Seit der Linienumstellung im aktuellen Fahrplan ist die Stadtbahnlinie U 14 zwischen Vaihingen und Mühlhausen ein Sorgenkind. Foto: imago/Arnulf Hettrich

In Stuttgart steht ein neuer Nahverkehrsplan an. Dazu sind in den vergangenen Monaten die Bürger befragt worden – und denen ist so einiges eingefallen.

Kurz abgehakt hat der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr im Stuttgarter Gemeinderat seinen Tagesordnungspunkt Nummer eins. Alle paar Jahre ist die Stadt verpflichtet, einen Nahverkehrsplan vorzulegen, der detailliert skizziert, wie sich der öffentliche Verkehr entwickeln soll.

69 Seiten Verbesserungsvorschläge

In den vergangenen Monaten durften die Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger online und bei öffentlichen Veranstaltungen in den Stadtbezirken ihre Wünsche äußern. Herausgekommen sind 69 Seiten mit Ideen, die der Gemeinderat nun ohne weitere Debatte zur Kenntnis nahm. Nun geht das Ganze in die Bezirksbeiräte und dann irgendwann zurück in den Rat.

Die insgesamt 400 Teilnehmer, wozu auch die Mitglieder des Jugendgemeinderats gehörten, konnten jenseits aller Sachzwänge ihre Vorstellungen formulieren. Fazit: Auch beim vergleichsweise gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr in der Stadt ist aus Sicht der Bürger viel Luft nach oben.

So gibt es von den Bussen bis zu den Stadtbahnen ziemlich flächendeckend den Wunsch nach dichteren Takten. Auch mehr Querverbindungen nach dem Muster der wieder weggefallenen U 34 zwischen Stuttgart-Süd und -West sind gewünscht. Oder neue Stadtbahnstrecken wie für die U 1 und U 14 nach Büsnau und die U 19 über den Neckarpark hinaus bis nach Gablenberg.

Manches wäre extrem teuer

Das Ganze reicht von Utopien bis zu cleveren Detailideen, die wenig kosten würden. So stößt der Wunsch nach einem dichteren Takt auf den Stadtbahnlinien in der Innenstadt auf eine Kapazitätsgrenze der Gleise. Anderes wäre prinzipiell möglich, etwa den Engpass am Olgaeck zu beseitigen, wo sich vier Stadtbahnlinien für eine kurze Strecke den Straßenraum mit den Autos teilen. Am Charlottenplatz und am Bopser ist ein möglicher Tunnel vorbereitet. Doch der ist nicht ansatzweise am Horizont zu erkennen.

Längere Bahnen lassen auf sich warten

Eine weitere Forderung, die nach mehr langen 80-Meter-Zügen etwa auf den Linien U 2 (Botnang–Neugereut) und U 14 (Vaihingen–Mühlhausen), erscheint realistisch. Doch die laufende Umstellung der Linie U 1 auf längere Stadtbahnen zeigt, wie lange so etwas dauert. 2021 fasste der Gemeinderat den entsprechenden Beschluss, nachdem lange über die Überlastung der Linie geklagt worden war. Fertig wird man im Südabschnitt erst 2026.

Dafür macht ein im Vorgriff auf diese Umstellung gemachter Linientausch zwischen der U 1 und U 14 Ärger. „Die Stadtbahnlinie U 14 wurde sehr häufig von den Befragten genannt“, heißt es im Bericht. Insbesondere die Tatsache, dass es zwischen dem Charlottenplatz und Bad Cannstatt nur noch diese direkte Linie gebe, sei eine Verschlechterung. Dafür ist nun die U 1 die einzige Stadtbahnlinie, für die nicht der Wunsch nach einem dichterem Takt geäußert wurde.

Kann der Fahrplan es allen recht machen?

Alles hängt eben mit allem zusammen. Das gilt auch für die umfangreichen Wünsche an den Fahrplan. Einerseits gelten die Umsteigezeiten als zu knapp – so zum Beispiel in Plieningen zwischen der Buslinie 65 und der Stadtbahn U 3. Andererseits erscheinen sie, insbesondere zu Randzeiten wie den Abendstunden, auf manchen Linien zu lang, etwa seit der Umstellung auf das Netz 2024 von der U 4 auf die U 6 und die U 7 am Charlottenplatz. Doch wenn man an einer Stelle schraubt, wirkt sich das womöglich anderswo negativ aus. Doch es gibt auch Wünsche, die erfüllbar erscheinen.

So klafft bislang zwischen den letzten Bussen und Bahnen und dem Start des Nachtbetriebs eine längere Lücke von teils mehr als anderthalb Stunden. Ausgerechnet in einer Zeit, wo viele Menschen nach Hause wollen. Der Vorschlag: den normalen Verkehr etwas zu verlängern. Das dürfte, wie so vieles, aber auch an die knappe Personaldecke bei den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) und der Deutschen Bahn stoßen.

Ein wenig Farbe und neue Schilder

Anderes ließe sich schon mit etwas Farbe oder ein paar Schildern erledigen. So wünschen sich die Bürger eine hellere Farbgebung einiger Stationen oder bemängeln deren Namensgebung. So sei etwa der Name Staatsgalerie irreführend, weil diese von der Haltestelle aus weit entfernt und schwer erreichbar sei. Sinnvoller sei es, den Stopp Planetarium oder Hauptbahnhof Süd beziehungsweise Ost zu nennen.

Wo bleibt die Gewichtung?

Allerdings gewichtet der Bericht die Vorschläge nicht. Waren es Einzelstimmen? Mehrere? Es wird ohne jegliche Bewertung nur aufgezählt. Das gilt nicht nur für die technische oder finanzielle Realisierbarkeit. Es gibt auch Punkte, wo Bürger etwas reklamieren, was fest geplant ist oder was es schon gibt. So steht unkommentiert als offener Wunsch: „Direkte beziehungsweise schnellere Anbindung von Ostfildern an den Hauptbahnhof.“ Doch die U 7 ermöglicht fast allen Stadtteilen eine Direktverbindung in 21 bis 29 Minuten, was mit dem Auto kaum zu schaffen ist. Und das seit 24 Jahren.