Heinz Dümmel mit der Bastelmappe des Kartonmodells vor der Grabkapelle. Foto:  

Heinz Dümmel hat von der Grabkapelle auf dem Württemberg ein Kartonmodell Maßstab 1:160 entwickelt. Es ist im Besucherzentrum des Kleinods erhältlich. Der Nachbau ist für geschickte Laien kein Problem.

Rotenberg - N ein, sagt Heinz Dümmel im Brustton der Überzeugung, der Nachbau der Grabkapelle im Maßstab 1:160 sei nicht besonders schwierig. „Ein geschickter Laie schafft das an einem halben Tag.“ Das von ihm entwickelte Kartonmodell des berühmten Mausoleums auf dem Württemberg hat es dennoch in sich: „Die größte Herausforderung ist die Wölbung der Kuppel.“

Ganze zwölf Blätter mit mehreren Dutzend Schnittmustern samt Anleitung umfasst die Bastelmappe. Die Grabkapelle sei eben ein architektonisch anspruchsvolles Gebäude, meint der 75-Jährige. Als der Architekt in den Ruhestand ging, habe ihm etwas gefehlt – also suchte er sich ein Hobby. „Wie ich ausgerechnet auf Kartonmodelle gekommen bin, kann ich selbst nicht genau sagen“, räumt Heinz Dümmel lächelnd ein. Irgendwie habe sich alles gefügt: „Das ist ein bisschen Kindheits- und Jugenderinnerung, kombiniert mit der Pflege der Architekturkompetenz beim Zeichnen.“ Und längst sei daraus eine Passion geworden.

Faible für historische Bauten

Fü r historische Bauten hat sich Heinz Dümmel schon imm er interessiert. Also fing er damit an, Häuser auf der Schwäbischen Alb zu erkunden und von ihnen Modellbaubögen zu konstruieren. „Es waren gewöhnliche, ländliche Bauten dieses Mittelgebirges.“ Zunächst standen ein Bauernhaus in Beuren, das Backhaus in Hepsisau, ein Schafstall bei Schopfloch und eine Kelter in Metzingen Modell für das Kleinformat. Dann rü ckten besondere Bauten der württembergischen Geschichte in den Fokus: die historische Arbeitersiedlung in Kuchen zum Beispiel, das Stauffenberg-Schloss Lautlingen, das Wasserschloss Glatt. „Aber von Schlössern, Burgen und Kirchen gibt es schon zahlreiche Kartonmodelle anderer Anbieter.“ Allerdings keines von einem berühmten Kleinod: der Grabkapelle. Dabei sei diese „ein für die Zeit ungewöhnliches Bauwerk“, meint Heinz Dümmel. Sie reizte ihn nicht nur wegen der Architektur. Die Grabkapelle habe den geschichts interessierten Plochinger, der zu jedem seiner Gebäude auch viel Wissenswertes erzählen kann, wegen zweier Personen am königlichen Hofe besonders berührt: Königin Katharina, die im markanten Rundbau ihre letzte Ruhestätte fand, und Hofbaumeister Giovanni Salucci.

Nach drei Monaten war der Prototyp fertig

Ein Zufall half ihm dabei, seine Idee 2017 umzusetzen. „Es hatte ein paar Jahre zuvor eine Salucci-Ausstellung gegeben und ein Freund hatte von dieser noch einen Katalog.“ Darin entdeckte Heinz Dümmel einen kleinen Architektenschnitt mit detaillierten Angaben. „Das war großes Glück. Damit hatte ich alles, was ich brauchte, um das Modell zu konstruieren.“ Dennoch war er häufig auf dem Württemberg, fotografierte das Mausoleum von allen Seiten, nahm Maß und tüftelte mithilfe eines CAD-Programms an den verschiedenen Teilen, die ausgeschnitten, gefalzt und zusammengeklebt werden müssen – Grundplatte, Treppen, Stützen, Tympanon, Säulen und Kuppel beispielsweise. Etwa drei Monate habe es gedauert, bis der Prototyp der Miniatur-Grabkapelle fertig war.

Grabkapelle ist Verkaufsschlager

Seine in Kleinstauflagen von 10 bis 20 Stück erstellten Kartonmodelle, die er von einer Esslinger Firma drucken lässt, bot Heinz Dümmel zunächst im Internet an – zum Preis von 5 und 15 Euro, je nach Anzahl der Teile. „Die Nachfrage war allerdings nicht gerade groß“, gibt er offen zu. Bis er eines schönen Tages vor zwei Jahren einen Anruf erhielt: „Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg haben 100 Modellbaubögen von der Grabkapelle bestellt.“ Erhältlich ist die Bastelmappe seither im Besucherzentrum im Priesterhaus.

Inzwischen hat Heinz Dümmel elf verschiedene Kartonmodelle im Angebot. Neu im Sortiment ist das mittelalterliche Zisterzienserkloster Bebenhausen – mit rund 200 Teilen sein bislang aufwendigstes Objekt. Schon arbeitet er am nächsten Vorhaben: Folgen sollen demnächst zum Kloster gehörende Mühlen.

Alle Infos zu den Kartonmodellen von Heinz Dümmel gibt es online unter www.dohsign-kartonmodelle.de.

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