Guido Buchwald trägt immer noch gerne das VfB-Trikot. Präsident des Vereins wird er nicht. Foto: Baumann - Baumann

Der Vereinsbeirat des Fußball-Zweitligisten VfB Stuttgart hat die Bewerberzahl für das Präsidentenamt reduziert - und den Ehrenspielführer des Clubs, Guido Buchwald, aussortiert.

StuttgartBis zum 7. November möchte der Vereinsbeirat des VfB Stuttgart entschieden haben, welche beiden Kandidaten er in das Rennen um das Präsidentenamt schickt. Am Freitagabend reduzierte sich der Kreis der einst zehn Kandidaten. Mit vier Bewerbern geht das Gremium in die zweite Gesprächsrunde – was nicht überraschend ist. Und doch ein Paukenschlag.

Denn: Ein Name fehlt überraschenderweise auf der Shortlist des Vereinbeirats. Einer, den viele mindestens in der Endauswahl der zwei schlussendlichen Kandidaten gesehen haben: Guido Buchwald.

Der Weltmeister von 1990 und Ehrenspielführer des VfB konnte das Anforderungsprofil nach Ansicht des Vereinsbeirats jedoch nicht erfüllen und ist damit raus aus dem Spiel. Dabei hatte er in den vergangenen Wochen nichts unversucht gelassen, das formal höchste Amt beim Verein für Bewegungsspiele e. V. zu erlangen. „Um Fans und Mitglieder wieder zu vereinen und Gräben zuzuschütten“, wie er stets betonte. Diesen Plan kann er nun nicht mehr umsetzen. Am Freitagabend war Buchwald für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Stattdessen bildet nun ein in der Fußballbranche weithin unbekanntes Quartett das Halbfinal-Tableau um die VfB-Kandidatur: Martin Bizer, Christian Riethmüller, Susanne Schosser und Claus Vogt. Gewählt wird der neue Präsident oder die neue Präsidentin auf der Mitgliederversammlung des VfB am 15. Dezember. Er oder sie folgt auf den zurückgetretenen Wolfgang Dietrich.

Bizer tritt erstmals in Erscheinung

Bizer hatte seine Bewerbung nicht öffentlich gemacht und tritt nun erstmals in Erscheinung. Er war im Januar nach 15 Jahren als Schulleiter des Wirtemberg-Gymnasiums in Stuttgart-Untertürkheim in Ruhestand getreten. Als „Visionär mit Ecken und Kanten“ war er von Kultusministerin Susanne Eisenmann verabschiedet worden. Im sportlichen Bereich lenkt er als Erster Vorsitzender des TC Korb die Geschicke eines Tennisclubs, früher war Bizer Vizepräsident des Schwäbischen Turnerbundes. Ebenfalls nicht öffentlich war die Bewerbung von Susanne Schosser. Die einzige Frau im Bewerberfeld war einst beim TV-Sender RTL tätig und ist gebürtige Stuttgarterin.

Christian Riethmüller und Claus Vogt hatten ihren Hut hingegen schon vor geraumer Zeit in den Ring geworfen und dies zumindest im Falle von Vogt auch medial begründet. Der 50-Jährige ist Gründer des FC Playfair – und als solcher ein Kritiker des Turbokapitalismus im Profifußball. „Ich glaube, etwas mehr Fairness und Fan-Mitbestimmung kann dem Fußball und dem VfB nur guttun“, sagt Vogt. Riethmüller (44) ist Geschäftsführer der Tübinger Buchhandlung Osiander und möchte über seine Bewerbung erst dann reden, wenn er tatsächlich auch für das Finale nominiert wird.

Die Veröffentlichung der Shortlist mit den vier übrig gebliebenen Kandidaten am Freitagabend kam überraschend. Aus den ersten Gesprächen hätte sich ergeben, „dass sich einige Vorstellungen von Bewerbern nicht realisieren lassen“, heißt es in der Mitteilung des Vereinsbeirats. „Aus diesem Grund haben wir beschlossen, den Bewerberkreis zu reduzieren.“ Allgemein werden unterschiedliche personelle oder finanzielle Vorstellungen seitens der Bewerber und dem VfB als Grund angeführt. Darüber hinaus konnten einige Kandidaten „das Anforderungsprofil nicht ausreichend erfüllen“, wie es weiter heißt.

Der Zeitpunkt der Mitteilung dürfte in Zusammenhang mit dem freiwilligen Rückzug von Matthias Klopfer stehen. Der Oberbürgermeister von Schorndorf hatte seine Kandidatur am Freitagmittag aufgegeben und begründete dies mit der vorweggenommenen Besetzung des neuen Vorstandsvorsitzendenden der VfB AG, Thomas Hitzlsperger. „Da wurde der neue Vorstandsvorsitzende gekürt, bevor der Präsident gewählt ist. Aus meiner Sicht die falsche Reihenfolge“, kritisierte der SPD-Politiker. Diese Vorgehensweise des Aufsichtsrats der VfB AG sieht er als eine „klare Kampfansage“ und „Machtdemonstration“. Der „Tenor“ für den 51-Jährigen: „Wir bestimmen – und dazu benötigen wir keinen Präsidenten.“ Bernd Gaiser, der Aufsichtsratsvorsitzende der VfB AG, widersprach dieser Kritik. Wenig später verspürte auch der Stuttgarter CDU-Stadtrat Markus Reiners keine Lust mehr. Gründe wollte er nicht nennen.

Der Weg zum neuen VfB-Präsidenten

Der Ausgangspunkt: Am 14. Juli fand die jüngste Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart statt. Auf dem Programm stand die Abstimmung über die Abwahl des damaligen Präsidenten Wolfgang Dietrich. Dazu kam es nicht. Die Versammlung musste wegen technischer Probleme abgebrochen werden.

Der Rücktritt: Am Tag danach trat Wolfgang Dietrich von seinem Amt zurück.

Die Frist: Bis Mitte September hatten potenzielle Bewerber um Dietrichs Nachfolge Zeit, Unterlagen einzureichen. Entscheidendes Gremium für die Benennung von zwei Kandidaten ist der aktuell achtköpfige Vereinsbeirat des VfB. Zunächst erfüllten zehn Kandidaten die formalen Voraussetzungen.

Der Termin: Der Vereinsbeirat kündigte an, am 7. November die zwei Kandidaten für die Wahl zu benennen. Anschließend gab es mit acht Bewerbern intensive Gespräche.

Die Eingrenzung: Am Freitagabend veröffentlichte der Vereinsbeirat eine Shortlist mit nur noch vier potenziellen Kandidaten. Mit ihnen werden nun erneut Gespräche geführt. Am Ende gibt es zwei Kandidaten, die zur Wahl stehen.

Die Wahl: Gewählt wird am 15. Dezember auf der Mitgliederversammlung. Der Präsident/Die Präsidentin ist zunächst etwa ein Jahr im Amt. Auf der ordentlichen Mitgliederversammlung 2020 wird dann erneut gewählt.

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