Sucht Geschäftsideen in Israel, die zur schwäbischen Wirtschaft passen: Michel Weinberg, Chef der Repräsentanz von Baden-Württemberg in Tel Aviv. Foto: /Elad Malka

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) eröffnet eine Wirtschaftsrepräsentanz des Landes in Israel. Die israelische Start-up-Szene soll mit dem Mittelstand aus dem Südwesten in Verbindung gebracht werden.

Seit Oktober 2020 arbeitet die Wirtschaftsrepräsentanz des Landes Baden-Württemberg in Israel bereits, pandemiebedingt konnte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sie aber erst jetzt persönlich eröffnen. Michel Weinberg, der zusammen mit einem weiteren Kenner von Israels Gründerszene vor Ort für den Wirtschaftsstandort wirbt, kann bereits erste Erfolge vermelden. „Wir haben die vielleicht wichtigste Herausforderung geschafft: Die Menschen hier in Israel können den Namen des Landes richtig aussprechen“, sagte Weinberg vor Investoren und der Delegation der Landesministerin.

Bayern und NRW sind schon da

Bayern und Nordrhein-Westfalen sind bereits in Israel mit Repräsentanzen vertreten. Baden-Württemberg und der Zukunftsfonds Heilbronn, der vom Family-Office von Dieter Schwarz unterstützt wird, teilen sich die Kosten für die Mitarbeiter, die bei der Außenhandelskammer (AHK) angestellt sind. Etliche namhafte Firmen aus dem Südwesten wie Mercedes, Bosch und Merck sind bereits in Israel unterwegs. Die Repräsentanz hat eher den Auftrag, Kontakte herzustellen zu den Mittelständlern etwa des verarbeitenden Gewerbes im Südwesten. Digitale Technologien rund um Cyber Security, Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und Industrie 4.0 stehen im Mittelpunkt. Hoffmeister-Kraut verwies in ihrer Rede darauf, dass „die innovativen Trendsetter, von denen es eine beeindruckende Zahl in Israel gibt, sich gut ergänzen mit den Mittelständlern, die das Rückgrat der Wirtschaft im Südwesten sind.“ Sie setze sehr darauf, dass hier ertragreiche Partnerschaften entstehen. Beim Start-up-Gipfel Baden-Württemberg, der im September wieder stattfinden soll, ist Israel das Gastland.

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Mobileye ist die Perle der Gründungen in Israel

Auch dank einer kompromisslosen Förderung von Unternehmensgründungen im High-Tech-Bereich, für die Israel bereits seit Ende der 90er Jahren hohe Summen bereit stellt, sind aus der Start-up-Szene des Landes etliche so genannte Einhörner hervorgegangen. Einhörner werden Unternehmensgründungen genannt, die einen Börsenwert von mehr als einer Milliarde Dollar erzielen. Prominentestes Beispiel ist etwa Mobileye – das Unternehmen, das Technologien für das autonome Fahren entwickelt, ist kürzlich für über 15 Milliarden Euro an den Chipgiganten Intel verkauft worden. Trotz etlicher Erfolge und einer lebhaften Gründerszene macht sich in Israel aber Ernüchterung breit, weil die Gründer häufig ihre Unternehmen recht schnell an Investoren – vielfach im Ausland – verkaufen und so in Israel gar nicht so viele dauerhafte Arbeitsplätze entstehen. Hoffmeister-Kraut: „Meine Gesprächspartner im Wirtschaftsministerium in Jerusalem setzen große Hoffnungen darauf, dass Partnerschaften mit unseren Mittelständlern zu einem nachhaltigen Wachstum der Unternehmensneugründungen in Israel führen.“ Die Ministerin wird bei ihrer viertägigen Reise von Landespolitikern und Wirtschaftsvertretern aus Baden-Württemberg begleitet.

Vertretungen auch in Südafrika und Indien

Darunter ist der Heidelberger Pharma-Unternehmer Christian Tidona. Tidona ist Eigentümer von Biomed-x – das Unternehmen sucht mit viel Geld nach disruptiven Technologien im Pharmabereich. Tidona wurde von der Regierung Israels gebeten, mit hochrangigen Partnern wie etwa Merck, Pfizer und Astrazeneca seinen Forschungsansatz auch in Israel zu verfolgen. Das Land Baden-Württemberg unterhält bereits Wirtschaftsrepräsentanzen in neun weiteren Ländern, etwa in China, Südafrika, Großbritannien und Indien.