Im Labor werden die Blutproben von Covid-19-Patienten analysiert. So sollen neue Erkenntnisse dazu gewonnen werden, wann und wie lange Antikörper vorhanden sind – und Immunität besteht. Foto: dpa/Sven Hoppe

Wer mit dem Coronavirus infiziert war, gilt danach erst einmal als immun. Doch dabei gibt es noch viele offene Fragen – etwa, wie lange genau diese Immunität anhält. In Stuttgart wird dies nun mithilfe von Antikörpertests untersucht.

Stuttgart - In Stuttgart ist eine Studie auf Antikörper gegen das neuartige Coronavirus gestartet. Das hat das Landesgesundheitsamt (LGA) Baden-Württemberg mitgeteilt. Demnach werden dort seit Anfang Mai in Kooperation mit dem Klinikum Stuttgart und dem Robert-Bosch-Krankenhaus Patienten untersucht, die mit der durch das neuartige Virus ausgelösten Covid-19-Erkrankung in der Klinik behandelt werden oder wurden. „Mit der Studie im LGA-Labor wollen wir einen Anteil dazu leisten, um Erkenntnisse zum Auftreten und der Persistenz von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 nachvollziehen zu können – und dies bei schwer erkrankten Menschen“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha dazu.

Die untersuchten Proben stammen von erkrankten beziehungsweise schwer erkrankten Personen. Diese sollen über die Dauer von insgesamt einem Jahr hinweg in regelmäßigen Abständen auf Antikörper hin untersucht werden. 17 Proben wurden bereits getestet. „Ziel dieser Anfang Mai begonnenen Studie, die am LGA zunächst mit einer kleinen Probenanzahl in Kooperation mit Krankenhäusern startet, ist es, Erkenntnisse über den Zeitpunkt des Auftretens von Antikörpern nach einer SARS-CoV-2-Infektion zu liefern“, sagte der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer. Das Landesgesundheitsamt ist im Regierungspräsidium Stuttgart angesiedelt. Zunächst sollen rund 50 Patienten an der LGA-Antikörperstudie teilnehmen, insgesamt strebe man aber eine höhere Patientenanzahl an, so eine Sprecherin des Regierungspräsidiums – je nach Zahl der Proben aus den Krankenhäusern.

Neue Erkenntnisse über die Immunantwort

Mit Antikörpertests kann keine akute Infektion mit dem neuartigen Coronavirus festgestellt werden. Denn die Antikörper, die der Körper zur Abwehr der Krankheitserreger bildet, sind erst sieben Tage nach Auftreten von Symptomen im Blut der Patienten nachweisbar, manchmal sogar noch später. Mit der neuen Antikörperstudie wolle man nun mehr herausfinden über den Zeitpunkt des Auftretens der Antikörper nach einer Infektion – und darüber, wie lange diese Antikörper dann tatsächlich auch im Blut bleiben, sagte Karlin Stark, Leiterin des Landesgesundheitsamts. „Tests auf Antikörper sind vor allem wichtig, um mehr Erkenntnisse über die Immunantwort auf SARS-CoV-2 zu sammeln“, so Karlin Stark. Bislang ist noch unklar, wie lange Menschen nach überstandener Ansteckung gegen das Coronavirus immun sind.

Um eine noch akute Infektion mit dem Coronavirus zu erkennen, werden Abstriche aus der Nase oder dem Rachen mit der PCR-Methode – der Polymerase-Kettenreaktion – auf Viruserbgut hin untersucht.

Für den Nachweis auf Antikörper dagegen wird im Labor ein sogenannter Elisa-Test an Blutproben durchgeführt. Dabei reagieren Antikörper – so sie im entnommenen Blut vorhanden sind – in einem Reaktionsgefäß auf darin enthaltene Virusproteine. Solche Antikörpertests werden inzwischen auch kommerziell angeboten, mitunter zahlen Privatpersonen dann selbst für eine solche Analyse ihres Blutes. Die Zuverlässigkeit der Tests ist je nach Anbieter unterschiedlich. So können einige Ergebnisse mitunter falsch-positiv sein, also auf vorübergehende Immunität hinweisen, wo eigentlich gar keine ist. Auch Kreuzreaktionen mit anderen Coronaviren können möglich sein.

In Stuttgart wird derzeit zudem eine repräsentative Antikörperstudie mit mindestens 1000 zufällig ausgewählten Personen durchgeführt. Dabei sollen Daten zur Durchseuchung der Bevölkerung mit dem neuartigen Coronavirus gewonnen werden.

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