Sabrina Lenk (rechts) ist eine der Auszubildenden auf der Station M25a im Krankenhaus Bad Cannstatt des Klinikums Stuttgart Foto: Klinikum Stuttgart/Max Kovalenko

Auf der Ausbildungsstation im Krankenhaus Bad Cannstatt des Klinikums Stuttgart lernt der Pflegenachwuchs Verantwortung zu übernehmen.

Bad Cannstatt - Frau Wenzel, wie geht es Ihnen heute Morgen, haben Sie Schmerzen?“ fragt Josias Schilling. Der 21-Jährige ist angehender Krankenpfleger, die 69-Jährige wegen ihres operierten Armes seit zwei Wochen im Krankenhaus. Fieber, Puls, Blutdruck – Josias Schilling kontrolliert sorgfältig die Vitalzeichen. „Alles in Ordnung, Frau Wenzel.“ Das Besondere an der Situation: Der junge Mann ist Auszubildender der Gesundheits- und Krankenpflege im dritten Lehrjahr und steht kurz vor dem Abschluss. Zusammen mit seinen 17 Klassenkameradinnen übernimmt er für drei Wochen weitestgehend die Pflege auf der Station M25a der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Klinikums Stuttgart in Bad Cannstatt. Die Auszubildenden kümmern sich nicht nur um die Pflege der Patienten, sie sind auch für OP-Vor- und Nachbereitungen, Dokumentation, Personalplanung und die Besetzung der Nachtschicht zuständig. Die examinierten Mitarbeiter halten sich im Hintergrund, stehen den jungen Kollegen aber bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite.

Seit 2017 übernehmen Auszubildende der Akademie für Gesundheitsberufe immer wieder für mehrere Wochen Stationen im Klinikum Stuttgart. Der Praxisteil ist ein wichtiger Teil der dreijährigen Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Patrik Reize, Ärztlicher Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, ist begeistert von den Möglichkeiten, die die Ausbildungsstation bietet: „Pflege, Ärzte und Auszubildende können gemeinsam etwas machen. Der dadurch entstehende Teamspirit ist einzigartig.“ Selbstverständlich war für ihn deshalb, dass er bei der gemeinsamen Vorbereitung der Ausbildungsstation an der Akademie mit dabei war. „Unsere Vorträge über die Station, Hygienemaßnahmen oder die richtige Lagerung unserer Patienten sind von den Schülerinnen aufgesaugt worden und werden auch jetzt in der Praxis gut umgesetzt.“

Positive Rückmeldung

Schülerin Sabrina Lenk kümmert sich derweil um Johanna Husemann, die aufgrund einer bakteriellen Infektion am Fuß operiert werden musste. „Es ist toll, dass ich das anwenden kann, was ich gelernt habe und Verantwortung übernehmen kann. Es ist aber auch ein gutes Gefühl, die Examinierten zur Sicherheit im Hintergrund zu haben“, sagt die 20-Jährige, während sie den Verband am Fuß kontrolliert. Sie findet es super, dass trotz der Pandemie die Ausbildungsstation stattfinden kann. Und von den Patienten würden die Schülerinnen und Schüler nur positive Rückmeldung bekommen. Johanna Husemann war zuerst kritisch eingestellt, als sie hörte, dass für ihre Pflege Auszubildende zuständig sein würden. „Aber die Auszubildenden arbeiten sehr sorgfältig, ich werde einfach super versorgt“, sagt die 39-Jährige. Die Patientin bedauert es sehr, dass die Ausbildungsstation bald zu Ende ist: „Wegen Corona dürfen wir ja keine Besuch bekommen, die jungen Leute haben immer ein offenen Ohr für mich und meine Sorgen.“ Auch für Hildegard Wenzel ist es schwierig, dass sie keinen Besuch bekommen darf. Umso mehr freut sie sich, dass die Auszubildenden immer wieder Zeit für ein Gespräch mit ihr haben.

Während ihrer Zeit auf der Ausbildungsstation werden die Schüler nicht nur von den examinierten Pflegekräften der Station, sondern von Praxisanleitern und Pflegepädagogen unterstützt. „In der ersten Woche haben die Schüler noch viel gefragt, inzwischen führen sie die Station selbstständig. Sie helfen sich gegenseitig und versorgen die Patienten sehr gut“, sagt Praxisanleiterin Christina Welker. Pflegepädagoge Kurt Krienke weiß, dass die Schüler den Kompetenzzuwachs im Rahmen der Ausbildungsstation als sehr positiv erleben: „Sie wachsen jeden Tag an den Herausforderungen, die examinierten Pflegekräfte im Hintergrund geben ihnen Sicherheit.“ Auch diese sind zufrieden: „Die Zusammenarbeit mit den Auszubildenden ist sehr angenehm, Absprachen werden eingehalten.“

Ausbildungsstation ist lehrreich

Josias Schilling verteilt inzwischen gemeinsam mit den anderen Auszubildenden das Frühstück an die Patienten auf der M25a. Ein Freiwilliges Soziales Jahr im Rettungsdienst und ein Praktikum in der Pflege hätten ihm so gut gefallen, dass er sich für eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger entschlossen habe, erzählt er. Und dass die größte Herausforderung für ihn sei, immer wieder auf neuen Stationen anfangen zu müssen. Die ersten Tage auf der Ausbildungsstation seien sehr lehrreich gewesen sein. Am Anfang hätte er sich viele Gedanken gemacht, doch jetzt sei alles gut. „Die Patienten haben gemerkt, dass wir fähig sind, uns um sie zu kümmern, dass wir Zeit haben, mit ihnen zu reden“, sagt Josias Schilling. Das ist ihm wichtig, denn er will den Patienten nicht nur die beste Pflege zukommen lassen, sondern auch Zuwendung und Ansprache. „Das schönste Dankeschön für mich ist, wenn ich jemandem ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.“