Studierende der Hochschule für Technik haben bereits die ersten Sensoren für die Lärmmessung gebaut. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth - Lichtgut/Achim Zweygarth

Das OK Lab will nicht nur Feinstaub, sondern auch Lärmbelastung messen. Der Sensorprototyp wird in der Hochschule für Technik getestet. Erste Daten sind schon im Internet einsehbar.

StuttgartDas OK Lab, eine Gruppe von technikbegeisterten Bastlern, hat vor einigen Jahren einen Bausatz für Feinstaubsensoren entwickelt, der weltweit Tausende Male nachgebaut wurde. Als Nächstes will das OK Lab Lärm messen. Die Gruppe hat den Bausatz für einen entsprechenden Sensor bereits entwickelt. Die Anleitung dafür steht auf der Internetseite des OK Lab. Allerdings handelt es sich um einen Prototypen - der zunächst ausgiebig getestet werden muss und noch weiterentwickelt wird. Zum Testen gehört bei solchen Fällen auch, dass man das Messgerät einfach ein paarmal baut – um zu testen, wie leicht das geht und ob Laien das ebenfalls hinbekommen können. Schließlich leben solche als „Citizen Science“ (Bürgerwissenschaft) bezeichneten Projekte in erster Linie davon, dass möglichst viele Bürger mitmachen.

Gesteckt, gelötet, gesägt

Die Versuchskaninchen sind in dem Fall Studentinnen und Studenten der Hochschule für Technik im Masterstudiengang Gebäudephysik. Ein starkes Dutzend von ihnen findet sich wenige Tage vor Weihachten im Souterrain in der Werkstatt ein. Es wird gesteckt, gelötet und gesägt. Bereit liegen die vorbereiteten Mikrofoneinheiten – einfache Handymikros, eingefasst in längliche Plastikröhrchen, aus denen Kabel herausschauen –, dazu Platinen mit zwei Prozessoren sowie die von der Heimsheimer Modellbaufirma Cirp maßangefertigten Plastikhüllen.

50 Lärmsensoren entstehen am Ende, die anschließend von den Studenten sowie von Aktiven aus dem OK-Lab-Umfeld in Betrieb genommen werden. Im nächsten Semester sollen die Daten ausgewertet und die Messqualität evaluiert werden. Andreas Drechsler von der Hochschule für Technik betreut das Projekt und betont den Wert dieses Vorhabens: Die Lärmbelastung werde nämlich so gut wie nirgends durchgängig gemessen, sondern ganz überwiegend errechnet. Darauf beruhen nicht zuletzt die Lärmkarten, wie sie auch die Stadt Stuttgart auf ihrer Internetseite zur Verfügung stellt. „Wird zusätzlich noch Lärm gemessen, dann meistens tagsüber und an Hauptverkehrsachsen“, so Drechsler. Das OK-Lab-Projekt könne helfen, Daten zur Lärmbelastung in der Nacht sowie an Nebenstraßen und in Wohngebieten zu gewinnen.

Hohe Messgenauigkeit

Die Hochschule hat die Messgenauigkeit der OK-Lab-Geräte bestimmt. Ewald Thoma, der das Projekt im OK Lab gemeinsam mit einer Handvoll Mitstreiter vorantreibt, berichtet stolz, dass die Mikrofone nur geringfügig ungenauer messen als Referenzgeräte. Die Materialkosten von rund 80 Euro liegen weit unter dem, was professionelle Geräte kosten. Preislich bewegt sich das OK Lab damit ungefähr in dem Bereich, den vergleichbare Projekte in Europa und den USA erreichen.

Hängen eines Tages viele günstige Geräte, könnte die Lärmbelastung gerade in bewohnten Gebieten neu bewertet werden. Regelungen gibt es nur für Neubauten, Messwerte fehlen in der Regel völlig. Dabei dürfte es viele Bürger interessieren, wie laut es nachts vor ihrem Schlafzimmer ist und wie oft vorbeifahrende Autos oder Züge zu kurzzeitigen Spitzenwerten führen. Das war nicht zuletzt die Motivation für Thoma, das Thema mit seinen OK-Lab-Kollegen anzugehen: Er lebt in Leonberg unweit der Bahngleise. Seine vier Lärmsensoren, die er dort seit einigen Monaten aufgebaut hat, „messen teils erstaunliche Lärm-Peaks“, sagt er. Wer mag, kann diese Daten schon jetzt im Internet abrufen.

Die Daten stehen unter Maps.luftdaten.info unter „Lautstärke“.

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