Schon seit gut zehn Jahren fordert die Cannstatter Kommunalpolitk, dass der Seelbergdurchlass erneuert wird. Foto: Uli Nagel - Uli Nagel

Im Neckarpark entsteht ein neuer Stadtteil. Die fußläufige Anbindung ist noch unausgegoren. Der Seelbergdurchlass ist ein Sorgenkind: unattraktiv, schmuddelig, dunkel – ein Tunnel zum Fürchten.

Bad CannstattDie Umnutzung des ehemaligen Güterbahnhof-Areals macht weiter Fortschritte. Nachdem der Gemeinderat vor wenigen Wochen den letzten von vier insgesamt benötigten Bebauungsplänen auf den Weg gebracht hatte, stehen bei den Verantwortlichen der Volksbank Stuttgart die kommenden Monate ganz im Zeichen von Umzug. Ende Juli wird hier ihr neues, modernes Dienstleistungszentrum samt Hauptverwaltung eingeweiht. Die ersten von insgesamt 350 Mitarbeitern sollen dann nach den Sommerferien einziehen. Und damit die überhaupt arbeiten können, muss die Stadt Stuttgart in Sachen Energieversorgung eine Interimslösung austüfteln. Der Grund: Die künftige Energiezentrale für den Wohn- und Gewerbepark ist im neuen Quartiersparkhaus geplant. Doch das wird erst 2020 fertig. Viele Themen in diesem extrem komplexen Baugebiet haben die Stadtplanern schon lösen können, doch eine „Baustelle“ bekommen sie nicht so recht in den Griff. Denn die fußläufige Anbindung des neuen Stadtteils über den Seelbergdurchlass ruft immer wieder die Kritik der Kommunalpolitik auf den Plan. Die Unterführung, die in zwei Etappen bis hin zur Deckerstraße/Höhe Marienbader Straße führt, wirkt wenig einladend. Finster und durch mehrere Richtungswechsel ist sie unübersichtlich und verströmt durch die offen liegenden Rohre und der niederen Decken eher den Charme eines Maschinenraums. Eltern ist besonders in den dunklen Wintermonaten nicht wohl bei dem Gedanken an ihre Kinder, die sich vom Veielbrunnen aus auf den Weg zur Martin-Luther-Schule machen müssen. Doch auch für Erwachsene ist es zu mancher Tages- und vor allem in der Nachtzeit ein langer Weg zum Fürchten.

Machbarkeitsstudie in Auftrag

Pesch & Partner, Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs für das Güterbahnhof-Areal, schlugen deshalb vor zwölf Jahren schon vor, auf Höhe der Wendefläche einen neuen Durchgang durch den Bahndamm zu bauen. Auch die Gemeinderatsfraktionen der SPD und der Grünen forderten 2008 die Verwaltung zum Handeln auf. Doch eine erste Machbarkeitsstudie zeigte damals schnell: Ein neuer Tunnel ist nicht nur bautechnisch schwierig, sondern auch teuer. Wie teuer, das wurde dem Bezirksbeirat 2009 durch einige Studentenentwürfe aufgezeigt. Denn zwei Varianten befassten sich ebenfalls mit einer neuen, gut 110 Meter langen Röhre. Allein die Vortriebskosten würden mit gut fünf Millionen Euro zu Buche schlagen. Alles in allem haben die Studenten für einen Tunnelneubau elf Millionen Euro berechnet.

Der damalige Stadtplaner Heinz Sonntag ging sogar noch einen Schritt weiter und sprach von mindestens 20 Millionen Euro. Denn allein eine barrierefreie Anbindung an der Deckerstraße, heute gibt es dort eine Treppe und eine etwa 40 Meter lange, steile Rampe, könne mit dem Bau eines Aufzuges schnell einen zweistelligen Millionenbetrag ausmachen. Doch von einem Aufzug rät die Stadtverwaltung mittlerweile ab, es fehle die „soziale Kontrolle“ an dem abgelegenen Ort und es bestehe die Gefahr, dass der Aufzug öfters defekt als funktionstüchtig wäre.

Auch im Juli 2017 wurde wieder einmal über den Seelbergdurchlass im Bezirksbeirat diskutiert. Vorwurf gab’s vor allem von Seiten der Grünen. „Für die Integration in die benachbarten Stadtteile und die Versorgung des neuen Quartiers sowie für die Entscheidung, ob jemand in dieses Quartier ziehen will, ist eine sichere Unterführung von großer Bedeutung“, hieß es in ihrem Antrag. Dabei wird die Verwaltung aufgefordert, unverzüglich mit den Planungen für einen neuen Seelbergdurchlass zu beginnen. Ein erster Vorschlag, den alten zu verschönern, heller und vom Gefühl her sicherer zu machen, wurde vom Bürgergremium jedoch abgelehnt. „Wir wissen um die Problematik“, sagt Angela Weiskopf vom Stadtplanungsamt. „Die Stadt hat deshalb eine weitere Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.“ Das größte Problem sei sicher die Tatsache, dass bei diesem Projekt die Bahn als Besitzer der Gleisflächen mit ins Boot geholt werden muss. Welche Richtung eingeschlagen werden kann, müsse jedoch durch die Machbarkeitsstudie aufgezeigt werden. Doch eines steht – zumindest für Bewohner des Veielbrunnens – heute schon fest: „Lieber fünf Jahre warten für die große Nummer und die richtige Lösung, als jetzt herumzubasteln ohne etwas zu elementar verbessern“, so ein Anwohner bei einer Infoveranstaltung im Jahr 2016 zum neuen Quartiersplatz zwischen Altem Zollamt und Stadtarchiv. Die Arbeiten in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem gefürchteten Durchlass haben vor wenigen Wochen begonnen.

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