Die Queen bei ihrem Platinum Jubilee auf dem Balkon des Buckingham-Palasts. Foto: dpa/Jonathan Brady

Noch nie hat die Queen ihre zweitjüngste Urenkelin getroffen - dabei ist Lilibet sogar nach der Königin benannt. Das ändert sich nun. Der Besuch von Prinz Harry und Herzogin Meghan mit ihrer Tochter „Lili“ könnte helfen, die royalen Wogen zu glätten.

Mit der Queen den eigenen Geburtstag feiern? Was für die allermeisten Menschen wie ein Märchen klingt, wird für ein Mädchen aller Voraussicht nach wahr: Auf Schloss Windsor dürfte Lilibet Diana Mountbatten-Windsor an diesem Samstag (4. Juni) Königin Elizabeth II. treffen. Zugegeben, eine große Sensation ist das nicht, schließlich ist „Lili“ eine Urenkelin der Queen und auch noch nach dem Spitznamen der Monarchin benannt. Fraglich ist auch, ob sie sich später an die Begegnung erinnern wird, denn es ist ihr erster Geburtstag. Aber das Treffen umweht dennoch Historisches.

Denn nicht nur ist es das erste Mal, dass die Queen ihre zweitjüngste Urenkelin leibhaftig sieht. Die private Zusammenkunft könnte eine von vielen erhoffte Annäherung zwischen Lilibets Eltern Prinz Harry und Herzogin Meghan auf der einen und dem Rest der Royal Family auf der anderen Seite einleiten. Als Friedensgeste bezeichneten britische Medien den Besuch der Familie, die vor gut zwei Jahren in die USA ausgewandert war, in der alten Heimat.

Der Graben ist tief, und das liegt nur in geringem Maße an den 8765 Kilometern, die der neue Familiensitz Montecito in Kalifornien von der Queen-Residenz Windsor entfernt liegt. In ihrem längst berühmt-berüchtigten Interview mit US-Moderatorin Oprah Winfrey im März 2021 hatten Meghan und Harry schwere Geschütze gegen den Palast aufgefahren. Von mangelnder Unterstützung, Suizidgedanken und Rassismus war die Rede. In weiteren Einlassungen untermauerte das Paar die Vorwürfe. Vor allem das Verhältnis von Harry mit Vater Prinz Charles und Bruder Prinz William soll ziemlich zerrüttet sein. Kurze Visiten des 37-Jährigen brachten bisher keine Entspannung.

Das könnte sich nun ändern. Treibende Kraft ist offenbar die Queen selbst. Die Monarchin habe angeordnet, die Familie Sussex, die mit einem Privatjet in England landete, mit ihrer Limousine vom Flugplatz abzuholen, berichteten britische Medien. Die Königin gilt als weitestgehend unbelastet in dem Konflikt, auch weil Harry und Meghan ihr stets ihre Hochachtung versichert und sie nie angegriffen hatten.

Nun kommt es zum mit Spannung erwarteten Privattreffen mit der Queen

Zwar gibt es Konventionen, an die sich die Queen hält, zumal sie in diesen Fragen als konservativ gilt. So machte der Palast wiederholt deutlich, dass für Harry, Meghan und Co. beim Höhepunkt der Feiern - dem Auftritt der Royal Family auf dem Balkon des Buckingham-Palasts - kein Platz sei. Dort waren nur „Working Royals“ erwünscht, also solche Mitglieder, die im Namen des Palasts Auftritte wahrnehmen. Dies aber haben Meghan und Harry mit ihrem Umzug in die USA aufgegeben. Sie wollen möglichst wie normale Menschen leben und ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Wobei Kritiker darauf hinweisen, dass das Paar seinen Namen durchaus bewusst einsetze.

Andererseits reisten Harry und Meghan mit anderen ranghohen Royals am Freitag zum Dankgottesdienst in der Londoner Kathedrale St. Paul’s und bekamen sogar ihren eigenen Auftritt, als sie zu zweit die Stufen zum Kirchenportal hinaufschritten - und von den Zuschauern mit lautem Jubel begrüßt wurden. Es ist also ein etwas merkwürdiger Zustand, in dem sich die beiden bei den viertägigen Jubiläumsfeiern befinden. Sie sind bei der engeren Familie dabei, aber gehören nicht wirklich zum „Inner Circle“.

Deutlich wurde das bei der Parade „Trooping the Colour“, dem Auftakt des Festreigens am Donnerstag. Etwas überraschend waren die Eheleute dabei, verfolgten die Militärschau aus einem Prunkbau heraus an der Seite anderer Royals. Der Sender Sky News veröffentlichte Fotos, die Meghan scherzend mit den Töchtern von Queen-Enkelin Zara Tindall sowie das Paar im Gespräch mit Queen-Cousin Herzog Edward von Kent zeigen. Doch im Gegensatz zu seinem Vater und Bruder trug Harry einen Anzug und keine Militäruniform. Denn seine Ehrentitel musste er abgeben, was ihn sehr geschmerzt haben soll. „Bemerkenswert zurückhaltend“ sei das Paar aufgetreten, urteilte die BBC.

Nun kommt es zum mit Spannung erwarteten Privattreffen mit der Queen. Schon frohlocken britische Medien, die Audienz könne den Weg bereiten für eine weitreichende Aussöhnung. Ein Zeichen dafür wäre, wenn Harry und Meghan bei dem Anlass die kleine Lilibet taufen lassen würden. Entsprechende Gerüchte kursieren in London seit Tagen.