Ein Honor-Smartphone wird zum Verkauf ausgestellt. Foto: Andy Wong/AP/dpa Foto: dpa

Die US-Sanktionen erschweren Chinas Telekomriesen Huawei das Geschäft mit Smartphones. Um seine Marke Honor zu retten, verkauft der Konzern die Tochter. Kann die Unabhängigkeit das Überleben von Honor sichern?

Shenzhen - Unter massivem Druck von US-Sanktionen hat Chinas Telekomriese Huawei seine Smartphone-Marke Honor verkauft und damit unabhängig gemacht.

Ein Konsortium aus 30 Geschäftspartnern übernimmt das Unternehmen, wie Huawei am Dienstag in Shenzhen mitteilte. Über die Höhe des Geschäfts wurden keine Angaben gemacht. Doch schätzen Experten den Wert von Honor nach Medienberichten auf rund 100 Milliarden Yuan, umgerechnet 12,8 Milliarden Euro. Nach der Transaktion halte Huawei keine Anteile mehr an Honor und sei nicht mehr am Management beteiligt, teilte der Konzern mit.

"Huaweis Verbrauchergeschäft steht seit Neuestem unter massivem Druck", teilte das Unternehmen unter Hinweis auf die US-Sanktionen mit. "Der Grund ist, dass technische Elemente, die für unser Smartphone-Geschäft nötig sind, auf Dauer nicht verfügbar sind." Aus diesem Grund veräußere Huawei das Unternehmen an das Konsortium Shenzhen Zhixin New Information Technology, um den Honor-Händlern und Zulieferern zu helfen, "durch diese schwierigen Zeiten zu kommen".

Honor verkauft nach diesen Angaben rund 70 Millionen Smartphones im Jahr - meist Handys der unteren und mittleren Preisklasse an jüngere Kunden. Die Marke hatte im dritten Quartal einen Marktanteil in China von rund 15 Prozent - knapp hinter Huawei selbst, wie die "South China Morning Post" berichtete. Der Anteil an Huaweis Smartphone-Geschäft wurde auf ein Viertel bis ein Drittel geschätzt.

"Die industrielle Honor-Lieferkette hat diesen Schritt unternommen, um ihr eigenes Überleben zu sichern", teilte Huawei mit. Bisher war Honor abhängig von Huaweis Technologie, sodass die Marke auch unter den US-Sanktionen litt. Unter neuen Besitzern kann das Unternehmen flexibler seine Produkte entwickeln und potenziell auch Geschäfte mit dem US-Chiphersteller Qualcomm oder Google machen, die Huawei heute verwehrt sind, weil es auf einer schwarzen Liste der USA steht.

"Honors Unabhängigkeit von Huawei wird den Erwartungen nach sicherstellen, dass in Honors Kanälen "das Wasser weiter fließt" und die vor- und nachgelagerten Zulieferer rettet", zitierte die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua informierte Kreise, die mit der Transaktion vertraut sind. "Wenn nicht richtig damit umgegangen wird, könnten mehr als eine Million Menschen ihre Jobs verlieren."

Die US-Sanktionen erschweren den Zugang von Huawei zu amerikanischer Software und Technologie, auch wenn sie von Unternehmen außerhalb der USA stammen. Da sich Huawei deswegen zunehmend unabhängig von US-Technologie machen muss, benötigt der Konzern nach Angaben von Experten auch neues Kapital, was aus dem Verkauf des Tochterunternehmens kommen könnte. Für Honor bedeutet die Unabhängigkeit allerdings auch, dass es jetzt eigene Forschung und Entwicklung betreiben muss. Medienberichten zufolge denken die neuen Eigentümer angeblich bereits an einen Börsengang in ein paar Jahren.

© dpa-infocom, dpa:201117-99-358761/3

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