Die beiden französischen Sender TF1 und M6 planen eine Fusion. Damit wollen sie im boomenden Wettbewerb der Streamingdienste ihre Chancen verbessern. Foto: AFP/Lionel Bonaventure

Die Sender TF1 und M6 sollen fusionieren, um im globalen Wettbewerb der Streamingdienste mithalten zu können.

Paris - Große Aufregung in Frankreichs Medienlandschaft: Die beiden privaten Sender TF1 und M6 wollen fusionieren. Der Zusammenschluss soll nach Aussagen der Verantwortlichen in den kommenden 18 Monaten über die Bühne gehen. Weil dadurch ein neues Schwergewicht im Fernseh- und Streaming-Markt in Frankreich entstehen wird, müssen vorher allerdings die Kartellbehörden zustimmen. Erklärtes Ziel ist es, im schärfer werdenden Wettbewerb mit globalen Tech-Plattformen die Chancen zu verbessern.

Die Anteile des Bertelsmann-Konzerns

Das geplante Geschäft in Frankreich betrifft auch den Bertelsmann-Konzern in Gütersloh als Mehrheitseigentümer der RTL Group mit Sitz in Luxemburg. Die RTL-Gruppe hält derzeit 48,3 Prozent der M6-Anteile, die anderen Anteile befinden sich in Streubesitz. Die RTL-Gruppe würde zunächst ihren gesamten Anteil in das neu fusionierte Unternehmen in Frankreich einbringen und dann Anteile in Höhe von 641 Millionen Euro an TF1-Eigentümer Bouygues verkaufen – das wären elf Prozent des neuen fusionierten Unternehmens. Am Ende wäre die RTL Group mit einem rund 16 Prozent großen Anteil als zweitgrößter Aktionär an dem neuen Konzern beteiligt – Bouygues hätte rund 30 Prozent und wäre exklusiver Kontrollaktionär, wie die Eigentümer und die TV-Gruppen mitteilten. Die neue Gruppe soll von dem bisherigen M6-Chef Nicolas de Tavernost geleitet werden.

Der Umsatz des börsennotierten fusionierten Unternehmens würde sich auf 3,4 Milliarden Euro (pro forma 2020) und der operative Gewinn auf 461 Millionen Euro belaufen. Damit läge der neue französische Medienriese im direkten Vergleich der Umsatzzahlen vor der Mediengruppe RTL Deutschland (Umsatz 2020: 2,13 Milliarden Euro).

Nur ein Schritt einer großen Strategie

Laut Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe wäre die geplante Fusion „ein erster großer Schritt in der Umsetzung unserer Strategie, nationale Media Champions in unseren europäischen Märkten zu schaffen“. Bertelsmann hatte seit Monaten über den Verkauf von M6 verhandelt, womit sich der Konzern weitgehend vom französischen Fernsehmarkt zurückziehen will. Nach Medienangaben setzten sich Bouygues und TF1 unter anderem gegen den französischen Medienkonzern Vivendi und seinen Bezahlsender Canal+ durch.

In Frankreich wird die Fusion mit Argusaugen beobachtet, schließlich handelt es sich um die beiden Marktführer im privaten TV-Sektor. Der neue Verbund würde aktuell zusammen auf Zuschaueranteile von zusammen 42,7 Prozent kommen, weit vor France Télévisions mit 28 Prozent. Gleiches gilt für die Werbeeinnahmen. Im Jahr 2020 erzielte die TF1-Gruppe dort Einnahmen in Höhe von 1,41 Milliarden Euro, während M6 830 Millionen Euro erzielte. Durch die Zusammenführung der beiden Unternehmen würde die neue Gruppe mehr als 70 Prozent des französischen Marktes für Fernsehwerbung kontrollieren. Die Union des Marques UDM, ein Zusammenschluss zahlreicher französischer Unternehmen und Werbetreibender, hat bereits bekannt gegeben, dass sie diesen Zusammenschluss sehr kritisch sehe.

Fundamentaler Wandel im TV-Geschäft

Die Fusion ist auch eine Reaktion auf den tief greifenden Wandel, in dem sich das TV- und Filmgeschäft im Moment befindet. Profitiert werden soll vor allem vom Boom der Streaming-Dienste, der durch die Corona-Pandemie noch einmal beschleunigt wurde.

Wie die Zeitung „Le Parisien“ berichtet, soll im Zuge der Zusammenlegung der Sender nicht nur Geld gespart werden, sondern auch eine „leistungsstarke nationale Plattform“ aufgebaut werden. Dort soll ein freies Streaming-Angebot mit einem Abo-Service für Filme kombiniert werden. Konkurrenten des französischen Riesen sind die weltweit tätigen Streaming-Plattformen wie Amazon Prime, Disney+ oder Netflix.

Amazon versucht den großen Sprung

Dabei ist der weltgrößte Online-Händler Amazon einer der führenden Player beim Videostreaming – auch weil sein Angebot im Abo-Dienst Prime mit mehr als 200 Millionen Kunden integriert ist. Und nach Meldungen der „New York Times“ will Amazon weiter wachsen und seinen Einfluss ausbauen. Das Unternehmen soll demnach über den Kauf des traditionsreichen Hollywood-Studios MGM verhandeln. Mit der Übernahme bekäme Amazon die James-Bond-Filmreihe sowie eine Bibliothek aus mehr als 4000 Streifen wie „Rocky“ und „Robocop“.

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