Karl-Heinz Rummenigge teilt gern aus – und muss jetzt einstecken. Foto: dpa/Roland Weihrauch

Mit seiner Idee, beim Bundesliga-Treffen in Frankfurt den VfB Stuttgart und drei weitere Clubs außen vor zu lassen und hinterher verbal zu attackieren, hat sich Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge keine Freunde gemacht. Die Kritik in der Presse und den sozialen Netzwerken ist vernichtend.

Stuttgart - Kräftig teilte Karl-Heinz Rummenigge aus, nachdem er 15 deutsche Proficlubs zu einem Treffen nach Frankfurt eingeladen und dabei den VfB Stuttgart, Arminia Bielefeld, den 1. FSV Mainz und den FC Augsburg wegen deren Positionspapier zur Neuverteilung der TV-Gelder außen vor gelassen hatte. „Die vier Bundesligisten haben uns den Fehdehandschuh hingeworfen“, grollte der Vorstandschef des FC Bayern, „das ist nicht das, was wir uns unter Zusammenarbeit vorstellen.“

Ob das eine gute Idee und die richtige Sichtweise war? Eher nicht. Denn vernichtend ist nun die Kritik am Vorgehen Rummenigges in den deutschen Medien und sozialen Netzwerken.

Besonders deutlich wird die „Augsburger Allgemeine“. Rummenigge verhalte sich „wie ein arroganter Schnösel, der sich in seiner Eitelkeit gekränkt fühlt, weil jemand eine andere Meinung hat. Doch so funktioniert Demokratie nicht. Sie lebt von einer Diskussion und letztendlich von Kompromissen, die man gemeinsam findet.“ Gleichzeitig lobt das Blatt die Initiative des VfB und der anderen am Positionspapier beteiligten Vereine: Ihre Denkanstöße dienten „als Diskussionsgrundlage für die wichtige, vielleicht sogar überlebenswichtige Diskussion um eine mögliche Neuverteilung“ .

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Von einem „absurd anmu­tenden PR-Termin für Karl-Heinz Rum­me­nigge“ schreibt das Magazin „11 Freunde“ und ist erschüttert, wie Bundesliga-Funktionäre „in einem schwer fass­baren Her­ren­rei­terton abge­kan­zelt“ worden seien: „Dass sich der Bayern-Boss etwa erdreis­tete, den VfB-Vor­stands­vor­sit­zenden Thomas Hitzl­sperger wie einen dummen Schul­jungen dar­zu­stellen, der nach einer Straf­pre­digt seine Fehler ein­ge­sehen hat, ist unge­hörig. Und macht zugleich klar, wie wenig Rum­me­nigge von einer Debatte auf Augen­höhe hält.“

Als „Muskelspiel und Machtdemonstration“ wertet auch die „Frankfurter Rundschau“ Rummenigges Vorgehen: „Es wäre souveräner gewesen, auch diejenigen Clubvertreter in ein so bedeutendes Treffen einzubinden, die besonders unbequem sind. Ausgrenzung ist keine gute Idee in diesem Zusammenhang.“ Es sei „geradezu jämmerlich, nicht jeden klugen Kopf mit ins Boot zu holen“.

Der Kommentator des SWR kann ebenfalls nur den Kopf schütteln. Dass „die übliche Mehrheit der Ja-Sager“ unter sich bleibe und „andere gar nicht erst zu Wort kommen“, sei „nicht nur schlechter Stil“ , sondern „armselig“. Rummenigge wird in diesem Zusammenhang mit Donald Trump verglichen: „In den USA haben sie die Armseligkeit gerade abgewählt.“ Manchmal sei es „schade, dass man den Fußballmeister nicht abwählen kann“.

Auch der Berliner „Tagesspiege l“ fühlte sich bei dem von Rummenigge initiierten Treffen in Frankfurt an die schlechtesten Seiten der Politik erinnert: „Der deutsche Profifußball verhält sich an der Spitze wie autoritäre Staatslenker: selbstherrlich, intransparent, egoistisch und rein profitorientiert. Mit dieser Haltung dürfte es schwer werden, aus der Krise zu finden.“

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Vernichtend ist die Kritik an Rummenigge auch in den sozialen Netzwerken. An die „Eitelkeitspolitik auf dem Niveau von Neuntklässlern“ fühlt sich der bekannte Münchner Podcaster Max-Jacob Ost erinnert.

Die Stuttgarter Blogger von „Vertikalpass“ wiederum sehen es auf die ironische Art und Weise und amüsieren sich darüber, dass ausgerechnet Rummenigge dem VfB-Chef Thomas Hitzlsperger die Leviten liest.

Ein bisschen Zuspruch bekommt Rummenigge immerhin von verlässlicher Stelle – von „Bild“-Mann Alfred Draxler. „Klingt alles erst einmal vernünftig!“, twitterte der Chefkolumnist über die Aussagen des Bayern-Chefs nach dem „Bundesliga-Gipfel“.

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