Foto: Frey/Iris Frey

Rein in die Wanderstiefel und raus in die Natur. Was dieser Tage viele Menschen privat gegen den Corona-Frust unternehmen, ist im Fall der Ortsgruppen des Schwäbischen Albvereins in den Neckarvororten nicht ganz so einfach. Trotz Lockerungen müssen weiterhin bestimmte Regeln eingehalten werden.

Neckarvororte - Die Natur scheint Menschen in Corona-Zeiten fast magisch anzuziehen. Wanderstiefel statt Bikini, lautet derzeit vielerorts die Devise. Allerdings galt dies in den vergangenen Wochen nur für einzelne Familien oder maximal zwei Haushalte. Größere Gruppen hingegen, die sich gemeinsam auf die Strecke begeben, waren nicht zulässig. Seit wenigen Tagen ist im Zuge weiterer Lockerungen jedoch auch dies möglich. Ein Signal, auf das viele Mitglieder des Schwäbischen Albvereins sehnsüchtig gewartet haben. Allerdings gelten für Touren klare Vorgaben. Eine Teilnehmerliste müsse auf jeden Fall geführt werden, zählt Wanderreferentin Karin Kunz auf. Die Gruppengröße liege bei maximal 20 Personen und es sei notwendig, alle Teilnehmer auf die bestehenden Hygieneregeln hinzuweisen. Den Verantwortlichen wird zudem empfohlen, Hotspots und schmale Wege zu meiden und eine eventuelle Einkehr gut vorzubereiten. „Wir starten jetzt langsam wieder mit unseren geführten Wanderungen“, kündigt Kunz an. Allerdings überlasse man die Entscheidung, ob sie die Verantwortung für eine Gruppe übernehmen wollen, den Wanderführern. „Ich habe da großes Vertrauen, dass sie besonnen und verantwortungsbewusst mit der Situation umgehen und dafür sorgen, dass innerhalb der Wandergruppe Rücksicht aufeinander und auf andere Gruppen im öffentlichen Raum genommen wird.“

Trotz der gelockerten Verordnung: Bei der Ortsgruppe Bad Cannstatt will man sich zunächst abwartend verhalten. „ Wir haben alle Wanderungen bis Ende August sowie unser Fest am Burgholzhofturm abgesagt und dabei wird es auch bleiben“, sagt Vorstand Jan Bangert. Denn unterwegs zu anderen Gruppen im öffentlichen Raum einen Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten, sei oft schwierig. Zudem gelte ein großer Teil der Mitglieder aufgrund ihres Alters als Risikogruppe – und die will man nicht gefährden. Frühestens ab September werde man wieder kleine Wanderungen planen. Jan Bangert hält kurz inne, dann ergänzt er: „Vorausgesetzt es gibt nicht noch eine zweite Welle.“

Abgesagt – dieses Wort steht hinter vielen geplanten Wanderungen und Aktivitäten, die die Ortsgruppe Mühlhausen in ihrem Kalender aufgeführt hat. „Nach reichlicher Überlegung und mit Abstimmung des Vorstandsteams unserer Ortsgruppe sehen wir die Pflicht, den Corona-Virus einzudämmen höher an als die Durchführung unseres Programms“, versichert Ursula Schmidt. „Deshalb haben wir trotz weiterer Lockerungen der Corona-Verordnungen entschieden, alle Veranstaltungen und Wanderungen bis Ende August abzusagen.“ Auch die Vorsitzende der Ortsgruppe in Mühlhausen betont, dass die Mehrzahl ihrer Mitglieder zum Kreis der gefährdeten Personen gehöre und die Erhaltung der Gesundheit für sie an erster Stelle stehe. „Außerdem ist die Umsetzung der Corona-Verordnungen und die Einhaltung des Hygienekonzepts für Wanderungen in Gruppen nur mit größter Mühe möglich.“

Mit Hilfe von acht Aushängen in Untertürkheim und den entsprechenden Informationen im Internet hat Inge Herrmann in den vergangenen Wochen darauf aufmerksam gemacht, dass alle Wanderungen bis September entfallen. Daran ändert auch die neue Möglichkeit entsprechender Tourenangebote mit einem entsprechenden Hygienekonzept wenig. „Ich bin derzeit die alleinige Wanderführerin“, erklärt die Vorsitzende der Ortsgruppe Untertürkheim-Rotenberg mit Blick auf die erlaubte Teilnehmerzahl von 20. „Das erschwert es natürlich.“ Was Inge Herrmann auch bedauert: War es früher zulässig, Gäste mitzunehmen, sollen die Teilnahme an den Wanderungen nun offenbar nur noch den Mitgliedern des Schwäbischen Albvereins vorbehalten sein.

Ganz anders sieht es bei der Ortsgruppe Obertürkheim-Uhlbach aus. Die erste Wanderung wurde zeitlich direkt nach den Lockerungen der Auflagen durchgeführt, berichtet Vorstand Wolf Wölfel. Mit 15 Personen ging es in das Naturschutzgebiet Irndorfer Hardt. Was sich von früheren Ausflügen unterschied: „Wir haben die Personen auf noch mehr Autos verteilt.“ Und bei der Einkehr haben die Teilnehmer kurzzeitig ihren Mund- und Nasenschutz getragen. Der nächste Ausflug ist bereits fest eingeplant: Am 26. Juli steht eine Ausfahrt mit dem Dampfzug an. Und auch die weiteren Aktivitäten sollen wie im Kalender vorgesehen durchgeführt werden – mit einer Ausnahme: Die gemeinsame Singstunde entfällt.

Erstmals abwarten, lautet die Devise bei der Ortsgruppe Hedelfingen . Die Veranstaltungen im Juli und August bleiben abgesagt, berichtet Vorstand Dieter Westermann. Allerdings handele es sich bei diesen aufgrund der Sommerferienzeit sowieso um keine große Anzahl. „Im September entscheiden wir dann, wie wir weiter verfahren.“ Eines werde aber anders sein: Mit Bussen, Straßenbahnen und Zügen zu den Ausflugszielen zu fahren, werde man so gut wie möglich vermeiden. „Die Zahl der Kontakte zu anderen soll möglicht gering sein.“

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