Geschäftskunden können bislang ihre Postpakete an einem Extraschalter im Hof abgeben. Foto: Mathias Kuhn

Die Geschäftspostannahmestelle der Untertürkheimer Postfiliale soll offenbar geschlossen werden. Untertürkheims Unternehmen laufen Sturm. Sie fordern den Erhalt des für sie wichtigen Service.

Untertürkheim - Viele Unternehmen aus den Neckarvororten sind alarmiert. Bislang können sie ihre Päckchen, Pakete und andere Postsendungen an der Geschäftspostannahmestelle im Hof des Postamts abgeben. Nun erfuhren sie, dass der Firmenschalter geschlossen werden soll. „Für viele mittelständische Unternehmen würde dies ein weiterer Aufwand bedeuten“, sagt Stefanie Schwarz vom Weingut Schwarz. Fast täglich verschickt die Familie Schwarz Waren über die Untertürkheimer Postfiliale an Kunden in Deutschland und im Ausland. „Ein toller Service der Post für Firmen in unserer Größenordnung“, sagt Schwarz. Die Annahmestelle sei von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Die Dienstleistung werde gut angenommen. Die Firmenvertreter können in den Posthof fahren, dort ihr Fahrzeug parken und dann quasi direkt vom Kofferraum aus ihre Warensendungen zur Annahmestelle bringen. In den Reihen des Industrie-, Handels- und Gewerbevereines (IHGV) gibt es zahlreiche Weingüter und Weinerzeuger. „Die zu verschickenden Weinpakete sind oftmals sehr schwer und auch recht groß. Als die Geschäftskundenannahme einmal geschlossen war und unsere Mitglieder ihre Pakete in der Filiale abgeben wollten, wurde ihnen die Annahme verweigert. Die Menge an Weinpaketen oder generell der Geschäftskundenpakete übersteigt das Maß, welches in der Filiale angenommen werden kann deutlich“, sagt Schwarz.

Zudem sei es fast unmöglich, die schweren Pakete regulär in der Filiale abzugeben und über den Tresen zu hieven. Auch für die Postmitarbeiter sei dies eine Zumutung. Da oft nur ein oder zwei Schalter besetzt sind, müssen heute bereits für Privatkunden in langen Schlangen warten. „Wenn wir nun noch mit unseren Lieferungen dazukommen, werden die Staus noch länger und der Unmut größer“, so Schwarz. Als Alternative wurde den IHGV-Mitgliedern, die sich für den Erhalt einsetzen, die drei verbleibenden Annahmestellen in der Region genannt: in der Innenstadt, in Möhringen und in Waiblingen. „Zu umständlich“, so Schwarz.

Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel hat sich bei der Post erkundigt. „Offensichtlich ist das Aufkommen nicht mehr so groß. Die Weinmanufaktur und das Collegium Wirtemberg lässt ihre Sendungen beispielsweise bei sich in der Kelter abholen“, hat sie erfahren. Dass sich der Aufwand der Annahmestelle nicht mehr lohne, können die IHGV-Mitglieder nicht nachvollziehen. Selten stehe er allein am Schalter, sagt IHGV-Vorsitzender und Weingutbesitzer Klaus-Dieter Warth. „Da es in den Nachbargemeinden keine eigene, große Postfiliale gibt, ist der Untertürkheimer Standort der zentrale Anlaufpunkt für die Unternehmen der Neckarvororte.“ Auch Cannstatter Kollegen oder Mitarbeiter von Firmen im Hafen oder in der Kesselstraße treffe er dort oft.

Für Untertürkheims Gewerbetreibende ist die Schließung der Geschäftsannahmestelle ein ungutes Signal. „Das ist für die gesamten Oberen Neckarvororte, insbesondere für Untertürkheim eine weitere lebensgefährliche Bedrohung“, warnt der ehemalige IHGV-Vorsitzende Markus Krautter. Die Kundenfrequenz ist aus seiner Sicht ungebrochen hoch. Egal, zu welcher Zeit man in die Postfiliale gehe, stehen die Kunden – jetzt auch wegen des Corona-Abstands – bis auf den Vorplatz. Die Gewerbetreibenden machen sich deswegen bereits Gedanken, was während des Abrisses des alten Postgebäudes und dem Bau der geplanten Gebäude auf dem Postareal geschehe. „Es darf keine Unterbrechungen geben, dies wäre fatal“, warnt Krautter vor einer weiteren Stufe des Trading-Down-Effekts.

Den lokalen Einzelhändlern werde – nicht erst seit der Corona-Krise – geraten, sich im Internet zu platzieren und die Waren per Post zu verschicken, und jetzt sollen sie nach Waiblingen oder in die Innenstadt fahren? „Ich weiß nicht, ob dies den aktuellen Verkehrskonzepten entspricht“, schreibt auch IHGV-Aktive Christine Keinath an die Wirtschaftsförderung der Stadt Stuttgart. Der IHGV fordert deswegen vehement, dass die Geschäftskundenannahmestelle der Post erhalten bleibt.

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