Der Hochbunker in der Zuckerbergstraße befindet sich in markanter Lage. Foto: Edgar Rehberger - Edgar Rehberger

Der Hochbunker in der Zuckerbergstraße in Steinhaldenfeld soll zu Wohnzwecken genutzt werden. Fünf Wohnungen sollen darin entstehen. Die Planungen dazu sind weit fortgeschritten.

SteinhaldenfeldLange war es ruhig um das Vorhaben. 2011 wurde im Bezirksbeirat Bad Cannstatt die Idee von Wohnungen im Hochbunker in der Zuckerbergstraße erstmals präsentiert. Das Gremium votierte mehrheitlich für eine Umsetzung, Kritik gab es von den Wengertern, die Bedenken bezüglich des Wegerechts und Bewirtschaftung ihrer Flächen sahen. Die Hürde, Wohnungsbau umzusetzen, war hoch. Es galt, zahlreiche Probleme zu lösen. Dies ist zwischenzeitlich geschehen. Heute wird im Bezirksbeirat Bad Cannstatt der „vorhabenbezogene Bebauungsplan Hochbunker Zuckerbergstraße“ beraten.

Der Hochbunker in der Zuckerbergstraße 80 soll zu Wohnzwecken umgebaut werden. Geplant sind fünf Wohnungen. „Aufgrund seiner optischen Fernwirkung wurde über das geplante Erscheinungsbild des Hochbunkers sehr ausgiebig diskutiert“, heißt es in der städtischen Vorlage von Baubürgermeister Peter Pätzold. Auch der Gestaltungsbeirat der Landeshauptstadt, ein unabhängiges beratendes Sachverständigengremium mit sieben externen Fachleuten aus den Bereichen Städtebau, Architektur und Landschaftsplanung, hat sich 2017 mit dem Thema befasst und einen innovativen Umgang mit der Bausubstanz empfohlen.

Der nicht unter Denkmalschutz stehende Hochbunker wurde 1940/41 erbaut und bis 1961 als Notunterkunft genutzt. Er liegt in einem Landschaftsschutzgebiet, das Planungsrecht weist das Grundstück als Grünfläche und Parkanlage aus. Das geplante Vorhaben ist mit geltendem Planungsrecht daher nicht realisierbar. Es wurde im Jahr 2011 daher eine Änderung des Planrechts durch einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan beantragt. Nach dem Bezirksbeirat gab auch der Ausschuss für Umwelt und Technik dem Verfahren grünes Licht.

Wegen der Lage angrenzend an Weinberge war es notwendig, ausreichenden Abstand zwischen den bewirtschafteten Rebflächen und der Wohnnutzung herzustellen, um Belästigungen der künftigen Bewohner zu vermeiden und den Wengertern die weitere Nutzung ihrer Flächen zu ermöglichen. Dies ist erfolgt. Entsprechende Rebflächen wurden erworben, so dass jetzt 20 Meter Abstand zwischen Hochbunker und bewirtschafteter Weinberge liegen. Auch das Wegerecht ist zwischenzeitlich geregelt. Ein Feldweg wird verlängert, der eine Zufahrt zu den Weinbergen sichert.

Grundstück und Umgebung erfahren durch die Umnutzung des Hochbunkers eine Aufwertung, heißt es in der Vorlage. „Ein noch längerer Leerstand würde sich langfristig negativ auf das Erscheinungsbild und den Zustand des Gebäudes und somit auch auf die Umgebung auswirken.“ Geplant sind fünf Wohnungen mit jeweils etwa 130 Quadratmetern und variablen Grundrissen. Dazu ist es notwendig, Öffnungen in die 1,10 Meter dicken Betonwände des Hochbunkers zu schneiden. Balkone sind an der Südseite Richtung Neckartal vorgesehen.

Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange haben gegen die Planung keine grundsätzlichen Bedenken vorgebracht. Die Hinweise und Anregungen konnten teilweise berücksichtigt werden. Der Gestaltungsbeirat hat darauf hingewiesen, dass der Hochbunker markant an der Hangkante des Zuckerbergs liegt. Als Element, das bewusst auf die Topografie und die benachbarte Siedlung Bezug nehme, bereichere er den Ort und das Landschaftsbild. Eine Herausforderung liege auch darin, eine neue Nutzung in ein geschichtlich vorbelastetes Gebäude einzufügen. Ziel müsse es sein, das Alte und das Geplante zu einem stimmigen architektonisch-konstruktiven Neuen zu entwickeln, das der Eigenart und Wirkung des Orts und des vorhandenen Gebäudes entspreche. Es werde ein innovativer Umgang mit der Bausubstanz erforderlich sein, stellte der Gestaltungsbeirat fest.

Die Anregungen des Gestaltungsbeirates wurden größtenteils aufgenommen und die Pläne entsprechend geändert. So wurde auf die Variante mit Flachdach verzichtet. Man einigte sich darauf, dass das Dach in seiner bestehenden Form angehoben werden kann, sodass ein zusätzliches Geschoss entsteht. Die neu entstehende Brüstung wird farb- und materialmäßig der Außenfassade des Hochbunkers angepasst. Eine Diplom-Biologin und zertifizierte Sachverständige für Schädlingsbekämpfung untersuchte den Hochbunker. Es gebe keinerlei Hinweise, die auf eine aktuelle Anwesenheit von Tieren jeglicher Art deuten könnte, so ihr Fazit. Weder besonders, noch streng geschützte Tierarten würden den Hochbunker „aktuell als Habitat nutzen“.

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