Nach wie vor der wichtigste Umsatzbringer von Varta sind die Haushaltsbatterien. Foto: Imago/Manfred Segerer

Die hausgemachten Fehler haben überdeckt, dass der Ellwanger Batteriehersteller eigentlich zum Leuchtturm in der deutschen Industrielandschaft taugen sollte, meint unser Autor.

Dieser Tage geht die runderneuerte Varta an den Start. Mit neuer Eigentümerstruktur, weniger Schulden – und rund 100 Millionen Euro frischer Liquidität. Die Begleitumstände mit der Quasi-Enteignung der Kleinanleger sind zwar legal, für die Betroffenen aber schwer erträglich. Trotzdem ist es angebracht, dem Ellwanger Unternehmen Glück bei der eigenen Rettung zu wünschen. Wenn es gelänge, einen deutschen Player in einem weitgehend asiatisch dominierten Zukunftsmarkt zu stabilisieren, wäre es ein gutes Signal im Sinne industrieller Unabhängigkeit.

Varta hat sich mit eigener Hybris an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht, sich zu gierig Kredite für eine zu optimistisch geplante Expansion genehmigt. Den Preis zahlen nun die Mitarbeiter, deren Stellen gestrichen werden, und Gläubiger, die auf Forderungen verzichten. Möglicherweise geht die Operation gut, wenn Varta sich darauf besinnt, was die Erfolge vergangener Tage ausgemacht hat: hohe Innovationskraft und ausgefuchste, kostensparende Fertigungstechnik.

Batterien und Akkus sind Schlüsselbausteine für zentrale Bereiche. Energiewende, E-Mobilität, medizinische Produkte, Verteidigungstechnik: Vieles hängt von hoch leistungsfähigen Stromspeichern ab. Bei Großspeichern und E-Autobatterien sind Hersteller aus China und Südkorea technologisch mittlerweile um Jahre voraus. Europa wird viele Vartas brauchen, um gleichzuziehen und selbstständiger zu werden. Zu sehen sind sie aber nirgends. Es bräuchte die Nachhilfe aus Asien, so lange fruchtbare Kooperation in Zeiten der Handelskonflikte (noch?) möglich ist. Und – analog zur Konkurrenz – auch systematische staatliche Förderung.