Ex-Kapitän Wolfgang Thie vor der Berta Epple. Foto: Archiv

Das Unternehmen Neckar-Personen-Schiffahrt Berta Epple hat bewegte Geschichte. Ab April soll mit neuen Besitzern ein Neustart erfolgen.

Bad Cannstatt - Der Neckar wird seit Jahrhunderten als Transportweg genutzt. Im Jahr 1921 wurde damit begonnen, den Neckar mit Staustufen zur Großschifffahrtsstraße auszubauen. 1956 war der Neckar dank der Kanalisierung bis Stuttgart schiffbar. Der Ausbau des Stuttgarter Hafens erfolgte bis 1958. Zu dieser Zeit befuhren nur Frachtschiffe den Neckar. Als Ende der 1950er Jahre der Ausbau des Kanals von Heilbronn bis nach Bad Cannstatt vollendet wurde, waren sich Karl Epple (1893–1961), der Gründer der Kies- und Tiefbaufirma gleichen Namens und seine Ehefrau Berta Epple darüber einig, dass nun auch Stuttgart als zukünftige Hafenstadt dem Personenschiffsverkehr zugänglich sein sollte.

Im Jahr 1956 wurde die Firma „Neckar-Personen-Schifffahrt Berta Epple“ gegründet und die beiden ersten Schiffe bei der Schiffswerft Schmidt & Söhne in Oberkassel – in der Nähe von Bonn – in Auftrag gegeben. Indessen wurden zwischen Stuttgart und Heilbronn – zum Teil mit Hilfe der Gemeinden – 15 Anlegestellen eingerichtet. Mit der Taufe der „Stuttgart“ durch Yvonne Klett, die Ehefrau des Stuttgarter Oberbürgermeisters Arnulf Klett, am 7. März 1957, nahmen die beiden Schwesterschiffe „Dorothea Epple“ und „Stuttgart“ den Betrieb in der Sauerwasserstadt auf.

Durch die feierliche Einweihung des Stuttgarter Hafens am 31. März 1958 durch Bundespräsident Theodor Heuss war auch das Interesse der Stuttgarter an ihrem eigenen Hafen und an der Schifffahrt geweckt worden, sodass Berta Epple noch weitere, meist kleinere Schiffe für Rundfahrten bauen und fahren ließ. So umfasste ihre Flotte zeitweilig sieben Schiffe mit einer Gesamtkapazität von mehr als 2500 Plätzen.

1964 übernahm der Sohn Fritz Epple die Geschäftsführung und nach dem Tode der Mutter im Jahre 1965 deren Betriebe als alleiniger Inhaber. 40 Jahre lang betrieb die Firma Epple unter der Abkürzung NPS auf der Strecke Plochingen – Esslingen am Neckar – Stuttgart – Ludwigsburg – Marbach am Neckar – Besigheim – Lauffen am Neckar – Heilbronn die Personenschiffe. In den 70ern – zu den Spitzenzeiten der Linienschiffe – gondelten bis zu 200 000 Menschen pro Saison über den Neckar. 1997 übernahmen Wolfgang und Susanne Thie die Geschäftsführung. Das Ehepaar gab dem Unternehmen den neuen Namen „Neckar-Käpt’n“. Im Jahr 2001 wurde die Berta Epple nach Bochum verkauft, mittlerweile schippert sie über die Seine in Paris. Zwei Jahre später wurde dann auch die MS Lichtenstein verkauft und ist seitdem auf dem Rhein-Herne-Kanal unterwegs. Im selben Jahr stieß die MS Liberty vom Bodensee zur Flotte dazu – ein kleineres Schiff, das damals zu den Modernisierungsplänen passte. Großes Jubiläum wurde dann im Jahr 2007 gefeiert. 50 Jahre Neckar-Personen-Schifffahrt und 10 Jahre Kapitänsjubiläum von Wolfgang Thie. Mit vielen Sonderfahrten wurde gefeiert. 2008 stellte der Neckar-Käpt’n das 1. Stuttgarter Partyfloß in Dienst. Es fasst bis zu 200 Personen und bietet bis zu 100 Quadratmeter Freifläche. Es sei eines der ersten Tagesausflugsschiffe dieser Art gewesen, sagte Ex-Kapitän Thie damals.

Doch im Jahr 2019 war von den Thies immer wieder zu hören, dass sie mit ihren Schiffen Verluste schreiben, sogar ein Umzug nach Marbach war im Gespräch. So gab es etwa lange Zeit Differenzen bezüglich einer Anlegestelle am Mühlgrün. Ende letzten Jahres stand dann allerdings fest: Die Macher des Maultaschenproduzenten Herr Kächele übernehmen den Neckar-Käpt’n. Und die wollen die Flotte mit neuem Konzept wieder in die Erfolgsspur bringen, aus dem Partyfloß wird der Neckarbesen – eine schwimmende Weinlaube – und auf der MS Bad Cannstatt sollen Appartements vermietet werden. Zusätzlich geht es zurück zu den Wurzeln, denn es soll wieder die Marke Berta Epple verwendet werden – die Gründerin wäre stolz.

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