Der 28-jährige Mithatcan Öcal freut sich, dass der Preis ihm Freiraum schafft. Foto: Amelie Kahn-Ackermann

Besondere musikalische Tiefe und Reife bescheinigt die Jury des Paul-Hindemith-Preise dem türkischen Komponisten Mithatcan Öcal. Ein Preisträgerkonzert kann der wegen Corona aber erst im August geben.

Lübeck - Der mit 20 000 Euro dotierte Hindemith-Preis des Schleswig-Holstein Musik Festivals geht in diesem Jahr an den türkischen Komponisten Mithatcan Öcal. Der 28-Jährige habe die Jury durch seine besondere musikalische Tiefe und Reife überzeugt, sagte Festival-Intendant Christian Kuhnt in Lübeck. „Durch die feine Nuanciertheit in der Instrumentation, die harmonische Gestaltung und den besonderen musikalischen Ausdruck berührt er sein Publikum auf unmittelbare Art und Weise.“

Raum für Kreativität

Mithatcan Öcal, geboren im südtürkischen Iskenderun, studierte Violine und Komposition in Izmit und Istanbul. Er erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, darunter von der Gaudeamus Muziekweek (2012) und der Akademie der Künste Berlin (2018). Seine Werke wurden unter anderem vom WDR Sinfonieorchester, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und dem Münchener Kammerorchester uraufgeführt. Öcal lebt als freischaffender Künstler in Istanbul. Er freue sich, mit der Auszeichnung gemeinsam mit dem Komponisten Paul Hindemith genannt zu werden, sagte er. Eine solche Auszeichnung sichere den Lebensunterhalt und gebe Raum für Recherche und Kreativität.

Überreicht wird die Auszeichnung am 23. August im Rahmen eines Preisträgerkonzerts in Büdelsdorf bei Rendsburg. Zugleich erhält auch der Komponist SJ (Stefan Johannes) Hanke (36) den Hindemith-Preis von 2020. Sein Preisträgerkonzert musste corona-bedingt ausfallen. Auf dem Programm stehen Werke von Öcal, die Uraufführung eines Auftragswerks für das Festival von SJ Hanke sowie Musik von Hindemith.

Neuartige Klänge

Der deutsche Komponist Paul Hindemith (1895-1963) war bekannt für sein musikpädagogisches Wirken. Seine frühe Schaffensperiode war geprägt von neuartigen Klängen und schroffen Rhythmen, grellen Dissonanzen und Jazz-Elementen. Seit 1990 wird der Hindemith-Preis im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals verliehen und fördert herausragende zeitgenössische Komponisten. Der Preis wird unter anderem von der Hindemith-Stiftung (Blonay/Schweiz), der Hansestadt Hamburg und dem Land Schleswig-Holstein gestiftet. Preisträger waren unter anderem Jörg Widmann (2002), der kanadische Komponist Samy Moussa (2017) und die kasachische Komponistin Aigerim Seilova (2019).

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