Passt überall hin: Das Haus an Haus Foto: Reinhard Matt (z)

Vis á Vis – der Name ist Programm. Das sogenannte kleine Haus an Haus der Obertürkheimer Firma Prewo Möbel + Raum ermöglicht in Corona-Zeiten den sicheren Besuch von Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen. Von Angesicht zu Angesicht.

Obertürkheim - Im Rahmen der geplanten Lockerungen in der Coronakrise wird auch das Besuchsverbot in den Alten- und Pflegeheimen gelockert – allerdings sehr eingeschränkt. Lediglich einer Bezugsperson pro Bewohner und auch nur mit Schutzkleidung ist nunmehr der Besuch der Angehörigen gestattet. Das stellt die Einrichtungen vor große Probleme, oftmals müssen eigene Wege gefunden werden. Abhilfe bietet nunmehr ein neues System. Das „Vis-à-Vis“ genannte Haus-an-Haus ermöglicht es Angehörigen, ihre Liebsten zu sehen und zu sprechen, ganz ohne Risiko. „Der kleine Anbau kann überall ganz einfach aufgestellt werden“, verspricht Innenarchitektin Miriam Prewo von Prewo Möbel + Raum in Obertürkheim.

Wochenlang die eigene Mutter im Pflegeheim aufgrund der bestehenden Kontaktsperre nicht mehr besuchen zu können – wie Reinhard Matt erging es in Corona-Zeiten vielen Angehörigen. Aber der Schreinermeister aus Bad Säckingen entwickelte aus der Not heraus die Idee des Hauses am Haus. Mit Informationen aus erster Hand – schließlich betreibt der Bruder selbst ein Pflegeheim – entstand so eine einfache Lösung, um die Einsamkeit von Heimbewohnern zu bekämpfen. Der Name ist dabei Programm. Mit „Vis-à-Vis“, zu deutsch: „von Angesicht zu Angesicht“, können die Angehörigen ihre Liebsten nicht nur sprechen, sondern eben auch sehen. „Es ist ein Vorteil für alle Seiten“, betont Prewo. Denn der Erfolg gibt der Neuerfindung Recht. Bereits in einigen Einrichtungen im Schwarzwald wurde der neue Anbau erfolgreich eingesetzt. „Die Depressionen der Bewohner ließen nach und auch der Druck der Angehörigen, ihre Verwandten nicht besuchen zu können“, weiß Sonja Matt. Von Einrichtung als auch Gesundheitsamt wurde die Idee als sehr gut bewertet. Die Tochter des Erfinders arbeitet als Planerin bei der Obertürkheimer Traditionsfirma, so kam der Kontakt zustande. „Ich war sofort hellauf begeistert“, sagt Prewo.

Denn die einfache Konstruktion erfüllt alle Kriterien, um in Pflegeheimen, aber auch in Kliniken eingesetzt werden zu können. Das Haus wird einfach vor einem geöffneten Fenster oder einer Terrassentür aufgestellt. Der Besucher kann in der 1,8 Meter hohen, 1,2 Meter tiefen und 2,5 Meter hohen Konstruktion Platz nehmen. Der Sichtkontakt ergibt sich durch ein großes Fenster auf der Vorderseite. Gesprochen wird über eine Gegensprechanlage, „in der Praxis nutzen viele Einrichtungen aber einfach das eigene Haustelefon“, weiß Prewo. So kann auch bei einem Kontaktverbot Zeit miteinander verbracht werden.

Das in weiß gehaltene, neutrale Haus an Haus besteht aus lediglich neun großen Einzelteilen. Wände und Dach sind aus witterungsbeständigem, recyceltem Kunststoff hergestellt. „Dafür haben wir das Material eine Woche lang in ein Wasserbad gelegt, ohne dass es aufgequollen ist“, sagt Prewo. Das Sichtfeld in der abschließbaren Tür und das Fenster bestehen aus Sicherheitsglas, lediglich der Sockel aus Echtholz. „Alle Oberflächen sind natürlich auch Desinfektionsmittel-resistent“, betont die Schreinerin und Innenarchitektin.

Der Aufwand für die denkbar einfache Konstruktion sei gering, auch von einem Laien aufzubauen und mit 4000 Euro aus ihrer Sicht erschwinglich. Daher wird gerade eine Transportbox entwickelt, in der man das Haus an Haus auch zwischenlagern könne. Denn nicht nur während der aktuellen Coronakrise sieht Prewo, die als Produktions- und Vertriebspartner in der Region Stuttgart fungiert, einen Nutzen. „Denn auch während anderer ansteckender Infektionskrankheiten kann man sich so schützen“ und den Kontakt aufrecht erhalten – und das direkt Vis-à-vis.

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