Die beiden Tunnelröhren sind – ohne Betriebstechnik – fertig gebaut. Die bunten Lichter verschwinden bei Inbetriebnahme. Foto: /Sebastian Gall

Der Rohbau des Rosensteintunnels ist soweit fertig gestellt. Es fehlt noch die Betriebstechnik. Ab Sommer 2021 soll er für Autos nutzbar sein.

Bad Cannstatt - Die Baustelle, die sich zwischen der Wilhelma und dem Leuze erstreckt, ist massiv. Drei Projekte werden dort gleichzeitig realisiert. Der Leuzeknoten wird neu gestaltet, die S-21-Brücke wird über den Neckar gelegt und der Rosensteintunnel wird als Entlastung für die Pragstraße und eine Verbesserung der Verkehrslage auf der B 10 gebaut. Dieses Vorhaben ist von den dreien am weitesten gediehen. Der Rohbau ist bereits fertig gestellt und im letzten Jahr Bauzeit wird noch die Betriebstechnik zu installieren sein.

Geht man durch die beiden Röhren des neuen Tunnels, könnte man meinen, er sei betriebsbereit. Die Betonschale steht, die Straßen sind asphaltiert. „Wir sind mit den groben Arbeiten fertig, jetzt geht es an die Feinarbeit“, sagt Projektleiter Georg Wilhelm. Diese Woche sei der Tunnel an die Betriebstechniker zur weiteren Ausstattung mit Sicherheitstechnik, Beleuchtung und den Steuerungselementen übergeben worden.

Im Jahr 2014 wurde mit dem Bau des rund 1,3 Kilometer langen Tunnels begonnen. Über einen etwa 40 Meter langen Zugangsstollen, der vom bestehenden Busparkplatz der Wilhelma aus zugänglich ist, hat man sich in beide Richtungen bergmännisch vorgearbeitet – in 17,40 Metern Tiefe unter dem Rosensteinpark. Und das Stück für Stück – im wahrsten Sinne des Wortes: „Unsere Baumaschinen haben rund zehn Meter am Tag geschafft“, so der Bauleiter. Sichtbar ist das an Fugen, die man an den Röhrenrändern sehen kann.

Schaut man von der äußeren Einfassung nach oben zur Tunneldecke, sieht man auf fast der gesamten Länge eine Zwischendecke. Und dieser Teil der Röhren kann im Ernstfall Leben retten. Denn: Im Fall eines Brands wird der Rauch über 15 Luken in der Zwischendecke und danach über drei riesige, schornsteinförmige Zylinder am Eingang des Tunnels an der Pragstraße ins Freie gelassen. Ebenso zur Sicherheit tragen vier Verbindungsgänge zwischen den beiden Röhren bei. Einer davon ist so groß, dass ein Feuerwehrauto im Unglücksfall von einer in die andere Röhre fahren kann. „Natürlich halten wir uns vollständig an die europäischen Sicherheitsstandards.“ Auch bei der Geothermieanlage, die sich in den Wänden der Tunnelröhre versteckt, hat die EU ihre Finger im Spiel – als Förderer. Rund 60 Kilowattstunden Energie produziert die Anlage aus Erdwärme. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von Stadt, Land, Universität und dem Amt für Umweltschutz. Zugute kommen soll es der Wilhelma. „Sobald wir das Stück Fläche, das wir gerade von der Wilhelma beanspruchen, zurückgebaut haben, wird dort eine Asienwelt mit Elefantengehege gebaut. Dafür produzieren wir die benötigte Wärme“, sagt Wilhelm. Unweit von der Geothermieanlage befindet sich das technische Herzstück des Tunnels – die Steuerzentrale. Die doppelstöckigen Räumlichkeiten befinden sich am Tunnelende an der Pragstraße. Im Obergeschoss sind die Lüftungsräume vorgesehen, drei Lüfter mit einem Durchmesser von 1,80 Meter sollen dort installiert werden. Im Stock darunter befinden sich alle elektronischen Steuerungseinheiten. Funktionieren wird das Ganze vollautomatisch. Mit Inbetriebnahme des Rosensteintunnels geht auch eine städtische Tunnelüberwachungszentrale an den Start – dort wird dann auch mit menschlichem Auge kontrolliert.

Was neben der Betriebstechnik am Tunnel noch fehlt, sind die Verbindungen zum laufenden Verkehr. An der Pragstraße wird schon kräftig an den Zubringerstraßen gebaut, an der Neckartalstraße ist dazu allerdings ein größerer Aufwand nötig. Dort muss die Straße verschwenkt werden – sie führt dann an den Stadtbahngleisen entlang – sodass an beiden Röhren Rampen zum Anschluss an die Neckartalstraße gebaut werden können. Ein logistischer Kraftakt, direkt unter der S-21-Brücke. „Die Abstimmung mit der Bahn klappt allerdings hervorragend“, sagt Georg Wilhelm, „und wenn alles fertig ist, soll es schließlich auch 100 Jahre halten“, schiebt er hinterher.

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