Eindrucksvoll: das Skelett eines Pottwals. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko - Lichtgut/Max Kovalenko

Walhai, Pottwal, Riesenkalmar und noch viel mehr: „Riesig im Meer“ heißt die Ausstellung für die ganze Familie, die bis kommenden Juni im Schloss Rosenstein zu sehen ist.

StuttgartDie Begrüßung ist furchteinflößend: Das Skelett eines riesigen Haimauls am Eingang der Säulenhalle zeigt dem Besucher sofort, was ihn im Naturkundemuseum erwartet. „Riesig im Meer“ heißt die Ausstellung im Stuttgarter Schloss Rosenstein, die bis Mitte Juni 2020 beeindruckende Einblicke in die Ozeane dieser Welt bietet. Mit eingeschlossen ist der Gruselfaktor – schließlich war der Urzeithai Megalodon der absolute Topräuber der damaligen Weltmeere. Und der Weiße Hai darf ebenfalls nicht fehlen. Doch ehrfürchtiges Staunen ist auch angesichts der riesigen, heute noch lebenden Kreaturen garantiert, die der Ausstellung ihren Namen geben: vom Riesenkalmar und dem Riemenfisch im abgedunkelten Tiefseeraum bis zum 13 Meter langen Seiwal im völlig neu gestalteten Meeressaal.

Ulrich Schmid, Museumspädagoge und Leiter der Abteilung Kommunikation, übertreibt nicht, wenn er sagt: „Unsere Ausstellung ,Riesig im Meer’ ist eine Kollektion an Organismen der Superlative – und ein packendes Erlebnis für die ganze Familie.“ Denn auch an den Nachwuchs wurde gedacht: So kann jedes Kind ein Quartett-Kartenspiel mit den prominentesten Riesen der Meere mit nach Hause nehmen. „Das gehört zum Leitfaden dieser Ausstellung“, merkt Schmid an. Ein weiterer wichtiger Baustein sind die Begleittexte zu den Exponaten, die sowohl in deutsch als auch englisch sind. Für Stefan Merker, den Kurator der Ausstellung und Leiter der Abteilung Zoologie, war es wichtig, die im wahrsten Sinne des Wortes riesigen Schätze des Museums einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen. Dazu gehört zum Beispiel, dass das restaurierte Skelett eines Pottwals, der 1961 vor Japan gefangen wurde, aus den Katakomben des Museums geholt wurde und nun vollständig im Meeressaal zu sehen ist.

Die Ausstellung will auch mit dem Mythos aufräumen, dass Haie stets böse Räuber und Wale sanfte Riesen sind. Welch abenteuerliche Kämpfe sich zwischen Pottwalen und ihrer bevorzugten Beute, den Riesenkalmaren, in der Tiefsee abspielen müssen, zeigen die Spuren von Saugnäpfen auf der Haut der Wale. Umgekehrt ist der Walhai ein recht friedfertiges Tier, das sich wie der riesige Blauwal von kleinen Meeresorganismen wie etwa Kleinkrebsen ernährt. Das Modell des weiß gefleckten Hais in der Ausstellung ist „nur“ acht Meter lang – im Meer sollen bis zu 19 Meter große Exemplare dieses größten Fisches der Welt leben.

Stefan Merker betont zudem, dass sich „Riesig im Meer“ nicht nur mit den absoluten Giganten der Ozeane beschäftigt, sondern auch relative Riesen ihren Platz haben: „Wir nennen sie Miniriesen.“ Gemeint sind zum Beispiel die bis zu 50 Zentimeter großen Riesenasseln. Oder der 55 Meter lange Schnurwurm, der vor der schottischen Küste gefangen wurde. In der Ausstellung ist er durch eine ebenso lange Schnur in derselben Dicke dargestellt. Auch die riesigen Strukturen, die im Meer zu finden sind, werden thematisiert: Korallenriffe etwa oder die Unterwasserwälder aus Riesentang, die auch den Seeottern Lebensraum bieten. Im Wasser sehen sie putzig aus, aber mit 1,5 Metern Länge sind sie doch recht groß, wie man an einem präparierten Tier sehen kann.

Die riesigen Exponate bringen es mit sich, dass die Zahl der Ausstellungsstücke beschränkt bleiben muss – was kein Nachteil ist. So bleibt viel Raum, um die Größe dieser Meeresriesen zu bewundern. Und die Stimmung der Tiefsee auf sich wirken zu lassen. Auch die auf den Begleittafeln zusammengefasste Informationsfülle hält sich in Grenzen – doch dafür ist Mitmachen angesagt: In einem Mini-U-Boot kann man per Virtual-Reality-Brille die Unterwasserwelt bewundern – auf einer vierminütigen Reise in die Tiefsee. Und an einem Monitor lässt sich interaktiv das Verhalten eines Fischschwarms studieren. Dazu kann man mit einem Finger den Angriff eines Räubers simulieren.

Thematisiert wird auch die Umweltverschmutzung: Müllstrudel, Mikroplastik, Geisternetze, Versauerung der Meere und Korallensterben – die Probleme sind riesig. „Auch das wollen wir den Besuchern ins Bewusstsein bringen“, sagt Merker. Der malerisch drapierte Anschauungs-Müll wurde extra für die Ausstellung an den Stränden der Nordseeinsel Mellum gesammelt.

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