Heinz Morhard am Pult, vorne sitzen Bürgermeister Peter Pätzold, Hans-Wolf Zirkwitz, Jürgen Mutz und Ralf Bohlmann (v. l.) in coronagerechter Bestuhlung. Foto: Friedrich-Andreas Hühn

Beim Festakt zu 25 Jahre Naturschutzgebiet Unteres Feuerbachtal wurde auch über Möglichkeiten des Hochwasserschutz diskutiert.

Mühlhausen - Für den Bürgerverein Mühlhausen war die letzte öffentliche Veranstaltung ein Biotoprundgang entlang des Naturschutzgebiets Unteres Feuerbachtal am 5. September 2020. Die lange Pause dazwischen wegen der Corona-Pandemie wurde am 9. Juli mit dem Jubiläumsabend „25 Jahre Naturschutzgebiet Unteres Feuerbachtal“ beendet. Auch für den Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde Mühlhausen im Walpurgishaus war es die erste allgemeine, öffentliche Veranstaltung in diesem Jahr.

Der Veranstalter des Jubiläumsabends, der Bürgerverein mit seinem Vorsitzenden Heinz Morhard hatte mit der Rednerliste, die die Vergangenheit und Gegenwart abdeckte, besondere Akzente gesetzt. So kamen die meisten Grußwortredner aus dem Amtsbereich der Stadt Stuttgart: Baubürgermeister Peter Pätzold für den verhinderten Oberbürgermeister, der Leiter des Amts für Umweltschutz, Hans-Wolf Zirkwitz, zugleich die untere Umweltschutzbehörde vertretend, Tiefbauamtsleiter Jürgen Mutz und Bezirksvorsteher Ralf Bohlmann. Ferner Vertreter von befreundeten Bürgervereinen, der ARGE Nord Ost, dem BUND, dem Nabu und der Landwirtschaft. Zu den Grußwortrednern gehörte der Obmann der Landwirte Mühlhausen, Jochen Brust, der sich für die Belange des Naturschutzes kooperativ zeigte.

Den weitesten Weg hatte, als damals eng Beteiligter bei der Umwandlung eines Teils des bereits existierenden Landschaftsschutzgebietes in das Naturschutzgebiet, der heutige Bürgermeister der Gemeinde Kusterdingen in der Nähe von Tübingen, Jürgen Soltau. Durch die lange Reihe von Grußworten erfolgte die Beleuchtung des Themas Naturschutz bezogen auf das Feuerbachtal in außerordentlich interessanter, unterschiedlicher Art. Von allen am Jubiläumsabend Beteiligten wurde diese Form als sehr abwechslungsreich und gut empfunden.

Gemäß der neu formulierten Satzung des Bürgervereins Mühlhausen, die bei der nächsten Mitgliederversammlung im Juli verabschiedet werden soll, erstreckt sich ein Aufgabenbereich auf eine aktive Beteiligung an der Biotoppflege und Biotopvernetzung, um die Lebensräume von Pflanzen und Tieren zu sichern und miteinander zu verbinden. Auch vor 25 Jahren setzte sich der damals noch Schutzgemeinschaft genannte Verein intensiv für das Zustandekommen des neuen Naturschutzgebietes ein. Was dazu führte, dass mit der Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet „Unteres Feuerbachtal mit Hangwäldern und Umgebung“ vom 4. Juli 1996 eine 50 Hektar große Fläche besonders geschützt wurde.

Mit dem Hintergrund eines verheerenden Starkregens im Zuflussbereich des Feuerbachs am 7. Juni 2018 und der daraus folgenden Überflutung des historischen Ortskerns von Mühlhausen, der mit 211 Meter tiefsten Stelle von Stuttgart, hatte der Bürgerverein dem Festredner der Landeshauptstadt den Titel vorgeschlagen: „25 Jahre Naturschutzgebiet Unteres Feuerbachtal – Naturschutz versus Hochwasserschutz“.

Übernommen hatte diese Aufgabe Bürggermeister Pätzold, dessen Aufgabenbereich Städtebau, Wohnen und Umwelt umfasst. In seinem Vortrag ging er auf die Historie ein und erläuterte den besonderen Schutzzweck dieses Naturschutzgebiets. Besonders hingewiesen wurde auf den Steinbruch Wenninger und die damit verbundenen Maßnahmen im Rahmen des Projekts „Schaffung offener, trockenwarmer Felswände als Trittsteine im Biotopverbund“. Ausführlich ging er auf den Feuerbach und die bereits begonnene Renaturierung ein. Zur bereits lang erwarteten Vorlage einer im Auftrag des Tiefbauamtes zu erstellenden Flussgebietsuntersuchung gab es keine endgültige Zeitaussage. Angedacht sind mit dem Ziel einer ganzheitlichen Lösung für den Schutz im unteren Feuerbachtal Renaturierungsmaßnahmen. Eine Machbarkeitsstudie prüft verschiedene Varianten für bestehende Zwangspunkte. Langfristiges Ziel sei es auch, den Feuerbach in der Ortslage Mühlhausen wieder sichtbar zu machen und die Mündung in den Neckar zu gestalten, so Pätzold.

In der anschließenden Diskussion kamen die unterschiedlichen Ansichten zum dringend erforderlichen Hochwasserschutz noch einmal zur Geltung. Ebenso wurde dem Baubürgermeister die Bitte auf den Weg mitgegeben, den ursprünglich für das erste Halbjahr 2020 zugesagten, dann aber wegen Corona verschobenen, modifizierten Verkehrsstrukturplan Mühlhausen/Hofen zu beschleunigen. In den Jahren 2018/2019 gelaufenen intensiven Bürgerbeteiligungen war der Eindruck von kurzfristig machbaren und vor allen Dingen preiswerten Verkehrsverbesserungen erweckt worden.

Noch sind alle öffentlichen Einladungen für einen Veranstalter mit dem Coronarisiko verbunden. Der Bürgerverein Mühlhausen hatte es gewagt und war dann dankbar für die Resonanz der Besucher.

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