Die Orientalische Schabe fühlt sich auf dem Marktplatz wohl. Foto: Andreas Rosar - Andreas Rosar

Nachts kann man sie auf dem Cannstatter Marktplatz beobachten. Die Orientalische Schabe fühlt sich hier wohl. Auch das Alte Rathaus ist betroffen und hat bereits Fallen ausgelegt.

Bad CannstattEr wollte sich kurz vor Mitternacht nur seine Flaschen mit Mineralwasser vom Polizeibrunnen füllen, als ihm auf dem Boden und an der Wand krabbelnde Tiere auffielen. Da der Cannstatter seine Fotoausrüstung dabei hatte, hielt er das Geschehen fest und konnte es kaum glauben – es handelt sich um die Orientalische Schabe, erkennbar an der dunklen Farbe. „Ein Anwohner erzählte mir, dass die schon eine Weile zu beobachten seien.“ Auch das Bezirksamt wüsste Bescheid. Denn das Alte Rathaus sei ebenfalls betroffen.

„Von einer Schabenplage würde ich jetzt nicht sprechen“, sagt Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler. Der Hausmeister habe aber schon Klebefallen aufgestellt, an denen einige der unliebsamen Tiere verendet sind. Der Marktplatz mit seinem Kopfsteinpflaster bietet für die Schaben, im Volksmund Kakerlaken genannt, beste Bedingungen. Kakerlaken sind eine Untergruppe der Schaben. Jede Kakerlake ist daher eine Schabe, aber nicht jede Schabe eine Kakerlake.

Unangenehm sind diese Insekten allemal. Wer sie einmal im Haus hat, bekommt sie so schnell nicht wieder los, sagen die Experten. Da die Orientalischen Schaben kälteunempfindlicher sind als die Küchenschaben, finden sie auf dem Marktplatz und angrenzenden Gebäuden ideale Bedingungen. In den Ritzen zwischen den Kopfsteinpflastern finden sie Unterschlupf, ebenso in Abwasserkanalisationen, Leitungsnetzen im Straßenraum oder in porösen Häuserfassaden. Und Nahrung gibt es auch reichlich. Die Allesfresser ernähren sich von Vorräten, Abfällen und Kot. „Durch den leichtsinnigen Umgang mancher Menschen mit Speiseresten wie achtloses Wegwerfen im öffentlichen Raum, Entsorgung in der Toilette, geöffnete Mülleimer finden Schaben häufig ideale Lebensbedingungen vor und vermehren sich dementsprechend stark“, sagt Stadtsprecher Martin Thronberens. Wohnräume würden von Schaben in der Regel nicht wegen fehlender Hygiene oder Sauberkeit befallen. „Häufig wandern die Insekten von angrenzenden Restaurants oder Lebensmittelläden in das Haus oder die Wohnung. Manchmal gelangen die Schädlinge auch durch Nahrungsmittelverpackungen in Wohnräume.“

Schaben stammen überwiegend aus tropischen Regionen. Weltweit gibt es 3500 Arten der Insekten. Sie sind lichtscheu und daher in der Nacht aktiv. Sie gelten als Schädlinge und Ungeziefer, können Keime und Krankheitserreger übertragen. Doch längst nicht alle. Die Bernstein-Waldschabe etwa, die in Südeuropa heimisch war, aber es über die Alpen in unsere Gefilde geschafft hat, ist harmlos. Sie ist kein Vorratsschädling. Immer häufiger sind bei uns die kleine Deutsche Schabe, die rotbraune Amerikanische Schabe und die dunkle Orientalische Schabe anzutreffen.

Durch Reisen und den Warenverkehr gelangen die Insekten aus ihrer ursprünglichen Heimat auch zu uns. Je wärmer es bei uns ist, desto leichter vermehren sie sich, berichten die Experten. Zum Überwintern suchen sie sich Gebäude auf. Sind die Schaben einmal im Haus, breiten sie sich dort weiter aus. Über die Rohre oder die Kanalisation gelangen sie von Haus zu Haus. Tagsüber verstecken sich die Schaben beispielsweise in Ritzen, hinter Leisten oder Schränken, in Kellern oder in Schächten.

Im Stuttgarter Westen wurden die Orientalischen Schaben in den vergangenen zwei Jahren zum Problem. Sie haben überwintert und sich im Frühjahr vermehrt. Jetzt wurde ein Kammerjäger eingeschaltet und verstopfte Straßenabläufe professionell gereinigt. Laut Thronberens liegen keine Schätzungen vor, wie groß die Schabenpopulation in Stuttgart ist. Bekämpft werden die zähen Insekten durch Verwendung von Sprühgift, was häufig nur zur Vertreibung führt, über Ködergel oder Köderlack, was eher als Barriere geeignet ist.

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