So wie es sich abzeichnet, wird Kapitän Stefan Schlick mit der SG Untertürkheim zukünftig in der Bezirksliga gegen den Ball treten. Foto: /Holger Strehlow

Die Fußball-Landesverbände schlagen den Abbruch der Saison vor. Absteiger soll es keine geben. Endgültige Entscheidung fällt Ende Juni.

Bad Cannstatt - Die Nachricht kam etwas überraschend: Im Gegensatz zu den Top-Ligen wollen die Baden-Württembergischen Landesverbände den Spielbetrieb im Amateurfußball aufgrund der Coronavirus-Pandemie abbrechen. Darauf einigten sich die Vertreter des Württembergischen Fußball-Verbandes (WFV), des Badischen Fußball-Verbandes (BFV) und des Südbadischen Fußball-Verbandes (SBFV).

Laut dem Vorschlag der Verbandsgremien soll es in dieser Saison keine Absteiger geben. Direkte Aufsteiger würden aus einem Quotienten aus den bislang erzielten Punkten und den Spielen vor der Saisonunterbrechung ermittelt werden. Derzeit sei „keine Rechtslage für eine Rückkehr in den regulären Spielbetrieb in absehbarer Zeit“ zu erkennen, heißt es in einer Mitteilung der Verbände.

Eine endgültige Entscheidung soll auf einem außerordentlichen Verbandstag fallen, der zwischen dem 6. und 27. Juni angesetzt werden soll. Bis dahin ist auch die Möglichkeit nicht endgültig vom Tisch, die laufenden Saison nach dem offiziellen Ende des Verbandsspieljahres 2019/2020 am 30. Juni zu Ende zu spielen, möglicherweise sogar bis in den September. Viele Beobachter hatten damit gerechnet, dass sich die Amateurverbände dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) anschließen würden. „Mir ist bewusst, dass sich viele Vereine eine frühere verbindliche Entscheidung wünschen. Aber es ist uns wichtiger, dass auch die Delegierten eines außerordentlichen Verbandstages durch ihr Votum unsere Haltung bestätigen“, erklärt WFV-Präsident Matthias Schöck nun.

Aufgrund des voraussichtlichen Abbruchs ist der Ärger bei der SG Untertürkheim verflogen. Sauer waren nämlich die Verantwortlichen auf ihre Kicker nach dem mageren 4:4 gegen das Kellerkind FC Stuttgart-Cannstatt. Der Punktverlust ereignete sich am 8. März, just an diesem Tag, als es letztmals in dieser Saison um Punkte ging. Nun, nachdem die Saison wohl zu Ende ist, entpuppte sich der eine Punkt als Glücksfall. Damit sind die Untertürkheimer in der Kreisliga A, Staffel 1, zwar punktgleich mit den Sportfreunde, haben aber ein Spiel weniger bestritten und sind deshalb Meister. „Wir freuen uns, dass die Saison nicht annulliert wird und die Mannschaft für die gezeigten, guten Leistungen nun belohnt wird“, sagt SGU-Abteilungsleiter Andreas Poulionakis. Durch die abzeichnende Entscheidung könne man den Sekt kaltstellen, aber vorläufig noch nicht öffnen, habe aber immerhin etwas Planungssicherheit und könne die Hausaufgaben für die Bezirksliga-Runde angehen. Ab wann und in welchem Modus die Bezirksliga beziehungsweise die komplette Spielzeit 2020/2021 durchgeführt wird, soll später entschieden werden, erklärte der Verband. „Selbstverständlich bleibt es unser Ziel, die Meisterschaftsrunden in der kommenden Saison im gewohnten Rahmen mit Hin- und Rückspielen unter Zuschauerbeteiligung auszutragen“, heißt es in der Mitteilung. Die weitere Entwicklung der Coronavirus-Pandemie sei jedoch nicht absehbar.

Im Chat des SV Grün-Weiss Sommerrain war Freude und Jubel nach Bekanntgabe des Saisonendes angesagt. „Jedoch gedämpft“, sagt Trainer Markus Treyz, man hätte den Wimpel lieber durch weitere Leistungen auf dem Platz geholt. Auch wenn die Grün-Weissen in der Kreisliga B, Staffel 2, bei Abbruch mit einem Punkt hinter der Spvgg Ost II und der SG West rangierten, darf man sich aufgrund einer weniger gespielten Partie über die Rückkehr in die Kreisliga A freuen. „Klar ist es bitter für die beiden anderen Mannschaften, aber meine Jungs sind der Meinung, sie hätten die Meisterschaft sowieso geholt“, so Treyz, für den die Quotenregel eine faire Angelegenheit sei. Annullieren wäre gar nicht gegangen und weiterspielen über den 30. Juni hinaus aufgrund möglicher Wechsel auch nicht praktikabel. „Da hätte es sein können, dass plötzlich eine komplett andere Mannschaft mit verändertem Niveau auftaucht. Das wäre Wettbewerbsverzerrung gewesen.“

Der Bezirksligist TB Untertürkheim, der nie in Abstiegsgefahr geraten ist, kann sich ebenfalls freuen: Er bekommt voraussichtlich einen Unterbau dazu. Die zweite Mannschaft mit Trainer Mathias Summer hinkt in der Kreisliga B, Staffel 3, zwar zwei Punkte auf Makedonija und vier auf Tuna Spor Echterdingen hinterher, doch die Gehrenwald-Kicker waren nur zu 14 Spielen angetreten, während die beiden anderen schon 16 Mal die Kickstiefel schnürten. Laut Quotienten-Regel heißt die neue Liga für den TBU II demnächst Kreisliga A.

Auf eine Extra-Runde Kreisliga A muss sich der SV Gablenberg einstellen. In der Staffel 2 war das Team von der Waldebene hartnäckigster Verfolger des TSV Rohr und relativ sicher auf Relegationskurs. Doch der zweite Platz berechtigt im Falle des jetzigen Abbruchs nicht zur Relegation – diese entfällt.

Der Lucky-Loser schlechthin im Stuttgarter Amatuerfußball ist ebenfalls in der Staffel 2 anzutreffen – der VfL Stuttgart. Abgeschlagen mit sieben Punkten am Tabellenende bleiben die Kicker vom Neckarpark nun doch in der Liga. „Ich habe die Spieler schon informiert, dass es keine Nichtatbstiegsprämie gibt“, scherzt VfL Spielleiter Peter Burkert.

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