In der mit Nachschubproblemen kämpfenden deutschen Industrie hat sich nach Analyse des Ifo-Instituts eine Rekordzahl unerledigter Aufträge angehäuft. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Theoretisch hat die deutsche Industrie ausreichend Aufträge für die nächsten rund viereinhalb Monate. Doch es kommen immer mehr. Vor allem der Mangel an Material verursacht Probleme.

München - In der mit Nachschubproblemen kämpfenden deutschen Industrie hat sich nach einer Analyse des Ifo-Instituts ein Rekordwert unerledigter Aufträge angehäuft.

Der Auftragsbestand im April reichte für die nächsten viereinhalb Monate, wie die Münchner Wirtschaftsforscher am Montag mitteilten. Bei der Umfrage im Januar waren es noch 4,4 Monate gewesen. Im langjährigen Durchschnitt reicht der Auftragsbestand laut Ifo für lediglich 2,9 Monate.

"Der Auftragsstau spiegelt nicht nur die hohe Nachfrage nach deutschen Industriewaren in den vergangenen Monaten wider, sondern auch die Schwierigkeiten der Unternehmen, die bestehenden Aufträge aufgrund des Mangels an wichtigen Vorprodukten und Rohstoffen zeitnah abzuarbeiten", sagte Timo Wollmershäuser, der Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen.

Besonders groß ist die Auftragsreichweite demnach in der Autoindustrie inklusive Zulieferern mit 7,4 Monaten und im Maschinenbau mit 6,5 Monaten. Falls sich die Lieferengpässe in den kommenden Monaten auflösten, könnte die Produktion nach Einschätzung des Ifo-Instituts durchstarten. "Das würde dann die Wirtschaftsleistung kräftig anschieben", sagte Wollmershäuser. Der Ökonom erwartet jedoch eher eine Verschärfung der Lieferengpässe, vor allem als Folge der Corona-Lockdowns in China.