Neckarstraße statt Wasen: Süße Spezialitäten und eine Grillstube Foto:  

Seit Weihnachten haben die Schausteller keine Einnahmen mehr. Wann es wieder weitergeht, weiß keiner. Daher sind sie über jede Gelegenheit froh. Mandelbrennerei und Imbiss stehen jetzt in der Neckarstraße.

Stuttgart-Ost - Schausteller sind es gewohnt, nahezu das ganze Jahr „auf Reise“, also unterwegs zu sein. Doch die Corona-Pandemie hat Frühlings- und Volksfest sowie viele traditionelle Feste und Kirmes verhindert. Das Berufsverbot zwingt diese Branche zum Warten auf bessere Zeiten. Die letzten Einnahmen datieren vom Weihnachtsmarkt. Seitdem geht nichts mehr. Die Soforthilfe hat kurzfristig über die Runden geholfen und auch im jetzt geschnürten Konjunkturprogramm wird an die Schausteller gedacht. Genaues gibt es diese Woche. „Wenn es bei den mündlichen Zusagen bleibt, ist das in Ordnung für uns“, beschreibt Mark Roschmann. Der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Südwest nimmt an den regelmäßigen Telefonkonferenzen mit Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut teil. Deckung der Fixkosten und etwas Unternehmerlohn sollte es geben. Dann wäre bis August einiges erreicht.

Perspektiven gefordert

Und danach? „Es bleiben viele Fragen offen“, so Roschmann. Für die Herbstsaison sieht es sehr mau aus. „In anderen Bundesländern wie Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern wird gewaltig gelockert und in Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen werden mobile Freizeitparks genehmigt.“ Entsprechende Konzepte gibt es auch für den Cannstatter Wasen (wir berichteten). „Wir sind noch nicht weit vorangekommen.“ In Baden-Württemberg wird (noch) überaus vorsichtig agiert. Solange heißt es warten und vorbereitet sein. „Wir brauchen eine Perspektive für den Herbst.“ Die Verbände werden in jedem Fall dranbleiben und „nicht locker lassen“.

Unterdessen sind Schausteller froh um jede Gelegenheit, ihre Betriebe aufzubauen. Die Mandelbrennerei „Zuckerlädle“ und „Benda’s Grill-Stube“ sind fündig geworden und stehen seit vergangenem Montag in der Neckarstraße, direkt an der Haltestelle „Metzstraße“. Die Fläche neben dem Schaller Markt liegt seit Jahren brach, das Gebäude darauf steht leer. Die Firma Bonava hat das Gelände erworben und wird darauf bauen – aber erst zu Beginn kommenden Jahres. „Wir könnten es also bis Dezember nutzen“, freut sich Monika Benda, die die Idee hatte. Die Fläche werde „als Nachbarschaftshilfe“ überlassen. Denn die traditionsreiche Schaustellerfamilie Benda kommt aus dem Stuttgarter Osten.

Viel Zustimmung von Kunden

Monika Benda hat mit der Mandelbrennerei versucht, auf Floh- und Wochenmärkten unterzukommen – vergeblich. „Endlich wieder draußen. Das ist unsere Welt“, strahlt sie. Immer zuhause sein sei nix. Das bestätigt auch ihr Schwager Ralph Benda. „Da dreht man ja fast durch.“ Die Freude, mit der beide in ihren Betrieben stehen, ist spürbar. Und die Kunden sind dankbar. „So viel Trinkgeld habe ich noch nie bekommen“, sagt Monika Benda. Viel Zustimmung und Verständnis schlage ihr entgegen. „Die Kunden leiden mit uns.“ Die Anwohner freuen sich zudem, dass auf dieser tristen Fläche endlich wieder etwas los sei.

Mit den Öffnungszeiten haben sich beide am Schaller Markt orientiert. Zwischen 10 und 11 Uhr öffnen Mandelbrennerei und Imbiss, um 19 Uhr, samstags um 15 Uhr, ist Schluss. Bislang sind sie zufrieden. Endlich wieder etwas Einnahmen, denn die Kosten laufen ja weiter.

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