Die hölzerne Schutzhütte am Gögelbach wurde im Dezember 2015 überraschend abgebaut. Foto: Mathias Kuhn

Die sanierungsbedürftige Schutzhütte am Gögelbach in Untertürkheim ist im Dezember 2015 abgerissen worden. Alle Bemühungen um einen Wiederaufbau scheiterten seither. Nun gibt es einen neuen Vorstoß.

Untertürkheim - D ie Schutzhütte am Gögelbach ist im Dezember 2015 von Mitarbeitern des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes (GFF) entfernt worden – „in einer Nacht- und Nebelaktion“, ärgern sich die Untertürkheimer Bezirksbeiräte Werner Feinauer (SPD) und Andrea Mathiasch (CDU) noch immer. Der Unterstand aus Holz sei zwar reparaturbedürftig gewesen – Fachleute hatten festgestellt, dass die Hütte nicht mehr verkehrssicher und das Dach an einigen Stellen undicht war. „Aber man hätte sie keinesfalls gleich ganz abbauen müssen“, meint Feinauer. In der jüngsten Sitzung des Bürgergremiums haben beide Fraktionen einen Antrag eingereicht: „Wir wollen wieder unsere Schutzhütte. Der Bezirksbeirat stellt Finanzmittel für einen Neubau zur Verfügung“, fordern sie darin.

Zwei vergebliche Versuche

Lange Zeit hatten die Untertürkheimerinnen und Untertürkheimer für den Wiederaufbau der Holzkonstruktion gekämpft. Allerdings vergeblich: Nach Angaben der Stadtverwaltung hätte der Neubau nach historischem Vorbild 53 000 Euro gekostet. Eine Investition, die der Gemeinderat bei den Beratungen zum Doppelhaushalt 2018/2019 ablehnte. So, wie er zwei Jahre zuvor schon die 30 000 Euro für eine Sanierung verweigert hatte. Nach den vergeblichen Bemühungen wurde es ruhig um das Thema. Bis jetzt.

Sie fehlt den Bürgern

„Ob Regen oder Sonnenschein, die Schutzhütte fehlt den Untertürkheimer Bürgern“, erklären Mathiasch und Feinauer in ihrem Gemeinschaftsantrag. „Sie war ein markanter Treffpunkt für Vereine.“ Vor allem älteren Menschen habe sie über ein halbes Jahrhundert lang auf dem Weg von Luginsland zum Untertürkheimer Friedhof und zurück als lieb gewordene Zwischenstation gedient. Den heutigen Zustand empfinden die Lokalpolitiker als untragbar. Deshalb wagen sie einen dritten Vorstoß: „Nachdem die Stadtverwaltung kein Interesse für die Untertürkheimer Bevölkerung zeigt und einen Wiederaufbau ablehnt, möge der Untertürkheimer Bezirksbeirat den Bau der Schutzhütte unterstützen.“ Und zwar mit Mitteln aus seinem Budget.

Kosten nicht so hoch eingeschätzt

Nein, beeilt sich Feinauer zu erklären, das Gremium solle nicht stolze 53 000 Euro locker machen. So viel habe man ja auch gar nicht: Rund 40 000 Euro pro Jahr stellt die Stadtverwaltung dem Bezirksbeirat zur Verfügung. Dieser kann damit beispielsweise Aktivitäten von Vereinen und Gruppierungen, kulturelle Veranstaltungen oder kleinere bauliche Maßnahmen finanzieren. „Unserer Meinung nach ist der Wiederaufbau nicht so teuer, wir schätzen, dass die Kosten bei etwa 10 000 Euro liegen“, sagt Feinauer. „Es ist doch nur eine relativ einfache Blockhütte.“ Wie die Stadt vor gut zwei Jahren auf die fünffache Summe gekommen ist, sei nicht nachvollziehbar. Da sei – von der Betonbodenplatte bis zum Blitzableiter – vieles reingerechnet worden, weil man das Projekt einfach nicht gewollt habe, mutmaßt der SPD-Politiker.

Beispiel Obertürkheim

Über den Antrag wird der Bezirksbeirat Untertürkheim in einer seiner nächsten Sitzungen abstimmen. Grundsätzlich wäre die Finanzierung des Vorhabens aus dem Bezirksbudget möglich – Obertürkheim hat es vorgemacht: Der dortige Bezirksbeirat hat im Jahr 2018 insgesamt 20 000 Euro – verteilt auf zwei Jahre – für den Wiederaufbau des von Unbekannten zerstörten Unterstandes auf dem Aussichtspunkt Kapf zur Verfügung gestellt. Die Arbeiten des GFF sind vor wenigen Monaten abgeschlossen worden.

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