Wetterexperten vermuten: Saharastaub färbte Stuttgarts Himmel gelb. Foto: Henning Jochum/StZN

Irgendwie schaurig schön, aber auch merkwürdig: Am Samstag bekommt der Himmel über Stuttgart eine sonderbar gelbe Färbung. Der Grund dafür ist eine ganz besondere Wetterlage.

Stuttgart - Ein seltenes Wetterphänomen hat den Himmel in Stuttgart und andernorts in Baden-Württemberg sonderbar gelb erscheinen lassen. Viele Menschen teilten ihre Aufnahmen des seltsam eingefärbten Himmels in den sozialen Netzwerken. Beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart schellte das Telefon am Samstag ununterbrochen. Viele Stuttgarter wollten wissen, was es mit dem spektakulären Himmelsphänomen auf sich hat. Wetterexperte Marko Puckert war gefragt.

Darum erscheint der Himmel über Stuttgart gelb

Eine ganz sichere Antwort kann Puckert allerdings nicht geben, aber er hat eine starke Vermutung. „Der Verdacht liegt sehr nahe, dass es der Saharastaub ist, der den Himmel gelb einfärbt“, sagte er am Samstag. Vom Süden ströme aus dem Sahara-Raum milde und sehr feuchte Luft ein und sorge für zahlreiche Schauer, die bereits in den vergangenen Tagen die Wetterlage im Süden und Südwesten Deutschlands prägten.

„Wir haben in großen Höhen eine Strömung aus südwestlicher Richtung. Der Wind bläst den aufgewirbelten Staub aus der Sahara von Nordafrika über Mallorca, Frankreich in Richtung Mitteleuropa“, erklärt Puckert. Der Staub schiebe sich dann wie ein Schleier vor die Sonne, weshalb sich das Licht etwas einfärbe. Dass Saharastaub nach Mitteleuropa gelange, ist für den DWD-Experten nicht überraschend. Aber: „Mir ist es neu gewesen, dass so etwas bei bedeckten Himmel überhaupt sichtbar wird. Dass wir Saharastaub bekommen, ist durchaus öfter der Fall.“

Warum es nur im Norden schneit

Ein Wetterextrem jagt in diesen Tagen das nächste. Vom starken Wintereinbruch an diesem Wochenende ist nur der Norden Deutschlands betroffen. „Das liegt daran, dass wir Bodentiefs haben, die zwei Luftmassen trennen“, erklärt Puckert. Die Folge: Biergartenwetter an den Alpen, Schneeverwehungen und eisiger Frost im Norden – solche Wetterkontraste sind selten.

Am Wochenende allerdings ist genau dies in Deutschland zu erwarten. Schuld daran ist eine ganz besondere Grenzwetterlage, so der Deutsche Wetterdienst. „Dann bauen sich auf sehr engem Raum extreme Temperaturunterschiede auf“, so DWD-Sprecher Andreas Friedrich. Eine solche kleinräumige Konstellation sei sehr selten: „Das passiert nur ein paar Mal in einem Meteorologenleben.“ Vergleichbar sei etwa der extreme Schneefall im Winter 1978/79.

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