Mit Hilfe von Schnelltests wollen die Pflegeeinrichtungen „den Laden am Laufen halten“ Foto: dpa//Hauke-Christian Dittrich

Pflegeheime wie das Paul-Collmer-Haus sollen ihre Bewohner und das Personal regelmäßig auf Corona testen. Die Träger verteilen dafür jetzt flächendeckend Schnelltests. Für die Einrichtungen bedeutet das mehr Aufwand – aber auch mehr Sicherheit.

Untertürkheim - Beim Corona-Lockdown im Früh jahr waren Pflegeheime für Besucher geschlossen, selbst für enge Angehörige. Das soll in diesem Winter trotz steigender Infektionszahlen unbedingt vermieden werden. Die Träger setzen auf freiwillige Schnelltests für die Bewohner und das Personal, aber auch für Angehörige, die zu Besuch kommen. Das Ergebnis soll schon nach etwa 15 Minuten vorliegen. Für die Einrichtungen bedeutet das mehr Aufwand – aber auch mehr Sicherheit.

Schnelltests auf Covid 19 auch ohne Symptome: Möglich macht dies die SARS-CoV-2-Teststrategie des Bundes, die bereits seit dem 14. Oktober gültig ist. Doch damit sei „eine riesige Bürokratiewelle verbunden“ gewesen, berichtet Alexandra Heizereder, Sprecherin der Evangelischen Heimstiftung, zu der das Paul-Collmer-Haus in Luginsland gehört. „Zuerst sollte man auf die Teststrategie des Landes warten, dann Testkonzepte entwickeln, diese den Gesundheitsämtern vorlegen, dann den Bescheid abwarten und dann erst die Tests beschaffen. Besser wäre es gewesen, wenn Bund und Länder schon frühzeitig Tests beschafft und zur Verfügung gestellt hätten. So hat es wieder viel zu lang gedauert, bis wir genügend Tests bekommen haben“, beschreibt sie die Situation.

Sieben Euro pro Test werden erstattet

Mittlerweile läuft der großflächige Einsatz von Schnelltests an. Die Evangelische Heimstiftung habe diese für alle ihre Einrichtungen zentral bestellt, sodass sich nicht jede Hausdirektion darum kümmern müsse, erläutert Heizereder. „Letzte Woche sind zwei größere Lieferungen mit insgesamt 150 000 Tests eingegangen, am Montag Vormittag nochmals 50 000 Tests. Das reicht für unsere 145 Einrichtungen die nächsten drei bis vier Wochen.“

Sieben Euro je Test werden über den Rettungsschirm der Pflegeversicherung finanziert, die Evangelische Heimstiftung sei aber zunächst in Vorleistung gegangen. Vorsorglich habe man auch schon für die nächsten Wochen Schnelltests bestellt, „wir hoffen, dass die Lieferungen ankommen“. Ähnlich wie bei den Masken im Frühling kämen auch die meisten Tests aus China – was nicht unproblematisch sei: „Die Flüge verzögern sich, die Zollabfertigung ist überlastet, neulich wurde uns eine Lieferung vor der Nase weggekauft.“ Inzwischen aber habe man alle Einrichtungen mit Schnelltests versorgt, sagt Heizereder.

Tests einmal in der Woche

Birgit Jäger, die Leiterin des Paul-Collmer-Hauses, bestätigt das. „Wir sind sehr gut ausgestattet.“ Am Wochenende habe man damit begonnen, das Personal – alles in allem rund 100 Mitarbeiter – zu testen. Damit wolle man Ende dieser Woche durch sein. Bei den 84 Bewohnern des Pflegeheims und den 45 Menschen, die im Betreuten Wohnen leben, werde man mehr Zeit brauchen. Denn: „Wir benötigen dafür ein schriftliches Einverständnis von jedem Einzelnen.“

Zusätzlicher Aufwand fürs Personal

Die nationale Teststrategie sieht vor, dass pro Bewohner und Monat maximal 20 Tests bestellt werden können – für ihn selbst und für Bezugspersonen, die ihn umsorgen. Bei Kunden ambulanter Dienste – wie im Betreuten Wohnen des Paul-Collmer-Hauses – sind es maximal zehn Tests pro Kunde und Monat. Wie viele davon tatsächlich benötigt werden, lässt sich derzeit nicht einschätzen. Laut Jäger ist geplant, bis April nächsten Jahres vorrangig Mitarbeiter und Bewohner einmal wöchentlich zu testen. Aber auch Gäste könnten das auf Wunsch nun tun: Jeden zweiten Tag soll es nachmittags dazu die Möglichkeit im Haus geben. Jäger bittet die Besucher jedoch darum, Vernunft walten zu lassen: Auch weiterhin sollten überwiegend nur die Hauptkontaktpersonen der Heimbewohner Besuche machen. Denn die Situation ist eine Herausforderung für die Einrichtung: Das Pflegepersonal wird für die Versorgung der Bewohner gebraucht – das Durchführen der Schnelltests muss zusätzlich geleistet werden. Alle Mitarbeiter seien entsprechend geschult worden, berichtet Jäger. Die Pflegeheimleiterin versucht dennoch, befristet zusätzlich Fachkräfte zu bekommen, die diese Tests durchführen.

Lieferengpässe bei Nachbestellungen

Auch im Haus am Weinberg in Obertürkheim könnten nach Mitteilung von Sonja John, der Sprecherin des Trägers, dem Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg, demnächst Schnelltests zum Einsatz kommen. „Diese kommen in diesen Tagen in allen Einrichtungen an.“ Zum Wohlfahrtswerk gehören 14 Standorte mit über 1000 Pflegeplätzen, 17 Standorte für Betreutes Wohnen mit rund 770 Appartements, 9 Tagespflegeeinrichtungen mit rund 120 Plätzen und ambulante Pflegedienste mit über 1000 Nutzern im Land. Das Wohlfahrtswerk habe die Tests „frühzeitig bestellt und entsprechend vorrätig“: Insgesamt seien 20 000 PoC-Antigen-Schnelltests angeschafft worden.

„Bei der Nachbestellung ist aufgrund der weltweit großen Nachfrage jedoch mit Lieferengpässen zu rechnen“, räumt John ein. Deshalb setzte man Prioritäten: Die Schnelltests sollen vorwiegend bei Bewohnern und Mitarbeitern angewendet werden. „Wichtig ist, die Tests beim Auftreten von Symptomen bei Bewohnern und Mitarbeitern sofort nutzen zu können sowie beide Gruppen regelmäßig zu testen.“ Ob und wie Besucher der Einrichtung getestet werden, hänge von den Gegebenheiten ab – „insbesondere von den verfügbaren personellen Ressourcen“, betont John.

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