Das Hedelfinger Bezirksrathaus wird seit Anfang des Jahres modernisiert. Durch den Einbau eines Aufzuges wird das denkmalgeschützte Gebäude barrierefrei. Zudem wird das Rathaus energetisch saniert. Foto: Kuhn

Seit elf Monaten wird das Bezirksrathaus saniert. Im Januar sollen die Mitarbeitenden der Bezirksverwaltung einziehen können. Der Bürgersaal im zweiten Stock ist nicht hergerichtet, die Mittel fehlen dazu.

Hedelfingen - Noch ist das Rathaus an der Ecke Heumadener-/Amstetter Straße mit Absperrungen gesichert. Die schweren Baugeräte sind allerdings verschwunden. Der Einbau des Aufzugs ist weitgehend abgeschlossen, sagt Stadtsprecher Martin Thronberens. „Jetzt geht es noch um die Inneneinrichtungen“, sagt Bezirksvorsteher Kai Freier. Die Bauarbeiten liegen gut im modifizierten Zeitplan. Die Arbeiten an und im denkmalgeschützten Gebäude haben im Januar mit dem Umzug der Bezirksverwaltung aus ihren Büroräumen im Rathaus ins Bürgerhaus am Hedelfinger Platz begonnen. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung wurden interimsweise in der Alten Schule untergebracht. Ursprünglich war geplant, dass sie bereits im Herbst wieder ins Rathaus zurückziehen können. Nach Ausbruch der Corona-Epidemie und der Entdeckung einiger baulicher Überraschungen wurde der Termin auf Januar 2021 verschoben.

Ausgangspunkt für die Sanierung des 110 Jahre alten Gebäudes war der Wunsch nach einem barrierefreien Rathaus. Bei dem Einbau des Aufzuges blieb es aber nicht. „Die Bauarbeiten offenbarten etliche Mängel, sodass wir jetzt von einer Totalsanierung sprechen können“, sagte Architektin Ute Oehring im Sommer den Bezirksbeiräten bei einem Rundgang durchs Haus. So war die Elektrik total veraltet. Zudem musste das Gebäude energetisch fit gemacht werden. „Es wurden neue Fenster eingebaut, die Decke der Dachgeschosswohnung gedämmt “, sagt Thronberens. Sämtliche Maßnahmen wurden mit den Mitarbeitenden des Denkmalschutzamtes abgestimmt.

Den Denkmalschützern war es wichtig, dass vor allem die Eingriffe in das historische Treppenhaus gering gehalten werden. Deswegen wurde der Aufzug nicht im Treppenauge – wie ursprünglich vorgeschlagen – eingebaut. Der behindertengerechte Zugang wurde auf der Gebäuderückseite angelegt. Der Lift-Schacht führt jetzt von den einstigen Räumen der Polizeiwache in den zweiten Stock. Um den Aufzug unterzubringen, mussten die Zuschnitte der Dachgeschosswohnung aufwendig verändert werden. Trotzdem könne der anvisierte Umzugstermin gehalten werden, bestätigt Thronberens. Im Februar kann Freier mit seinen Mitarbeitern ins sanierte Rathaus einziehen.

Hedelfingens Bezirksbeiräte würden lieber noch einige Zeit auf den Rückzug verzichten. Bei Voruntersuchungen wurde nämlich auf historischen Bauplänen entdeckt, dass im zweiten Stock ein Bürgersaal vorgesehen war. Dieser wurde später geteilt und in Büros umgewandelt. Die Bürgervertreter wollen den Bürgersaal wiederherstellen. „In Bezirksbeiratssitzungen geht es – auch ohne Corona-Bestimmungen – eng zu. Der größere Sitzungssaal würde uns helfen und er könnte auch den Vereinen für Versammlung zur Verfügung gestellt werden“, meint CDU-Bezirksbeirat Mario Graunke. Der Bedarf an Veranstaltungsplätzen sei vorhanden. Auch die Denkmalschützer unterstützen die Idee, den historischen Urzustand wiederherzustellen und eine Baugenehmigung liegt vor, nachdem eine Lösung für eine Feuertreppe gefunden wurde.

Umso enttäuschter sind die Bezirksbeiräte, dass mit dem Rückbau im zweiten Stock nicht begonnen wurde und die städtischen Mitarbeiter im Januar in ihre Büros im Erdgeschoss und im Stockwerk darüber ziehen sollen. „Unfassbar. Es ist doch keinem Bürger klarzumachen, dass das Rathaus jetzt bezogen wird und in zwei Jahren dann vielleicht mit dem Bau des Bürgersaals begonnen wird“, sagt Graunke. Solch ein Rückbau verursacht Lärm, Dreck und Unfallgefahren. „Die Mitarbeiter haben sich im Bürgerhaus eingerichtet und die Bürger an den Interimsstandort gewöhnt. Jetzt bietet sich an, mit dem Umbau fortzufahren.“ Doch die Finanzierung der zusätzlichen Kosten in Höhe von 500 000 Euro sei nicht gesichert, sagt Thronberens. Die Hedelfinger hoffen nun, dass die Stadt im Nachtragshaushalt Geld locker macht. „Dann bekämen wir ein rundummodernisiertes Rathaus, das in den kommenden 15 Jahren nicht mehr saniert werden muss.“

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