Freude über die neuen Stellplätze wie am Bahnhof Obertürkheim: Adrian C. Trifan (Flinkster), Martina Krautter (Autohaus Krautter), Wolfgang Forderer (Leiter der Abteilung Mobilität), Bau- und Umweltbürgermeister Peter Pätzold, Nicola Leyva (Referat Mobilität) und Ulrich Stähle (Stadtmobil) von links. Foto: Alexander Müller - Alexander Müller

Carsharing gilt als eines der besten Mittel gegen den drohenden Verkehrsinfarkt. In einem Pilotprojekt stellt Stuttgart daher privaten Anbietern 22 neue Stellplätze für Carsharing im öffentlichen Raum zur Verfügung – alleine acht in Unter- und Obertürkheim, Hedelfingen und Wangen.

ObertürkheimCarsharing-Angebote leisten einen wichtigen Beitrag zum Ziel einer lebenswerten Stadt mit weniger motorisiertem Individualverkehr und besserer Luft“, betonte Umweltbürgermeister Peter Pätzold. Als eine der ersten Städte bundesweit hat Stuttgart daher im Rahmen eines Pilotprojekts öffentliche Parkplätze als Carsharing-Stellplätze ausgewiesen. Die erste Phase des Pilotprojekts erfolgte bereits 2018 mit zehn Stellplätzen am Cityring in der Innenstadt. Gestern wurde am Bahnhof Obertürkheim nunmehr die zweite Phase offiziell eröffnet, „wir dehnen uns auch in die Außenbezirke aus“, freute sich Pätzold.

22 Stellplätze wurden an die privaten Anbieter, das Autohaus Krautter, Stadtmobil und Flinkster übergeben. Das Besondere: Die Stellplätze in den sieben Stadtbezirken (siehe Kasten) befinden sich allesamt an wichtigen Verkehrsknotenpunkten – alleine acht davon in den Oberen Neckarvororten. Die Stadt stelle den öffentlichen Parkraum gerne zur Verfügung, damit das Angebot noch besser wahrgenommen und genutzt wird, betonte Pätzold. Er ist davon überzeugt, dass „in Zukunft noch mehr Bürger als neue Form der Mobilität auf Carsharing umsteigen werden.“ Er selbst besitze auch kein Auto mehr und nutze bereits die Carsharing-Konzepte der Stadt. Die Vorteile liegen für den Grünen-Politiker auf der Hand. Gedanken um das Tanken spielten keine Rolle mehr (die kostenlose Tankkarte liegt im Handschuhfach), man müsse sich nicht mehr um die Wartung kümmern und vor allem habe man zu jeder Zeit einen freien Stellplatz.

Voraussetzung für das neue stationsbasierende System ist das „Gesetz zur Bevorrechtigung des Carsharing“ das im September 2017 in Kraft trat. Dies ermöglicht Städten nun öffentlichen Parkraum umzuwidmen. Den Zuschlag erhielten für die 22 neuen Stellplätze letztlich das Autohaus Krautter, Stadtmobil und Flinkster. Vor allem das besondere Engagement des Untertürkheimer Autohauses Krautter, sich im Konzept der bundesweiten Anbieter zu etablieren, hob Pätzold hervor: „Ein innovativer Ansatz und auch zukunftsweisend für die Stadt“.

Das Autohaus Krautter und das Stadtmobil teilen sich die acht Standorte in den Oberen Neckarvororten auf. Die weiteren Stellplätze betreiben das Stadtmobil und die bahneigene Flinkster. „Es ist für uns ein weiterer Schritt vom Autohaus hin zum modernen Mobilitätszentrum“, sagt Martina Krautter. Einfach mit dem Chip das Auto leihen, der Schlüssel liegt griffbereit im Handschuhfach. Vom Erfolg ist sie ebenso überzeugt wie auch Ulrich Stähle. Als Konkurrenz zum etablierten Free-Flow-Konzept Car2go – bei dem das Auto überall abgestellt werden kann – sehen sich beide nicht. „Wir sprechen eine ganz andere Zielgruppe an“, erklärt der Stadtmobil-Vorstand. Anstatt der reinen Kurzstrecken als „Selbstfahrer-Taxi“ gehe es darum, bewusst aufs Auto zu verzichten und auf Carsharing zurückzugreifen. „Wer auf dem Weg zur Arbeit kein Auto benötigt, kann sich zum Einkaufen oder auch zur Fahrt zu Verwandten aufs Land kurz das passende Modell ausleihen“, sagt Stähle. Und die Möglichkeiten begrenzen sich nicht nur auf die Oberen Neckarvororte. So bietet das Stadtmobil seinen rund 12 000 Kunden in der Region 550 Fahrzeuge in 33 Städten an. Die Krautter-Kunden können sogar das bundesweite Flinkster-Partnernetz in Anspruch nehmen an 1700 Standorten mit 4000 Fahrzeugen, alleine 60 davon in Stuttgart.

Das Pilotprojekt ist vorerst auf 18 Monate begrenzt. „Wir arbeiten aber bereits an einer flächendeckenden Lösung für ganz Stuttgart an verschiedenen Knotenpunkten des öffentlichen Nahverkehrs“, ergänzte Wolfgang Forderer, der Leiter der Abteilung Mobilität. Ein Modell das Beispiel machen könnte. Denn inzwischen hätten sich bereits andere Städte in Stuttgart gemeldet und sich nach den ersten Erfahrungen erkundigt. Sollte sich das Carsharing-Konzept bewähren, „soll es auch zur Dauerlösung werden“, hob Forderer hervor – als neue Form der Mobilität.

Wie das Carsharing funktioniert

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