Marcus Schaufuß, Harald Hauser, Kurt Mailänder, Melanie Hartmann und Stefan Kress (v.l.) haben gemeinsam überlegt, wie man die Wiese neben dem Wasserwerk an der Austraße umgestalten kann – zum Beispiel mit einem Insektenhotel. Foto: Janey Schumacher - Janey Schumacher

Das Insektensterben wird zunehmend zum Problem für unser Ökosystem. Auch in Baden-Württemberg. Deshalb will die Netze BW Blumenwiesen säen.

Münster Das Insektensterben wird zunehmend zum Problem für das Ökosystem. Auch in Baden-Württemberg sei die Insektenpopulation massiv zurückgegangen, sagt Stefan Kress, stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbunds (Nabu). Studien hatten ergeben, dass Insekten, vor allem Wildbienen- und Schmetterlingsarten, vom Aussterben bedroht sind. Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, will die Netze BW, ein Tochterunternehmen der EnBW, Blumenwiesen säen. Und zwar auf den Flächen, die sich über den Trinkwasserbehältern befinden. Das sind in Stuttgart etwa 43 Stück mit einer Gesamtfläche von zirka 16 Hektar.

Weniger mähen

„Diese Wiesen wurden in der Vergangenheit von Landschaftsgärtnern gepflegt, ansonsten aber in Ruhe gelassen“, sagt Harald Hauser, Geschäftsführer der Netze BW Wasser. Fachmännische Unterstützung hat sich das Unternehmen für die Umsetzung der Bienenweiden und Blumenwiesen beim Imkerverein Stuttgart, dem Nabu und dem Amt für Stadtplanung und Wohnen geholt. „Gemeinsam wurde mehr als ein halbes Jahr lang besprochen, wie die Flächen am besten umgestaltet werden können“, sagt Hauser. Eines der Ergebnisse wird derzeit auf dem Grundstück neben dem Wasserwerk an der Austraße in Münster realisiert. Hier wird die Wiese zunächst umgegraben, um anschließend Blumen säen zu können, die auch Wildbienen eine Nahrungsgrundlage bieten. Nistmöglichkeiten für die Insekten werden zudem durch das Auflockern des Erdreichs geschaffen. Aber auch durch weniger aufwendige Maßnahmen kann für mehr Pflanzenvielfalt gesorgt werden. „Etwa indem das Grundstück nicht sechs Mal pro Jahr, sondern nur ein bis zwei Mal gemäht wird“, sagt Kress. Er rät dazu, das abgemähte, nährstoffreiche Gras nicht auf der Wiese liegen zu lassen, sondern zu entfernen. Auf diese Weise kann über Jahre ein sogenannter Magerrasen entstehen. Dieser nährstoffarme Boden wird von vielen Pflanzen bevorzugt, die wiederum Nahrungsgrundlage für zahlreiche Insektenarten sind.

Außerdem ist vorgesehen, auf 31 Flächen Bienen anzusiedeln. „Das könnten insgesamt bis zu 185 Bienenvölker sein“, sagt Marcus Schaufuß von der Netze BW. Auf etwa der Hälfte der Wiesen werden in Kooperation mit dem Imkerverein Bienenvölker angesiedelt, die sich derzeit in der Stadt befinden. Denn in der Stadt gibt es häufig ein Problem: „Die Blühfläche ist zu gering“, sagt Melanie Hartmann vom Amt für Stadtplanung und Wohnen. Die Folge: Mancherorts konkurrieren die Honigbienen mit den Wildbienen um Nahrung. Problematisch ist aus Sicht von Kurt Mailänder, erster Vorsitzender des Imkervereins Stuttgart, auch, dass es in der Stadt zu wenig Früh- und Spätblüher gibt, die vor allem für Wildbienen wichtig sind. „Außerdem sind Garagendächer oder Flachdächer mehr Notbehelf als ein geeigneter Standort für Honigbienen“, sagt Mailänder. Deshalb sei die Umsiedlung auf die Blumenwiesen sinnvoll.

Als kleines Extra plant die Netze BW übrigens im nächsten Jahr eigenen Honig anzubieten, „exklusiv von den Stuttgarter Wasserbehältern“, sagt Hauser. Außerdem will das Unternehmen Schulklassen am Wasserwerk in der Austraße nicht nur über die Trinkwasseraufbereitung, sondern auch über die Bedeutung von Bienen und Insekten für das Ökosystem aufklären.

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