Am Ziel seiner Träume: Julian Nagelsmann darf nach München Foto: dpa/Jan Woitas

Der Wechsel von Julian Nagelsmann zum FC Bayern München wird in deutschen Tageszeitungen positiv gesehen, teilweise aber auch als überteuert eingeschätzt.

Stuttgart - Julian Nagelsmann wird bald Trainer von Bayern-Keeper Manuel Neuer sein – der ein paar Jahre älter ist als der Coach. Kann das gut gehen? Der Noch-Trainer von RB Leipzig hat zwar noch nie solch ein Starensemble wie den GC Bayern trainiert – aber zuzutrauen ist ihm, dass er das schafft. Die Pressestimmen zum spektakulärsten Bundesliga-Trainerwechsel des Jahres.

Lesen Sie hier: Der Kommentar dieser Zeitung

„Frankfurter Allgemeine“: In München muss Nagelsmann, das vielleicht größte Trainertalent, das es im deutschen Fußball gegeben hat, zum ersten Mal in seiner Karriere mit Topstars arbeiten. Die sind längst ihre eigene Marke. Zudem muss er mit einer Führung klarkommen, die sich seit einiger Zeit im Umbruch befindet und in der sich die Hauptfiguren immer wieder profilieren wollen. Das alles ist ihm zuzutrauen. Auch wenn in einem solchen Spannungsfeld unter höchster Erfolgserwartung und ständiger medialer Beobachtung selbst langgediente Trainer schon verzweifelt sind.

Das geringste Risiko

„Süddeutsche Zeitung“: Nun ist es natürlich so, dass der FC Bayern ohne einen Flick-Abgang gar nicht investieren müsste, schon gar keine Rekordablöse. Aber das ist ein eigenes Thema. Unter den gegebenen Umständen ist Nagelsmann das geringste Risiko: kennt die Bundesliga, gebürtiger Bayer, international erfahren. Und wie so oft im Leben kann ja auch eine vermeintlich billige Lösung hintenraus teuer werden. Wenn man sich vorzeitig trennen muss, muss man ja plötzlich zwei Trainer gleichzeitig bezahlen, manche Vereine auch vier oder fünf.

„Leipziger Volkszeitung“: Als die ersten Gerüchte aufkamen, dass der FC Bayern an RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann interessiert sei, glaubten viele RB-Anhänger nicht, dass sich der 33-Jährige tatsächlich vom Rekordmeister locken lässt. Wenige Tage später breitet sich der Unmut über den nun bestätigten Wechsel des Bullen-Coaches an die Säbener Straße spürbar aus. „Man fühlt sich ein bisschen verarscht.“ So fasst Tobias Hohensee vom Fanclub Red Campus die Geschehnisse der vergangenen Tage, die zur Hammer-Nachricht am Dienstag führten, zusammen.

„Bild“: Klar tut es weh, den besten deutschen Trainer an seinen größten Konkurrenten zu verlieren. Aber die Entscheidung von RB, Julian Nagelsmann zu den Bayern ziehen zu lassen, war alternativlos. Nagelsmann erfüllt sich mit dem Wechsel seinen „Lebenstraum“. Natürlich hätte RB auf den Vertrag pochen können. Nur was hilft ein Trainer, der unzufrieden ist und eigentlich weg will? Gar nichts! Zumal der Abschied so oder so irgendwann gekommen wäre.

Win-win-win-Situation

„Abendzeitung“: Eine Win-win-win-Situation also? Naja, vergessen sollte man bei all der bayerischen Euphorie nicht, dass es sich doch um ein erzwungenes Glück handelt - und ein sehr teures noch dazu! Klar, Nagelsmann und Bayern - das passt zusammen. Aber wäre es den Bossen der Münchner gelungen, den Dauerkrach zwischen ihrem Erfolgstrainer Hansi Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic nachhaltig zu befrieden, hätten sie selbst einen im wahrsten Sinne des Wortes günstigeren Zeitpunkt bestimmen können, um irgendwann in ferner Zukunft einmal an den jungen Landsberger heranzutreten. So aber hat der Rekordmeister nun einen weiteren Rekord in seiner Bilanz stehen - einen Ablöse-Weltrekord, auf den sie an der Säbener Straße in diesen finanziell komplizierten Pandemie-Zeiten ganz sicher gerne verzichtet hätten.

„Münchner Merkur“: Hätte die Pandemie nicht auch negative Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Bayern, hätte Nagelsmann wohl noch mehr Geld verdienen können. Doch der monetäre Aspekt spielt beim Trainer-Überflieger bei seiner neuen Herausforderung keine Rolle.

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