Diverse Ladenflächen im Milaneo wechseln derzeit die Mieter. Herrenmodespezialist Digel zieht sich komplett aus der Mall zurück. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth - Lichtgut/Achim Zweygarth

Fünf Jahre nach dem Start des Einkaufszentrums sind die ersten Verträge ausgelaufen und einiges wird sich ändern.

StuttgartDas riesige Plakat im Schaufenster ist nicht zu übersehen. „Wir schließen unseren Store“, teilt der Herrenausstatter Digel darauf mit und wirbt mit kräftigen Rabatten. Im Geschäft ist zu hören, das überwiegend junge Publikum im Einkaufscenter, das als größte Shoppingmall im Südwesten gilt, passe nicht so recht zum eigenen Angebot. Die Filiale sei nicht recht gelaufen.

Der Wechsel ist beileibe nicht der einzige. Wer mit offenen Augen durch das Milaneo geht, entdeckt derzeit auffällig viele Lücken. Inklusive Digel zählt man knapp 20 Leerstände unter den gut 200 Läden. Der auffälligste befindet sich an der Heilbronner Straße: Dort ist der große Sportartikelanbieter Voswinkel, der zum Intersport-Verbund gehört, ausgezogen. Auch der Schuhhändler Ecco, die Kosmetikkette Kiko und andere sind verschwunden.

Bei Voswinkel ist die Lage eine besondere. Die defizitäre Handelskette schließt in ganz Deutschland Filialen – auch die im Einkaufszentrum Gerber gehört dazu. Etwa 20 der bisher 72 Geschäfte sind betroffen. Allerdings hat das Unternehmen verkündet, nur Filialen dichtzumachen, die nicht rentabel sind – offenbar gehören die Geschäfte in den beiden Stuttgarter Einkaufszentren auch dazu.

Läuft es im Milaneo nicht mehr so richtig rund? Wer sich unter den Händlern umhört, bekommt unterschiedliche Antworten. Viele sind zufrieden, aber gerade höherpreisige Geschäfte brechen nicht gerade in Jubel aus. „Wir haben stärkere Standorte“, heißt es bei einem. Ein anderer sagt, man sei „nicht euphorisch, aber zufrieden“. Es sei schon ein recht junges Publikum im Haus, aber auch genug ältere Kunden.

Ein Grund für die derzeitigen Wechsel sind die Mietverträge. Das Milaneo ist nach heftigen Diskussionen über den Sinn eines solchen Centers und die Auswirkungen auf die Innenstadt vor fünf Jahren eröffnet worden. Die meisten Mieter haben damals die in der Branche üblichen Zehn-Jahres-Verträge unterschrieben, einige aber auch nur für fünf Jahre. Gerade bei ihnen ist jetzt Bewegung entstanden. „Manche Mieter haben verlängert, andere nicht“, sagt Centermanagerin Andrea Poul. Einigen habe man auch selbst keine Verlängerung mehr angeboten, „weil sie aus unterschiedlichen Gründen nicht zu uns gepasst haben“. Poul spricht von derzeit lediglich zehn Leerständen.

Was die ehemalige Intersport-Fläche betrifft, deren Schaufenster derzeit Flamingos zieren, gibt es momentan Verhandlungen. „Wir sind im Gespräch mit zwei großen Häusern“, zeigt sich die Centermanagerin zuversichtlich. Sie hofft, dass der Vertrag noch Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres unterschrieben wird. Die Eröffnung dürfte dann aber bis Frühjahr oder Sommer 2020 auf sich warten lassen, denn je nach Konzept könnten größere Umbaumaßnahmen notwendig werden. Eventuell werden dafür sogar Umverlagerungen von anderen Geschäften innerhalb des Centers notwendig.

Auch was andere Leerstände betrifft, kündigt Andrea Poul Fortschritte an: „Eine ganze Reihe davon werden noch in diesem Jahr gelöst.“ Das betrifft auch die Gastronomiesparte, wo es im Dezember einen neuen Burgerladen geben wird. Weitere neue Geschäfte sollen im ersten Quartal 2020 folgen, zum Teil laufen noch die Bauanträge. „Die meisten Mieterwechsel verbessern die Qualität im Haus. Das ist auch bisher so gewesen“, bekräftigt Poul.

Die bisherige Strategie sei aufgegangen, sagt sie. Es seien viele junge Menschen im Milaneo, man setze insgesamt aber auf ein Publikum zwischen 19 und 49. „Die Kunden geben Geld aus“, sagt sie. Sowohl die Umsätze als auch die Besucherzahlen lägen leicht im Plus. „Im Durchschnitt kommen etwa 30.000 Menschen pro Tag. Diese Zahl halten wir seit der Eröffnung.“ Und das trotz der zweiten Stuttgarter Primark-Filiale an der Königstraße. Branchenkreisen zufolge läuft sie bisher nicht so gut wie die im Milaneo, die dort vor allem ein junges Publikum anzieht.

Nicht wirklich verbessert haben sich dagegen die Parkprobleme. Das Parkhaus des Einkaufszentrums ist beim Bau auf Wunsch des Gemeinderats kleiner ausgefallen als zunächst vom Betreiber gewünscht. Das führt an besucherstarken Tagen zum Chaos in den umliegenden Wohngebieten. „Darüber sind wir nach wie vor nicht glücklich“, sagt Poul. Unter der Woche gebe es genug Platz, freitags, samstags, in den Ferien und demnächst vor Weihnachten sei das aber anders.

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