Kramp-Karrenbauer: Den Freiwilligen soll„kompakt und intensiv das militärische Rüstzeug“ vermittelt werden. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer ruft unter dem Motto „Dein Jahr für Deutschland“ einen neuen Freiwilligendienst bei der Bundeswehr ins Leben. Der SPD-Verteidigungspolitiker Thomas Hitschler befürchtet „Polit-Marketing im Sommerloch“.

Berlin - Wir sind selbst sehr gespannt“, räumt Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) ein, als sie den neuen Freiwilligendienst der Bundeswehr vorstellt. Bis zu 1000 Männer und Frauen sollen ab April die Möglichkeit bekommen, sich nach einer Schnellausbildung als Reservisten für den Heimatschutz einzusetzen.

Junge Menschen mit „Affinität zur Bundeswehr“ gesucht

Das Angebot steht allen einsatzfähigen Interessierten bis zum Alter von 65 Jahren offen, zielt aber der Ministerin zufolge vor allem auf junge Menschen mit „Affinität zur Bundeswehr“, die etwa nach der Schule bis zum Beginn einer Ausbildung einige Monate zu überbrücken haben. Der neue Dienst sieht eine dreimonatige Grundausbildung nahe des Wohnortes vor, es folgten vier Monate Spezialausbildung zum Sicherungs- und Schutzsoldaten in Berlin, im niedersächsischen Delmenhorst oder im bayerischen Wildflecken. In dieser Zeit werde „kompakt und intensiv das militärische Rüstzeug vermittelt“, sagt die Ministerin. In den folgenden sechs Jahren sind fünf weitere Monate Dienst in der Reserve nahe der Heimat vorgesehen. So kommen insgesamt zwölf Monate zusammen, weswegen Kramp-Karrenbauer das neue Angebot unter das Motto „Dein Jahr für Deutschland“ stellt.

Anders als bei dem bereits bestehenden Freiwilligendienst, der sieben bis 23 Monate dauert, werden die Teilnehmer des neuen Dienstes nicht im Ausland eingesetzt. Die Ministerin betont zudem die regionale Verbundenheit: Nicht nur sollen Grundausbildung und der Reservedienst nahe des Wohnortes stattfinden, zentrale Aufgabe sei zudem der Heimatschutz. Als mögliche Einsätze nennt sie Schnee- und Hochwasserkatastrophen, Hilfsdienste in Situationen wie der Corona-Pandemie und den Schutz kritischer Infrastruktur, wenn die Bundeswehr im Ernstfall zur Landes- und Bündnisverteidigung eingesetzt wird.

SPD-Politiker befürchtet „Polit-Marketing im Sommerloch“

Der SPD-Verteidigungspolitiker Thomas Hitschler begrüßt, dass die Ministerin mehr junge Menschen „aus der Mitte unserer Gesellschaft“ an die Truppe heranführen wolle. Die „Dein Jahr für Deutschland“-Idee müsse aber noch zeigen, „dass sie mehr ist als Polit-Marketing im Sommerloch“, sagte Hitschler unserer Zeitung. „Das Innovationspotenzial gegenüber bereits bestehenden Angeboten erschließt sich noch nicht ganz.“ Hitschler fordert, das Konzept nach den ersten Durchgängen zu überprüfen: „Aufwand und Nutzen müssen sich für die Truppe lohnen.“

Auch die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat Bedenken. „Für die Bundeswehr macht diese mal so eben in den Raum geworfene Initiative überhaupt keinen Sinn, denn sie hat im Moment gar nicht die Kapazität, diese Leute unterzubringen und auszubilden“, sagte sie unserer Zeitung. „Die Bundeswehr benötigt dringend Spezialisten und keine Auszubildenden.“

Ministerin befürwortet allgemeine Dienstpflicht

Strack-Zimmermann kritisiert zudem, der Vorstoß instrumentalisiere die Bundeswehr für CDU-Parteipolitik. Kramp-Karrenbauer fordert als CDU-Vorsitzende eine allgemeine Dienstpflicht, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Die Debatte darüber sei noch nicht abgeschlossen, sagt Kramp-Karrenbauer nun. Aber das hindere die Bundeswehr nicht daran, schon einmal ein freiwilliges Angebot zu machen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: