Die Schauspielerin und Theaterpädagogin mit Foto: Leonarda Saravanja (z) - Leonarda Saravanja (z)

Die Theaterpädagogin Leonarda Saravanja hat mit dem Projekt Lesebühne Acht- und Neuntklässler geholfen, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern und zudem Selbstvertrauen zu tanken.

Bad CannstattZu Beginn des Schuljahres trauten sie sich nicht, im Unterricht die Hand zu heben und einen Beitrag zu leisten. Die deutsche Sprache war noch zu fremd und unvertraut. Nach dem Projekt Lesebühne der Theaterpädagogin Leonarda Saravanja erzielten die Jugendlichen der 8. und 9. Klasse bei der Deutschpräsentation bessere Noten als die Muttersprachler.

Wie geht das? Die Schauspielerin und freischaffende Theater- und Entspannungspädagogin wurde gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, an der Altenburgschule im Hallschlag mit Jugendlichen zu arbeiten, die noch nicht richtig vertraut mit der deutschen Sprache sind. Konkret geht es um das „Modellprojekt Jugendmigrationsdienst im Quartier“, das die Arbeiterwohlfahrt durchführt, und mit dem Jugendliche in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf gestärkt werden sollen. In diesem Projekt können junge Menschen in gemeinsamen Aktivitäten ihr Quartier mitgestalten. In einer Reihe von kleineren und größeren Projekten werden Jugendliche beim Deutschlernen, in der Schule, in der Freizeitgestaltung, im Entdecken des Hallschlags und beim sich Einleben unterstützt und begleitet.

Die von der Theaterpädagogin entwickelte Lesebühne ist dafür bestens geeignet. „Es geht darum, mit Kindern und Jugendlichen verschiedene Texte wie Gedichte oder Balladen zu lesen, zu erarbeiten und zu interpretieren“, beschreibt Saravanja, „auf verschiedene Art und Weisen.“ Etwa durch Pantomime, Tanz, auswendig Lernen, Rezitieren oder einfach nur Vorlesen. Viele Dinge, die auch im Schauspiel zur Anwendung kommen, um sich besser wahrzunehmen, die Verbindung von Körper und Sprache zu realisieren. „Einfach in Kontakt mit sich selbst zu kommen und die Kraft, die in einem steckt, abzurufen.“

Gestartet wurde zum Schuljahresbeginn im vergangenen September mit Acht- und Neuntklässlern, die zum Teil aus den Vorbereitungs- in die Regelklassen gewechselt sind. Die Gruppe der 14- bis 17-Jährigen war bunt gemischt, mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung, Jugendliche aus den Irak, Syrien oder Palästina. Zwischen acht und elf Jugendlichen nahmen teil. „Zwischendurch waren drei Jungs dabei , die aber nicht so ausdauernd waren wie die Mädchen“, lacht Saravanja. Einmal pro Woche zwei Schulstunden kam die Gruppe zusammen.

Es sei eine echte Herausforderung und harte Arbeit gewesen, habe aber auch sehr viel Spaß gemacht. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Die Fortschritte in der Sprache der Protagonisten seien enorm gewesen. „Auch das Selbstvertrauen ist gewachsen.“ Und dann noch die guten Noten in der Deutschpräsentation. „Das erfüllt mich schon mit Stolz.“ Als die Möglichkeit bestand, bei der Eröffnung des Generationenhauses am Römerkastell 69 Ende Juni mitzuwirken, sei kurzzeitig Panik aufgekommen. „Öffentliche Auftritte waren eigentlich nicht vorgesehen.“ Fünf Teilnehmerinnen traten dann auf. Während des Schuljahres wurde am Thema Liebe gearbeitet, das Thema auf verschiedene Art und Weise behandelt. Es wurden auch Texte selbst verfasst. „Fast alles wurde beim Auftritt eingebaut.“ Auch ein Monolog. Der Lohn: Viel Beifall für den Auftritt.

Das Modellprojekt Jugendmigrationsdienst im Quartier läuft bis 2021, sodass die Lesebühne auch im kommenden Schuljahr an der Altenburgschule durchgeführt werden kann.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: