Weil das Schadstoffmobil wegen der Corona-Beschränkungen derzeit nicht durch die Stadtbezirke touren kann, wird auf dem AWS-Betriebshof in Wangen vorübergehend eine stationäre Annahme mit dem Ersatzmobil angeboten. Foto: Elke Hauptmann

Aufgrund der Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie fährt das Schadstoffmobil derzeit nicht in die Stadtbezirke. Stattdessen wurde ein stationärer Notbetrieb auf dem AWS-Betriebshof in der Gingener Straße eingerichtet.

Wangen - Freitag, kurz vor 10 Uhr vor dem Betriebshof des städtischen Eigenbetriebs Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) in der Gingener Straße: Ungeduldig warten schon einige Stuttgarter auf Einlass. Als Mitarbeiter Simon Rauch das Holztor schließlich öffnet, wird es geschäftig. „Ich habe die vergangenen Wochen genutzt, um meine Wohnung zu renovieren“, sagt ein junger Mann, als er den Kofferraum seines Autos öffnet: Mehrere Farbeimer befinden sich darin, einige Flaschen mit Lösungsmitteln und ein paar Leuchtstoffröhren. Eine ältere Dame bringt halb leere Spraydosen vorbei, darauf prangt das Warnzeichen für leicht entzündliche Substanzen.„Die hat mir ein Handwerker hinterlassen. Ich weiß gar nicht, was da drin ist.“ Simon Rauch und seine Kollegen hingegen kennen sich mit gefährlichen Inhaltsstoffen ganz genau aus – ihr Job ist es, umweltschädlichen Abfall sicher zu entsorgen.

Reduzierter Notbetrieb

Normalerweise sind sie mit dem Schadstoffmobil des AWS in ganz Stuttgart unterwegs, doch aufgrund der Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie wurden die Touren abgesagt. Stattdessen gibt es seit Ende April einen reduzierten Notbetrieb auf dem Betriebsgelände in Wangen – weil das Innenleben des weißen Hauptsammelfahrzeugs derzeit überholt wird, steht dort das orange Ersatzmobil. Das stationäre Angebot werde, obwohl es für mache Bürger weite Wege bedeutet und die Abgabe unter strengen Hygieneauflagen erfolgt, gut angenommen, sagt Rauch. „Wir haben am Tag zwischen 25 und 35 Kunden.“ Die Zahl sei abhängig von Wetter und Uhrzeit. „Mittwochnachmittag ist in der Regel am meisten los.“

Nicht mit dem Restmüll entsorgen

Das Schadstoffmobil nimmt von Privatleuten kostenlos entgegen, was wegen seiner Umweltbelastung nicht mit dem Restmüll entsorgt werden darf: Chemikalien, Energiesparlampen und Kraftstoffe zum Beispiel. Abgegeben würden vor allem Farbe, Lacke und Öle. „Man muss eigentlich mit allem rechnen“, meint Rauch. Manchmal seien auch seltene Fundstücke dabei. So habe unlängst ein Mann beim Aufräumen im Keller einen Behälter mit Totenkopf-Emblem und der Aufschrift „Phosphor“ entdeckt, berichtet der Mann im leuchtend orangefarbenen Anzug. Und weil jener nicht wusste wohin damit, brachte er ihn eben zum Schadstoffmobil. Ein heikler Fall selbst für die Fachleute des AWS – Feuerwehr und Polizei wurden eingeschaltet, ein Spezialbetrieb musste die Entsorgung übernehmen. „Explosive Stoffe dürfen wir nicht annehmen“, erklärt Rauch. Das gleiche gelte übrigens für radioaktive Substanzen.

Fast täglich unterwegs

Es sei wichtig, dass es das Schadstoffmobil gibt, meint Rauch. Der AWS leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Umwelt. Chemische Stoffe dürfen nicht in der Landschaft entsorgt werden, denn dort könnten sie Organismen schaden und Lebensräume verändern. Die Stadt Stuttgart setzt deshalb auf einen unkomplizierten, flächendeckenden Service für die Bürger: Nahezu täglich fährt der auffällige Lastwagen die Stadtbezirke ab – so häufig sei das Schadstoffmobil in kaum einer anderen Stadt bundesweit unterwegs, sagt Rauch stolz. Er spricht von einer Erfolgsgeschichte: „Wir bedienen zurzeit etwa 8000 Bürger. 2018 haben wir 143 Tonnen Schadstoffe eingesammelt, 2019 sogar 158 Tonnen.“ Neben den zwei großen Schadstoffmobilen verfüge der Eigenbetrieb noch über einen speziell zugelassenen 7,5-Tonner, mit dem die AWS-Mitarbeiter Chemikalien aus Schulen abholen, gefährlichen „wilden Müll“ bergen und die Sprühflaschen von Graffiti-Künstlern der „Hall of Fame“ in Bad Cannstatt und Vaihingen einsammeln.

Sicherheit an oberster Stelle

Im „Bauch“ des Schadstoffmobil reihen sich Fässer und Container dicht aneinander. Sortiert wird nach 15 Abfallhauptgruppen, die wiederum in verschiedene Unterarten eingeteilt sind. Die strikte Trennung ist notwendig, weil elektrochemische Reaktionen auftreten können, wenn einzelne Substanzen untereinander in den Containern reagieren. Zudem ist das Fahrzeug geerdet, um statische Aufladungen zu verhindern. Die Sammelbehälter sind fest verzurrt, Handynutzung und Rauchen verboten – Sicherheit steht an oberster Stelle. Die eingesammelten Gefahrenstoffe übergibt der AWS übrigens einem Sondermüllbetrieb im Stuttgarter Hafen, der sie fachgerecht entsorgt.

Die stationäre Sammlung des Schadstoffmobils in der Gingener Straße wird noch bis zum 22. Mai fortgesetzt. Die Abgabezeiten sind: Montag, 18. Mai, 9.30 bis 11 Uhr und 12.30 bis 14 Uhr, Dienstag, 19. Mai, 7.45 bis 9 Uhr und 10 bis 11.15 Uhr, Mittwoch, 20. Mai, 12.30 bis 14 Uhr, 14.45 bis 16.15 Uhr und 17.30 bis 19 Uhr. Am Donnerstag, 21. Mai, entfällt die Sammlung aufgrund des Feiertages. Am Freitag, 22. Mai, ist der Betriebshof von 7.45 bis 9 Uhr und von 10 bis 11.15 Uhr geöffnet. Ab dem 25. Mai plant die AWS, den Regelbetrieb wieder aufzunehmen.

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