Markierungsarbeiten am Neckartor. Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky - Lichtgut/Oliver Willikonsky

Weder Stadt noch Land haben sich bei der Neuregelung des Verkehrs in der Cannstatter Straße mit Ruhm bekleckert, kommentiert Konstantin Schwarz.

StuttgartMit der ausgebremsten Buslinie X 1 hat sich die Landeshauptstadt einen der vorderen Plätze im Schwarzbuch der Steuerverschwendung gesichert. Die neue Schnellbuslinie, seit Oktober zwischen der Innenstadt und Bad Cannstatt sowie retour in Betrieb, sollte die Fahrgäste „ruckzuck“ ans Ziel bringen. Sie sollte für die neuen Möglichkeiten des Nahverkehrs werben. Natürlich geht es auch seit Samstag, als 300 Meter Busspur stadtauswärts angefügt wurden, für alle Mitfahrer ruckzuck, aber in Richtung Cannstatt eben ruckzuck in den Stau. Für die neue Linie hat die Stadt die Kleinigkeit von 2,5 Millionen Euro ausgegeben. Nun fehlten dem X 1 geschätzt fünf Sekunden Vorsprung, um den Wechsel von der neuen zur bestehenden Busspur an der berühmten Feinstaubkreuzung vor den anfahrenden Autos zu schaffen.

Das Land hat die Stadt angewiesen, die 300 Meter Busspur anzulegen. Sowohl die Verwaltung als auch die Mehrheit des Gemeinderates lehnten sie ab. Dabei war die Maßnahme des Landes kein Willkürakt, es hat die Vorgaben des Verwaltungsgerichts – wohlgemerkt: nach drei Jahren! – umgesetzt. Die Stadtverwaltung weiß seit Monaten, dass die neue Spur nur mit einer veränderten Ampelschaltung funktionieren kann. Was sie sich hier leistet, riecht stark nach einem Revanchefoul gegen das Land. Dabei schadet sie sich selbst. Die wie ein Gepardenfell gefleckt lackierten Busse sollten zur geschützten Art gehören. Mit dieser Posse bringt die Stadt sie zur Strecke.

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