Die Orgel hinter dem historischen Barockgehäuse wurde grundlegend erneuert. Foto: Kantorei Fellbach Quelle: Unbekannt

Fellbach (red) - Die Fellbacher Lutherkirche hat ein neues „Gemeindemitglied“: Jüngst wurde die neue Orgel eingeweiht, die von der Firma Lenter gebaut wurde. Bis auf ein paar zehntausend Euro sind die Baukosten von 567 000 Euro bereits finanziert.

Es ist ein „Jahrhundert-Projekt“, das sich die Kirchengemeinde da vor einigen Jahren vorgenommen hatte: Nachdem zu Beginn des Jahrtausends die Lutherkirche saniert und renoviert wurde, sollte auch die Orgel über dem Altar ein neues Klangerlebnis bieten. Die neue Orgel ersetzte das vorhandene Instrument der 1970er-Jahre. Von dieser Orgel ist das denkmalgeschützte Barockgehäuse aus dem Jahre 1779/80 von Johannes Jacob Weinmar noch erhalten. Dahinter eingebaut hat die Orgelbaufirma Lenter aus Sachsenheim die nunmehr siebte Orgel in der Geschichte der Lutherkirche mit 2046 Pfeifen und einmal 32 Registern.

In 6500 Arbeitsstunden haben die Orgelbauer, mit Materialien wie sie schon zu Zeiten Johann Sebastian Bachs üblich waren, ein Klangkunstwerk geschaffen. Für die Vorgängerorgel waren dem damaligen Zeitgeist entsprechend auch moderne Werkstoffe verwendet worden, zudem dachte man, möglichst viel Orgel im bestehenden Gehäuse unterbringen zu müssen. Dem Klangbild tat das nicht gut, weshalb Kantor Thilo Frank schon kurz nachdem er seinen Dienst in Fellbach angetreten hatte, Verbesserungen anmahnte. Die Fehler der Vergangenheit wurden behoben, erläuterte Markus Lenter, Juniorchef der Orgelbaufirma. Jetzt arbeite man noch an der Fertigung der Physharmonika, welche bis zum Frühjahr eingebaut werde.

Die Orgel ist nach vorne in den Kirchenraum gerückt. Nun erklingt die „Gemeinschaft der Pfeifen“ im typischen Klang des Mittleren Neckarraums mit einem sächsischen Akzent. Denn wie die Stadt hat auch Fellbachs Partnerstadt Meißen den Orgelneubau unterstützt. Die Registerknöpfe sind aus Meißner Porzellan.

Der Nachlass des Ehepaars Lydia und Wilhelm Volzer (330 000 Euro) diente als Grundstock für den rund eine halbe Million Euro teuren Orgelneubau, der darüber hinaus aus Spenden finanziert wird. 2008 begann die Spendenwerbung - jeder konnte Pate für eine oder mehrere Orgelpfeifen werden. Je nach Größe wurden Beträge zwischen 10 und 750 Euro aufgerufen. Auch für einzelne Elemente der historischen Schauseite wurden für Beträge zwischen 150 und 1500 Euro Patenschaften vergeben. So kam bereits eine ordentliche Summe zusammen.

Ganz ist das Ziel von 237 000 Euro jedoch noch nicht erreicht, es stehen noch einige zehntausend Euro aus. Doch die fehlenden Gelder würden sicher bald zusammenkommen, nun da man die Orgel höre, meinte Oberbürgermeisterin Gabriele Zull bei der Einweihung. Sie sei beeindruckt, was der Arbeitskreis Orgelspenden auf die Beine gestellt habe und vom großen Engagement von Vereinen, Unternehmen und Privatleuten für den Orgelneubau. Dies zeuge von einer Stadtgesellschaft, in der der Zusammenhalt stimmt und in der man auch solche Projekte gemeinsam angehen könne. Erklingen wird die Orgel hauptsächlich in den Gottesdiensten, aber auch bei einigen Konzerten.

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