Landschaftlich reizvoll aber nicht besonders schnell: Die Gäubahn von Stuttgart zur Schweizer Grenze. Foto: dpa/Felix Kästle

Die Gutachter attestieren in einer Zwischenbilanz dem Ausbau der Schienenstrecke von Stuttgart Richtung Zürich die Wirtschaftlichkeit – inklusive eines neuen langen Tunnels auf den Fildern. Die Fahrzeit könnte um 20 Minuten sinken.

Stuttgart - Dem Südwesten steht das nächste Großprojekt für den Schienenausbau ins Haus. Steffen Bilger (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, hat bei einer virtuellen Veranstaltung des Konstanzer Bundestagsabgeordneten Andreas Jung (CDU) erklärt, dass Gutachter in einer ersten Zwischenbilanz die Wirtschaftlichkeit des massiven Ausbaus der Gäubahn zwischen Stuttgart und der Schweizer Grenze bestätigt haben. Das ist Voraussetzung dafür, dass öffentliches Geld in das Vorhaben fließen kann. In wenigen Wochen soll die abschließende Bewertung vorliegen. Bilger sagte: „Das Zwischenergebnis zeigt, dass der Gäubahnausbau wirtschaftlich ist“.

Die lange favorisierte Neigetechnik, bei der Züge schneller auf bestehenden Strecken fahren können, werde nicht mehr angeboten. „Aber auch ohne sie erreichen wir mit dem Ausbau unsere Ziele einer kürzeren Fahrzeit und mehr Kapazität auf der Strecke“. Bilger nannte 20 Minuten mögliche Fahrzeitersparnis. Der Bundesverkehrswegeplan prognostiziert bisher nur neun Minuten. Die Bewertung der Gäubahnvorschläge durch die Gutachter habe man vorrangig behandelt, weil im Bereich des Stuttgarter Flughafens ein Planfeststellungsverfahren für die Gäubahnanbindung im Rahmen von Stuttgart 21 läuft. Daher sei es wichtig gewesen, frühzeitig Klarheit zu haben.

S-21-Verträge müssten angepasst werden

Thorsten Krenz, Konzernbevollmächtigter der Bahn im Land, nannte Bilgers Aussagen „spannende und wichtige Neuigkeiten“. Er erinnerte aber auch an die Vorgaben aus dem S-21-Lenkungskreis, dass Änderungen nur möglich seien, wenn das Vorhaben volkswirtschaftlich sinnvoll sei, der Bund die Kosten übernehme und sich alle Projektpartner im Einvernehmen darauf verständigen könnten. Die Gutachtermeinung nannte er eine „maßgebliche Grundlage für alle weiteren Entscheidungen“. Befürchtungen, die neuen Ideen könnten schon beschlossene Ausbauten an der Strecke verzögern, zerstreute er. Der Umbau zwischen Horb und Neckarhausen beginne Ende 2021, die Inbetriebnahme ist für 2023 vorgesehen.

Justizminister Guido Wolf (CDU), wollte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Gäubahn, nicht in Jubel ausbrechen. „Das hebe ich mir auf für den Tag, an dem ich auf der beschleunigten Strecke unterwegs bin“. Er nannte Bilgers Aussage aber „einen großen Schritt nach vorne“. Er mahnte die rasche Umsetzung an. „Wir bekommen ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn wir nicht liefern“. Walter Schoefer, Sprecher der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft, zeigte sich „offen für Verbesserungen bei der Flughafenanbindung“. Die vorgeschlagene Tunnellösung würde „uns etliche Jahre Beeinträchtigungen durch eine riesige Baugrube direkt vor den Terminals ersparen“.

Bisherige Lösung am Flughafen kompliziert

Auslöser für die Neubewertung der Strecke ist der Deutschland-Takt. Dabei werden die Züge besser aufeinander abgestimmt, was kürzere Reisezeiten bringen soll. Um auf der Gäubahn diese Voraussetzungen zu erfüllen, soll die Strecke teilweise zweigleisig ausgebaut werden, das Tempo auf bis zu 200 Kilometer in der Stunde angehoben werden, und einige Abschnitte sollen gänzlich neu gebaut werden. Dazu gehören Tunnel bei Sulz am Neckar und bei Rottweil – aber eben auch der Gäubahntunnel, der die Strecke bei Böblingen mit dem Stuttgarter Flughafen verbinden soll. Der bisher vorgesehene Ausbau der bestehenden Strecke von Rohr zum Flughafen ist nicht trivial, für den Umbau des Halts am Airport müsste die S-Bahn für gut ein Jahr pausieren. Die Bahn veranschlagt eine Bauzeit von 74 Monaten. Für den Bau des Gäubahntunnels kalkulieren Experten vom Baubeginn bis zur Inbetriebnahme zwischen fünf und sechs Jahren.

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