Die Mordanklage zum Rasertod in Ludwigsburg steht – der Blitzer am Unglücksort nicht. Manches braucht Zeit, anderes sollte schnell erledigt werden, kommentiert Oliver von Schaewen.
Erinnerungen an die traumatischen Bilder des Raserunfalls in Ludwigsburg sind in dieser Woche wach geworden. Merve und Selin, zwei junge Frauen, kamen im März bei einem völlig bescheuerten, mutmaßlich illegalen Autorennen ums Leben. Jetzt erfolgte die Mordanklage. Die Öffentlichkeit hat erfahren, dass die staatliche Justiz an dem Fall drangeblieben ist und die Maximalstrafe fordert. Auf den ersten Blick wirkt diese Forderung angemessen – sie muss nun der gerichtlichen Überprüfung standhalten.
Für die verständlicherweise emotional aufgewühlten Angehörigen der Getöteten hieß es, sich in Geduld zu üben. Sechs Monate haben die Ermittler gebraucht, um Beweise zusammenzutragen, die eine Anklage wegen Mordes gegen den Hauptverdächtigen rechtfertigen. Manch einem mag das sehr lang erscheinen, doch ist es angesichts der Schwere der Vorwürfe wichtig, sich diese Zeit zu nehmen.
Geduld wird von der Gesellschaft im Landkreis Ludwigsburg auch abverlangt, wenn es um mehr Sicherheit am Tatort auf der Schwieberdinger Straße geht. Dort sollte ein Blitzgerät aufgestellt werden, um Rasern von vornherein den Zahn zu ziehen. Passiert ist seit dem Beschluss des Gemeinderats vom Juli, das insgesamt 150 000 Euro teure Gerät aufzustellen, aber immer noch nichts.
Unbelehrbare Dummköpfe treiben ihr Unwesen
Ist das ein Grund, unruhig zu werden? Die Stadt nennt unserer Zeitung Lieferschwierigkeiten und hofft, das Messgerät bis Ende des Jahres zu erhalten. Eine wichtige Information, denn ein Blitzgerät kann unter Umständen Menschenleben retten. Die Verwaltung darf sich hier keine unnötigen Verzögerungen erlauben. Zumal nach dem Unfall immer noch unbelehrbare Dummköpfe in aufgemotzten Blechkisten ihr Unwesen treiben.
Ein neuer Blitzer, und dann noch Tempo 40 – das dürfte so manch eiligem Autofahrer in Ludwigsburg auf die Nerven gehen. Die Akzeptanz für ein stationäres Messgerät als Bollwerk gegen Raser ist sicher größer als die für Tempo 40. „Muss wegen einiger Idioten die Allgemeinheit ausgebremst werden?“, fragen sich wohl viele. Aber diese Frage ist zu kurz gegriffen. Es geht einerseits um Sicherheit und ein klares Zeichen an die Stadtbevölkerung nach einem mörderischen Unfall – aber auch um Gesundheit und Lebensqualität in einer Stadt voller Abgase und Krach.
Tempo 40 soll bald auf der Straße vorgeschrieben sein
Anwohner der Schwieberdinger Straße leiden schon lange unter zu lauten Fahrgeräuschen, besonders nachts. Sie mussten viele Jahre warten, während Tempo 40 etwa an der Friedrichstraße in Richtung Remseck schon längst Realität ist.
Doch auch an der Ausfallstraße im Ludwigsburger Westen ist Tempo 40 nun auf dem Weg, versichert die Verwaltung. Die Stadt hat die Lärmwerte in der Schwieberdinger Straße ermitteln lassen. Sie rechtfertigen eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde – die Erkenntnisse werden derzeit aber noch final von der Verwaltung geprüft. Ist dieser Prozess zu Ende, können Schilder aufgestellt werden.
Fazit: Die behördlichen Mühlen mahlen in Deutschland oft sehr langsam. Aber besser gründlich und halbwegs gerecht als schnell, intransparent und totalitär, ohne die Argumente der Gegenseite anzuhören. Wenn am Ende die Weichen richtig gestellt werden, hat sich das Warten gelohnt.