mit Stefan Effenberg als Gegenspieler, eine ganz schwere Sprunggelenks- und Wadenbeinverletzung sowie zwei Abstiege. Aber aktuell freue ich mich schon, dass der erste meiner ehemaligen Clubs den Aufstieg geschafft hat.

Haben Sie damit zu Saisonbeginn gerechnet?

Jeder dachte, dass es der VfB Stuttgart, der Hamburger SV und Hannover 96 unter sich aus machen. Ich hatte von Anfang an auch den 1. FC Heidenheim auf dem Schirm und durchaus noch ein Team, mit dem keiner rechnet.

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Was zeichnet die Arminia aus?

Sie haben in Uwe Neuhaus einen Trainer, der optimal passt. Die Mannschaft steht hinten sehr gut, er lässt einen gepflegten Fußball nach vorne spielen und – ganz entscheidend – sie haben im Gegensatz zum VfB in Fabian Klos (Anm. d. Red.: 19 Saisontore) einen echten Knipser vorne drin.

Kann das Team sich in der Bundesliga halten?

Warum nicht? Klar wird es schwer, aber wer hätte schon gedacht, dass Aufsteiger Union Berlin in der Liga bleibt?

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Reicht es für Ihren zweiten Ex-Club, den VfB Stuttgart, auch zum Sprung nach oben?

Man hat zuweilen den Eindruck, VfB und HSV sind zu doof für den Aufstieg. Irgendetwas fehlt dem VfB, die Spieler präsentierten sich oft so, als hätten sie einen Rucksack auf. Der VfB musste in einigen Spielen froh sein, dass keine Zuschauer da waren, der Unmut wäre riesig gewesen.

Woran mangelt es dem Team konkret?

An Mentalität. Es fehlte häufig einer, der vorneweg marschiert. Ohne Zuschauer musst du dich intern noch mehr puschen.

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Wie erklären Sie sich die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Trainer Pelegrino Matarazzo?

Ich hätte den Vertrag an seiner Stelle auch ohne zu zögern unterschrieben (lacht). Im Ernst: Wahrscheinlich wollte der VfB den Spielern ein Alibi nehmen.

Was würde ein zweites Jahre zweite Liga hintereinander für den VfB bedeuten?

Die wirtschaftlichen Folgen könnten, auch aufgrund der Conona-Krise, gravierend sein. Hinzu kommt, dass es sich auch auf die Identifikation in der Region negativ auswirken würde. Zu meiner Zeit in Stuttgart war jedes Kind, von ein paar Bayern-Anhängern abgesehen, VfB-Fan. Das ist längst nicht mehr der Fall. Dieser Trend würde sich verschärfen.

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Wer belegt die Plätze zwei und drei?

Also, ich hoffe mal, der VfB wird Zweiter. Der 1. FC Heidenheim wird auf Platz drei landen.

Und hat dann plötzlich doch Druck und scheitert in der Relegation?

Nein, die wissen schon ganz genau, wo sie herkommen, sie sind sehr stabil und machen es richtig, richtig gut. Der 1. FC Heidenheim kann es gegen den Bundesliga-16. packen.

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