Die Feuerwehr konnte den Brand in der Kathedrale löschen. Nun werden die Schäden begutachtet, die das Feuer angerichtet hat. Foto: AFP/SEBASTIEN SALOM-GOMIS

Ermittler gegen von Brandstiftung aus – Ein Mann ist in Gewahrsam genommen – Bei dem Feuer wird die historische Orgel völlig zerstört

Paris - In Frankreich herrscht große Bestürzung über den Brand in der Kathedrale von Nantes. Nur wenige Stunden nach dem Feuer am Samstag hat die Polizei einen 39 Jahre alten Mann in Gewahrsam genommen, der am Freitagabend für die Schließung der Sankt-Peter-und-Paul-Kathedrale verantwortlich war und als Freiwilliger für die Diözese arbeitet. Da der Brand an drei Stellen gleichzeitig ausbrach, gehen die Ermittler von Brandstiftung aus. Das Feuer konnte zwar nach einigen Stunden gelöscht werden, doch die historische Orgel wurde völlig zerstört.

Keine Einbruchspuren an den Türen

Wie der leitende Staatsanwalt Pierre Sennès am Sonntag betonte, sei die Befragung des Mannes ein normaler Vorgang und man wolle lediglich „bestimmte Aspekte seines Tagesablaufs“ klären. Aussagen dazu, ob der Mann an der mutmaßlichen Brandstiftung beteiligt gewesen sei, seien aber „verfrüht und voreilig“, erklärte Pierre Sennès. Da keine Einbruchsspuren den Türen der Kirche zu finden sind, soll der Mann unter anderem zu den Umständen befragt, „unter denen die Kathedrale geschlossen wurde“. Domrektor Hubert Champenois konnte sich den Ausbruch des Feuers nicht erklären. Vor der Schließung der Kathedrale am Freitag habe wie jeden Abend eine „sehr genaue Inspektion“ stattgefunden, betonte Champenois. Zu jenem Zeitpunkt sei alles in Ordnung gewesen.

Experten suchen nach der Ursache des Brandes

Wie Laurent Ferlay, Einsatzleiter der Feuerwehr, in Nantes mitteilte, seien am Sonntag die letzten Glutnester beseitigt worden. Seine Männer seien die ganze Nacht vor Ort gewesen, um die Lage zu beobachten. „Die Kathedrale ist außer Gefahr“, gab Ferlay am Sonntagmorgen Entwarnung. „Jetzt kann man kann wirklich sagen, sie ist gerettet.“

Am Sonntag trafen nach Angaben des Staatsanwaltes Pierre Sennès Experten einer auf Branduntersuchungen spezialisierten Polizeieinheit am Unglücksort ein. Man gehe von Brandstiftung aus, weil das Feuer nach Angaben der Feuerwehr an drei weit auseinanderliegenden Stellen ausgebrochen sei. Ein Brandherd sei an der Fassade mit der Orgel auszumachen, die beiden anderen Stellen lägen fast am anderen Ende der Kathedrale in den Seitenschiffen, erklärte Pierre Sennès und präzisierte: „Diese drei Brandereignisse, von denen wir immer noch nicht wissen, ob sie gleichzeitig oder nacheinander auftraten, befanden sich alle neben elektrischen Anlagen. Dies könnte auch auf ein elektrisches Problem hinweisen.“

Staat verspricht Hilfe beim Wiederaufbau

Der Brand in Nantes löste nicht nur Bestürzung in der Bevölkerung aus, sondern hatte auch eine rege Reisetätigkeit mehrere Minister der neuen Regierung zur Folge. Selbst Frankreichs frisch ernannter Premierminister Jean Castex eilte nach Nantes und würdigte „den Einsatz und die große Professionalität“ der Feuerwehrleute. Für die Renovierung der Kathedrale sagte Castex Unterstützung des Staates zu. Auch Staatschef Emmanuel Macron meldete sich über Twitter zu Wort. „Nach Notre-Dame steht die Kathedrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul im Herzen von Nantes in Flammen“, schrieb er. Die Kirche sei ein „gotisches Juwel“. Feuerwehrchef Laurent Ferlay erklärte allerdings, mit dem Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame im vergangenen Jahr sei das Feuer in Nantes nicht vergleichbar. Das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt war bei einem verheerenden Brand im April 2019 schwer beschädigt worden und befindet sich seither im Wiederaufbau.

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