Pnishi bereitet das Restaurant gerade auf die Neueröffnung vor. Foto: Werner Kuhnle

Ylber Pnishi will dem Restaurant in Marbach am Neckar nach längerem Leerstand neues Leben einhauchen. In einem anderen Traditionslokal ist die Küche weiter kalt.

Die Marbacher Fußgängerzone ist in den vergangenen Jahren für viel Geld herausgeputzt worden. Jetzt erstrahlt die gute Stube der Stadt wieder im frischem Glanz. Ein Wermutstropfen ist dabei allerdings, dass mit dem Schillerhof ausgerechnet eines der Traditionsrestaurants am Platz verwaist ist, Besucher dort also bei einem Bummel durch die verschönerte Marktstraße nicht einkehren können. Das wird sich aber bald ändern. Mit Ylber Pnishi steht nun ein neuer Pächter in den Startlöchern.

„Entweder Anfang oder Mitte Oktober möchte ich eröffnen“, sagt der 41-Jährige. Dies und das müsse er bis dahin noch erledigen, zum Beispiel einen neuen Ofen und einen Grill anschaffen. Dann könne es aber losgehen. Die Inneneinrichtung will der gebürtige Kosovare übernehmen. „Wir haben alles sauber gemacht. Das sieht gut aus“, erklärt der Familienvater, der bereits auf rund 20 Jahre Erfahrung in der Gastronomiebranche zurückblicken kann.

Selbstständig ist er seit 2015. In dem Jahr brachte er den Balkan Grill Pnishi in Winnenden an den Start. Die Gaststätte schmeißt er mit seinen drei Brüdern. Etwas anders wird die Konstellation in Marbach sein. Im Schillerhof wird der gelernte Bäcker mit seiner Frau den Takt vorgeben. Die älteren der vier Kinder sollen dem Paar am Wochenende unter die Arme greifen. Und der Name des Restaurants wird sich ebenfalls vom zweiten Standbein in Winnenden unterscheiden, wenn auch nur minimal: Mit dem Namen „Pnishi: Balkan Grill“ will die Familie ihre Gäste in Marbach empfangen.

Klassiker vom Balkan und süße Versuchungen

Der Name verrät schon, welche kulinarische Klaviatur gespielt werden soll. „Der Fokus wird auf Essen vom Balkan liegen“, sagt Ylber Pnishi. Auf der Speisekarte werden Klassiker wie Cevapcici stehen, zudem süße Leckereien wie die frittierte Teigware Tullumba. Stärken kann man sich zudem mit Bohneneintopf und Pace, einer Hühnersuppe. Balkanburger haben die Pnishis ebenfalls im Repertoire. Die Gerichte sollen in sättigenden Portionen zu kleinen Preisen serviert werden. Wichtig sei aber vor allem die Qualität der Produkte, betont Pnishi. Mit diesem Rezept sei man schon in Winnenden erfolgreich. „Das ist das, was die Kunden wollen“, sagt Ylber Pnishi. All das unter einen Hut zu bringen, funktioniere aber nur, weil die Familie mithelfe. Ansonsten würde die Kalkulation nicht aufgehen.

Das Restaurant soll sechs Tage die Woche geöffnet sein – jeweils von 11 bis 15 Uhr, dann wieder von 17 bis 22 Uhr. Wann ein Ruhetag eingelegt wird, möchte Pnishi vom Zuspruch der Gäste abhängig machen. Klar sei aber schon jetzt, dass man das Lokal auch für Feierlichkeiten wie Taufen buchen kann. „Ich freue mich schon auf die Eröffnung“, sagt er. Etwas stutzig macht ihn im Hinblick auf potenzielle Kundschaft nur, dass in der Fußgängerzone aktuell nicht gerade der Bär steppt. „Vielleicht haben noch nicht alle mitbekommen, wie schön die Fußgängerzone geworden ist. Ich hoffe jedenfalls, die Marbacher nehmen das neue Angebot gut an“, sagt er.

Der Goldene Löwe ist aktuell verwaist. Foto: Archiv (Avanti)

Zugutekommen könnte Pnishi dabei vielleicht, dass die Konkurrenz momentan überschaubar ist, das eine oder andere Lokal in Marbach verwaist ist – wie auch der Goldene Löwe in der Niklastorstraße, der mal als beste kulinarische Adresse der Stadt galt. Die Küche ist hier schon länger kalt, zum Leidwesen auch der Kommune. Man habe „großes Interesse daran, dass dieses Traditionsgasthaus wieder mit Leben gefüllt wird, wir würden dem Eigentümer über das Citymanagement unterstützend zur Seite stehen“, sagt der Marbacher Bürgermeister Jan Trost. Man habe den Besitzer der Immobilie angeschrieben, aber keine Reaktion erhalten.