Schaulustige drängen sich vor den brütenden Schwänen. Und wo ist der Sicherheitsabstand? Foto: Knut Krohn

Ein brütendes Schwanenpärchen ist in Paris zu einer Attraktion geworden. Für viele ist diese städtische Idylle ein kleiner Lichtblick in diesen Zeiten. Doch der Besucherandrang hat auch negative Seiten.

Paris - In Paris sorgt eine tierische Glamour-Familie überraschend für Aufsehen. Auf dem Canal de L’Ourcq, der sich schnurgerade durch das 19. Arrondissement zieht, brüten zwei Schwäne. Seit in diesen Tagen die ersten Küken aus den insgesamt sieben Eiern geschlüpft sind, reist der Strom der Neugierigen nicht mehr ab. Für viele Passanten ist die kleine Idylle in den tristen Corona-Zeiten ein kleiner Lichtblick.

Unter dem freudigen Gelächter der Zuschauer macht sich der tapsige Nachwuchs inzwischen dran, in Watschelschritten das kleine künstliche Floß zu erkunden, auf dem die Eltern ihr Nest gebaut haben. „Das ist so schön“, bricht es angesichts der flauschigen Baby-Schwäne aus einem Mann heraus und er umarmt überschwänglich seinen Partner.

Auch der der Bürgermeister des 19. Arrondissements, François Dagnaud, zeigt sich gerührt. Als am Mittwoch die ersten beiden Küken aus den Eiern schlüpfen, schreibt er auf Twitter: „Wenn das Leben die Oberhand gewinnt – unter den gerührten Blicken wohlwollender Anwohner.“ Die Natur in der Stadt, so der Lokalpolitiker weiter, das seien „bewegende Momente“. Weil Menschen dazu neigen, sympathischen Wesen Kosenamen zu geben, heißen die beiden Eltern-Schwäne nun Odette und Siegfried – eine Anlehnung an das Ballett „Schwanensee“.

Die Natur kehrt in die Stadt zurück

Für den Bürgermeister sind die brütenden Vögel auch ein Zeichen dafür, dass selbst die kleinen Maßnahmen zur Renaturierung des Kanals mitten in der Millionenmetropole in die richtige Richtung gehen. Erst im Februar war das knapp 35 Quadratmeter große Floß aus Schilf im Canal de L’Ourcq festgemacht worden. Es soll als eine Art „Hotel“ für die Tiere, Pflanzen und verschiedene Insekten dienen. An anderen Stellen in den Kanälen, die die Stadt durchziehen und auch in der Seine selbst, seien solche Mikrobiotope bereits getestet worden.

Der aktuelle Bruterfolg der Schwäne scheint dem Bürgermeister Recht zu geben. Allerdings nimmt die Symbiose von Zivilisation und Natur auch wunderliche Wendungen. Die beiden Elternvögel haben ihr Nest nicht nur aus Tang und Gras, sondern zum Teil auch aus alten Plastiktüten und McDonald’s-Verpackungen gebaut. Zudem hat der Andrang der Schaulustigen auch negative Seiten. Vertreter der Tierschutzgruppe Paris Animaux Zoopolis (PAZ) warnen davor, dass die Leute die Vögel bei der Aufzucht der Jungen stören oder sogar in böser Absicht das Floß besteigen können. Aus diesem Grund wurde inzwischen ein mannshoher Zaun errichtet, der die Passanten auf Abstand halten soll.

Die Tierschützer gehen aber noch weiter. Sie plädieren dafür, in einem toten Seitenarm des Kanals für die in der Stadt heimischen Tiere ein extra Schutzgebiet abzusperren, zu dem die Menschen keinen Zutritt haben. Pénélope Komitès, in Paris zuständig für Biodiversität, hält das für eine gute Idee. „Wir arbeiten dran“, lässt sie via Twitter wissen.

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