ARD-Wetterexperte Sven Plöger diskutiert bei der Kreissparkasse Ludwigsburg mit Wirtschaftsvertretern über Nachhaltigkeit.
Sven Plöger hat recht“ – das ist die spontane Antwort von Annette Wagner auf die allererste Frage des Moderators Michael Antwerpes. Kurz und knackig. Die Politikwissenschaftlerin leitet bei der Robert Bosch GmbH die Zentralstelle für Nachhaltigkeit und reagiert bei der Veranstaltung der Kreissparkasse Ludwigsburg am Donnerstagabend auf die Warnungen des ARD-Wetterexperten.
Kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem
Plöger spricht vor rund 250 Mittelständlern aus dem Landkreis über den Klimawandel und darüber, was getan werden muss, um die Erde, wie wir sie kennen, zu retten. Er erinnert das Publikum daran, dass es schon lange kein Erkenntnisproblem mehr gebe, wohl aber ein Umsetzungsproblem. Seit Jahrzehnten sei bekannt, dass die Erde auf einen Kollaps zusteuere. Schon in den 1970er-Jahren hätten Fachleute vor extremer Hitze gewarnt, vor Wasserknappheit und verheerenden Überschwemmungen. Wenn weiter so viele fossile Brennstoffe verfeuert werden wie derzeit, dann steige der Meeresspiegel, weite Teile der Erde würden unbewohnbar, viele Millionen Menschen müssten ihre Heimatländer verlassen.
In seinem launigen Vortrag unter dem Motto „Zieht Euch warm an, es wird heiß!“ macht Plöger aber auch Mut. Er setze auf die Vernunft der Menschen, nicht alles zu tun, was sie dürfen – etwa ständig weit weg in den Urlaub fliegen. Und er setzt auch auf den Erfindergeist, sagt sinngemäß: Wir können es noch schaffen, die Erwärmung der Atmosphäre zu stoppen. Wer die Umwelt verschmutze, dürfe indes keinesfalls reicher werden „als der, der sie sauber hält“. Klimaschutz, sagt der Fachmann, müsse und könne zu einem „Jahrhundertgeschäft“ werden. Plöger spannt in seinem Vortrag einen weiten Bogen, fordert etwa ein ökologisches (oder soziales) Pflichtjahr für junge Leute. Er outet sich als einer, der eher nicht CDU wählt, zollt der Union beim Punkt Dienstpflicht aber Respekt.
Klimaschutz rechnet sich
Die Bosch-Vertreterin Annette Wagner erklärt, dass die weltweit rund 400 Werke ihres Unternehmens seit 2020 klimaneutral arbeiteten. Gefordert seien aber alle, sagt sie: Privatpersonen, Wirtschaft, Politik. Langfristig werde sich die Investition von rund zwei Milliarden Euro rechnen, die Bosch für den Klimaschutz tätige. Und Plöger wirft ein: Jeder nicht in den Klimaschutz gesteckte Euro koste später ein Vielfaches.
Detlef Weimann, der Geschäftsführende Gesellschafter der Goetze KG aus Ludwigsburg, sieht beim Thema CO2 -Einsparungen „eine gigantische Chance“. Sein Unternehmen mit knapp 200 Beschäftigten produziert unter anderem Sicherheitsventile. Viele Fahrzeuge mit vielen Wasserstofftanks, sagt er, seien aus Sicht seines Unternehmens „ein Traum“, denn für all diese Behältnisse seien Ventile erforderlich.
„Wir schaffen den Winter“
KSK-Vorstandsmitglied Thomas Raab erklärt mit Blick auf den Titel der Veranstaltung und auf die aktuelle Energiekrise: Man habe ernsthaft über eine Änderung der Überschrift nachgedacht. Statt „Zieht Euch warm an, es wird heiß“ sei „Zieht Euch warm an, es wird kalt“ diskutiert worden. Doch man sei sich einig: „Der unsägliche Angriffskrieg“ Russlands gegen die Ukraine werde die Menschheit nicht so lange beschäftigen wie der Klimawandel. Das Kreditinstitut berate alle Kunden, wenn es um die Finanzierung von Maßnahmen zum Klimaschutz geht. Und schließlich hat der Vorsitzende der Geschäftsführung der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim zu vorgerückter Stunde noch eine erfreuliche Einschätzung parat. Christian Schneider erklärt mit Blick auf die mittlerweile ganz gut gefüllten Gasspeicher im Land, er sei zuversichtlich: „Wir schaffen den Winter“ – wohl wissend, dass Gas langfristig nicht die Lösung sein kann.