Der Feiermodus war schnell auf „an“ beim Public Viewing der SpVgg Renningen mit gut 300 Fans. Foto: Simon Granville

5:1 über Schottland zum EM-Auftakt: Nach dem 125-Jahr-Jubiläum und der Meisterschaft der Fußballer setzen sich die Freudenfeste beim Public Viewing der SpVgg Renningen fort.

Es hat ja eigentlich überhaupt nichts schiefgehen können. Die SpVgg Renningen ist derzeit ein Synonym für Frohsinn, Feierlaune und Freude. Der Club beging stimmungsvoll den Festakt zum 125-jährigen Bestehen, die Fußballer ließen es bei dem Aufstieg in die Bezirksliga krachen – und bei der Fußball-EM gab’s ein ausgelassenes Public Viewing. „Hat alles super gepasst“, freut sich Tim Knorr vom Orga-Team, „es hat alles funktioniert, es waren viele Leute da, es hat nicht geregnet – und Deutschland hat gewonnen.“

5:1 über Schottland, gut 300 Fußball-Freundinnen und -Freunde machen sich am Freitag zum Rankbachstadion auf, in Zivil oder im Trikot, und feiern im ehemaligen Buswartehäuschen und drumherum auf der schnuckeligen Renninger Fanmeile. Das ist nicht garantiert, Abteilungsleiter Stefan Heimerdinger erinnert sich mit Grauen an die WM 2022, als die deutsche Elf nur einmal siegt und nach der Gruppenphase wieder nach Hause fliegt. „Wir haben alles top vorbereitet“, sagt der Fußball-Chef der SpVgg vor dem Anpfiff, „an uns liegt es nicht.“

Die Party beginnt mit dem 1:0

Absolut. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat seine Mannen genauso gewissenhaft vorbereitet wie Heimerdinger und Knorr die SVR-Truppe, die die Public-Viewing-Area innerhalb einer Woche auf EM-Reife getrimmt haben – schon nach zehn Minuten reißen so ziemlich alle der gut 300 Menschen die Arme hoch, nachdem Florian Wirtz mit dem 1:0 den Grundstein zum Erfolg gelegt hat. Auf den Stehplätzen umarmen sich die deutschen Anhänger, und die beiden in ungarischen Farben nicken anerkennend.

EM-Garten – das neue Angebot

Im EM-Biergarten geht’s nicht so turbulent zu, hier sitzen die reiferen Jahrgänge, es herrscht gepflegte Raumdeckung zwischen den Fans im Gegensatz zur kontaktfreudigen Manndeckung im Bushäuschen. „Wir wollten mal was Neues anbieten“, erklärt Stefan Heimerdinger, weshalb der Club, der seit 2012 zur WM und EM stets ein Public Viewing organisiert, einen Sitzbereich mit festen Bänken inklusive Bedienung eingerichtet hat. „Klasse Sache“, sagt einer mit großem Deutschland-Hut auf dem Kopf und halbgefülltem Bierglas in der Hand.

Vuvuzela oder Hündchen im Arm

Klasse Sache, das gilt auch fürs deutsche Team, das die Fanmeile beim Rankbachstadion mehr und mehr aufheizt. Jamal Musiala und Kai Havertz sorgen zur Halbzeit für das 3:0 samt einer wunderbare Wohlfühl-Atmosphäre, wobei der Raum vor der Damentoilette in der Pause von weiblichen Anhängern belagert wird wie der schottische Strafraum vom deutschen Team in Durchgang eins.

Spätestens nach der Pause sind alle im Feiermodus, die einen halten die Vuvuzela in der Hand, die anderen tragen ihr Hündchen unterm Arm – Fußball verbindet Musikliebhaber und Tierfreundinnen. 4:0 durch Niclas Füllkrug, 1:4 von Antonio Rüdiger per Eigentor, dann setzt Emre Can kurz vor Schluss mit dem 5:1 den finalen Akkord. Es wird gejubelt und angestoßen, lediglich eine junge Frau schaut, als habe jemand Lebertran ins Bier gekippt. „Mein Tipp war 4:1“, knurrt sie, „das Tor war nicht mehr nötig.“ Doch sofort lächelt sie. Es kann eben (fast) nichts schief gehen auf der Fanmeile in Renningen.