Beliebt: Die Dachterrasse im neu eröffneten Haus des Tourismus am Stuttgarter Marktplatz. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Wirtschaft, Politik, Zukunft? Stuttgart hat viel zu bieten und sollte sich nicht verängstigen lassen, findet Kolumnistin Elisabeth Kabatek.

Ein Schreckgespenst geht um. Stuttgart wird das neue Detroit! Was das genau heißen soll, weiß keiner so genau. Aber es reicht, um diffuse Ängste auszulösen vor Abstieg, Verarmung und Untergang. Ängste wiederum führen zu Lähmung statt zum Handeln und machen es Parteien bei der Landtagswahl leicht, sich als Alternative in Stellung zu bringen. Stuttgart das neue Detroit? Das ist sensationalistisch, wenig hilfreich und auch nicht realistisch. Vielen Branchen in Stuttgart geht es gut, nicht überall wird entlassen. Natürlich ist die Krise in der Autoindustrie, die seit Jahrzehnten Wohlstand und Arbeitsplätze garantiert hat, eine Katastrophe für alle, die ihren Job verlieren, einen Kredit aufgenommen haben und eine Familie ernähren müssen. Aber die Krise ist weder das Ende der Region Stuttgart noch das Ende der Autoindustrie und ihrer Zulieferer. So schlimm die Folgen des Klimawandels auch sein mögen, Baden-Württemberg wird als „Coolcation“ an Attraktivität gewinnen, auch für ausländische Gäste. Nicht zum ersten Mal hat die britische „Times“ den Esslinger Weihnachtsmarkt als einen der schönsten Weihnachtsmärkte weltweit bezeichnet. Das im Herbst eröffnete Haus des Tourismus in Stuttgart und seine großartige Dachterrasse wurden schon in der Weihnachtszeit zum Touristenmagneten, und diese Erfolgsgeschichte wird sich im Sommer fortsetzen. Ja, es war teuer, aber langfristig wird sich die Investition lohnen. Dasselbe gilt für das Haus für Film und Medien. Es war richtig, sich für den Weiterbau zu entscheiden, weil es eine Brücke zum Leonhardsviertel schlagen kann, dessen Einzelhändler und Gastronomen momentan aber massiv unter der Großbaustelle leiden und dringend Unterstützung benötigen, um die Bauzeit zu überstehen.

Kunst, Tourismus und Kultur als künftige Treiber

Stuttgart kann und muss sich noch viel mehr als Tourismus- und Kulturstadt präsentieren. Museen und Mineralquellen, Kleinkunstbühnen und Jazz Open – wir haben so viel zu bieten. Schluss mit schwäbischem Understatement! Schluss muss auch damit sein, die Sanierung der Oper immer weiter zu vertrödeln. Auch diese Investition ist zukunftsweisend für eine Stadt, die es sich nicht erlauben kann, ihren Ruf als eine der wichtigsten Ballettstädte der Welt zu verlieren.

Kulturbereich und Tourismus können Tausende gutbezahlter Jobs in der Autoindustrie nicht ersetzen. Aber sie zeigen, dass es weitergeht, und sie sind ein Beweis dafür, dass es sich lohnt, hierfür öffentliche Gelder zu investieren. Mehr als ärgerlich ist, dass das Image von Stuttgart noch jahrelang vom Schreckgespenst der permanenten Verschiebung der Inbetriebnahme von S21 und S-Bahn-Chaos geprägt sein wird. Mehr als frustrierend, dass die Stadt darauf so gut wie keinen Einfluss hat. Das schlimmste Schreckgespenst für mich ist jedoch, dass die AfD bei der Landtagswahl 20 oder mehr Prozent einfährt.