Der Maikäfer: vielfach besungen, aber vom Menschen verdrängt. Foto: dpa/Boris Roessler - dpa/Boris Roessler

Der Maikäfer: Früher Spielpartner für Kinder und Inspiration vieler Lieder und Geschichten. Heute ist er in den Neckarvororten fast ausgestorben.

Bad CannstattEr gilt als Frühlingsbote, aber auch als Schädling, ist Namensgeber eines gleichnamigen Lieds von Reinhard Mey und spielt im fünften Streich von Max und Moritz die Hauptrolle: der Maikäfer. Für jüngere Generationen ist er jedoch nicht mehr allzu präsent, wie er es vor mehreren Jahrzehnten noch war und Kinder die Tiere sammelten. Nach großen Vernichtungsaktionen in den 1950er- bis 70er-Jahren sind seine Bestände stark verringert worden. Bis heute hat sich das Insekt nicht davon erholt.

Max und Moritz haben den Maikäfer für einen ihrer Streiche gegen Onkel Fritz geschickt zu nutzen gewusst. Dafür haben sie haufenweise Krabbeltiere eingesammelt und im Bett des unwissenden Mannes versteckt. Dieser legte sich natürlich müde und unwissend zum Schlafen hinein. Als er von den Krabbeltieren geweckt wurde, geriet er in völlige Rage, schüttelte die Maikäfer von der Bettdecke und zertrampelte sie auf dem Boden. „Guckste wohl! Jetzt ist‘s vorbei mit der Käferkrabbelei!“ Auch wenn die Bubengeschichte im 19. Jahrhundert entstanden ist, hat sie an Aktualität nichts eingebüßt. Denn im Stuttgarter Raum haben Landwirte das Insekt ähnlich behandelt, wie Onkel Fritz. Die Tiere wurden jedoch nicht totgetrampelt, sondern mit der Giftkeule bekämpft.

So wurde nach dem Zweiten Weltkrieg das Insektizid DDT zu ihrer Vernichtung eingesetzt. Dieses Mittel wurde in den 1970er-Jahren verboten, da damit nicht nur Maikäfer ausgerottet wurden, sondern auch andere Tiere in Mitleidenschaft gezogen wurden. Es wurde zum Beispiel beobachtet, wie das Gift die Schalen von Vogeleiern dünner und damit leichter zerstörbar gemacht hat. Etwa eine Million Käfer fielen dem Insektizid-Einsatz zum Opfer.

Dass sich die Population nicht mehr erholt, liegt vor allem an der landwirtschaftlichen Produktion, die sich in den vergangenen 35 Jahren in Europa und damit auch hier in Deutschland verdoppelt hat. „Maikäfer lieben eine Mischung aus laubholzreichen Bereichen und strukturreichen Wiesen und ähnlichen, nicht bewirtschafteten Stellen, wo sich die Larven im Boden entwickeln“, sagt Peter Bühle von der Stuttgarter Umweltberatung. Durch die zunehmende Bebauung, vor allem durch die sogenannte Intensiv-Landwirtschaft, verlieren die Insekten ihren Lebensraum. Auch hier im Raum Stuttgart gibt es keine größeren Bestände mehr. Sehr wohl jedoch in Raum Karlsruhe oder am Kaiserstuhl.

Bis ein Maikäfer flugfähig ist und sich aus der Erde traut, dauert es vier Jahre – bis dahin werden die Larven Engerlinge genannt. Ende Mai werden die Larven im Boden abgelegt. Sie entwickeln sich schnell und fressen vor allem Wurzeln. „Beim Feldmaikäfer ist Löwenzahn besonders beliebt, beim Waldmaikäfer wird die Stieleiche bevorzugt.“ Im Herbst, wenn es kühler wird, graben sie sich tiefer ins Erdreich ein und überwintern dort. Im letzten Jahr der Entwicklung verpuppen sich die Larven, bevor sie im darauffolgenden Mai schlüpfen. Der Maikäfer lebt dann vier bis sieben Wochen. „Die lange Entwicklungszeit der Engerlinge liegt vor allem an der wenig nährstoffreichen Nahrung und den kühlen Temperaturen unter der Erde“, so Bühle. Durch den Klimawandel kommt es heute aber auch vor, dass die Larve des Käfers bereits nach drei Jahren fertig entwickelt ist. Die kurze Lebenszeit der Tiere liegt bei den Männchen an den Strapazen des Geschlechtsaktes, der bis zu vier Stunden dauert und so anstrengend ist, dass sie kurz nach dem Akt sterben. Nach der Begattung legen die Weibchen in mehreren Schüben ihre Eier in lockerer Erde ab – bis zu 50 Stück pro Käfer. Das kostet so viel Energie, dass auch sie kurz danach sterben.

In diesem Jahr könnte man allerdings Glück haben und einige Tiere entdecken. Der Grund: Durch den Entwicklungszyklus der Engerlinge kommt es alle drei bis fünf Jahre zu einem Hauptflugjahr – das dieses Jahr anstehen könnte. Auch die Trockenheit im letzten Jahr könnte zu diesem Ereignis beitragen.

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