Thaddäus Kunzmann sorgt für Diskussionen wegen eines Facebook-Posts. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Der Demografiebeauftragte des Landes Thaddäus Kunzmann hat Ärger wegen eines Facebookposts. Dort schrieb er, dass es in Deutschland kein Problem mit Polizeigewalt gebe und George Floyd ein „Gewaltverbrecher“ war.

Stuttgart - Gleich am Anfang seiner Botschaft setzt Thaddäus Kunzmann (CDU) den Warnhinweis „die folgenden Zeilen sind politisch nicht korrekt“. Was dann folgt, verärgert Landtagsabgeordnete quer durch die politische Landschaft.

Der ehemalige CDU-Abgeordnete, der 2016 den erneuten Einzug in den Landtag verpasst hatte, ist inzwischen als Demografiebeauftragter für die Landesregierung tätig. In dieser Rolle kümmert er sich um Themen wie altersgerechtes Wohnen und Pflege – organisatorisch ist er damit im Sozialministerium angesiedelt.

Zwischenzeitlich hat Kunzmann seinen Originalpost gelöscht. Lesen Sie hier das Posting in von der Redaktion gesicherten Screenshots:

Jetzt werden Rücktrittsforderungen gegen den 56-Jährigen laut. Unter anderem der Grünen-Politiker Alexander Salomon und Jonas Weber (SPD) laufen in den Sozialen Netzwerken Sturm gegen Kunzmanns Äußerungen.

Der junge Abgeordnete aus Karlsruhe distanziert sich wegen Relativierung der Todesumstände von George Floyd von Kunzmann. Der schwarze US-Amerikaner starb durch Polizeigewalt am 25. Mai in Minneapolis, seitdem gehen weltweit Menschen unter dem Hashtag #blacklivesmatter auf die Straße. Der Demografiebeauftragte schreibt, Floyd sei ein „Gewaltverbrecher“ gewesen.

Rücktrittsforderungen erhebt auch der Rastatter Abgeordnete Jonas Weber. Er schreibt Kunzmann solle sich „eine neue Aufgabe“ suchen.

Thaddäus Kunzmann sagte – angesprochen auf die Rücktrittsforderungen – unserer Redaktion, er habe den Post auf Facebook von seinem Privataccount abgesetzt: „Hier wird Berufliches und Privates vermischt.“ Jeder der ihn kenne, wisse, dass er kein Rassist sei. Die Angriffe auf Polizisten bei den Demonstrationen am Wochenende wolle er aber nicht tolerieren.

Inzwischen reagiert auch die Landesregierung auf die Äußerungen ihres Demografiebeauftragten. Ein Regierungssprecher sagte unserer Redaktion, die Themen sollten nicht verquickt werden: „George Floyd ist von einem Polizisten getötet worden und das hat das Licht auf rassistische Gewalt in den Vereinigten Staaten geworfen. Dass weltweit dagegen protestiert wird, ist zu begrüßen.“ Die Vorstrafen hätten damit nichts zu tun. „Da hat Herr Kunzmann Sachen vermischt, die nicht zusammen gehören.“ Allerdings sei die hiesige Polizei anders aufgestellt als die Kollegen in der USA. „In Baden-Württemberg gibt es kein strukturelles Problem mit Polizeigewalt.“

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